Fachlagerist:in Prüfungsfragen: 10 Übungsaufgaben mit Lösung
Zehn Aufgaben aus 8 Lernfeldern, mit Erklärung zu jeder Antwort. Kostenlos, ohne Anmeldung.
So üben Prüfungsfragen richtig
Zehn Prüfungsfragen für Fachlagerist:innen, wie sie in der Zwischen- und Abschlussprüfung vorkommen: Aufgaben aus allen acht Lernfeldern, vom Wareneingang bis zum Versand, die Lernfelder Lagern und Verladen doppelt. Du beantwortest jede Frage einmal, siehst sofort, ob deine Antwort stimmt, und bekommst zu jeder Antwortmöglichkeit eine Erklärung.
Die zehn Aufgaben
0 von 10 beantwortet
Aufgabe 1 von 10 Lernfeld 1: Güter annehmen und kontrollieren
Der Empfänger auf dem Lieferschein lautet 'Muster GmbH, Hamburg'. Dein Betrieb ist 'Muster GmbH, Bremen'. Wie gehst du vor?
Warum nicht
Annehmen, da Firmenname übereinstimmt
Teilübereinstimmung beim Firmennamen genügt nicht: Standort-Abweichungen können auf Fehllieferungen an falsche Niederlassungen hinweisen. Der vollständige Empfänger inklusive Standort ist Prüfpflicht.
Richtige Antwort
Abweichung im Standort schriftlich vermerken, Vorgesetzte informieren
Empfänger und Standort sind Pflichtprüffelder. Eine abweichende Ortsangabe kann auf eine Fehlzustellung hindeuten: die Diskrepanz muss dokumentiert und eskaliert werden, bevor eine Annahme erfolgt.
Warum nicht
Lieferschein eigenhändig korrigieren und dann unterschreiben
Eigenmächtige Korrekturen am Lieferschein verfälschen das rechtlich relevante Transportdokument. Abweichungen werden vermerkt und eskaliert: nicht einseitig überschrieben.
Aufgabe 2 von 10 Lernfeld 2: Güter lagern
Du sollst einem neuen Kollegen erklären, welches Löschmittel bei einem Lackbrand im Lager richtig ist. Welche Begründung ist fachlich korrekt?
Warum nicht
Pulverlöscher verwenden, da er alle Brandklassen abdeckt
Die Begründung ist falsch: ABC-Pulver deckt die Klassen A, B und C ab, nicht D (Metalle) und F (Speiseöle). Für einen Lackbrand (Klasse B) wäre Pulver einsetzbar, im Lager sind Schaum oder CO2 die gezieltere Wahl, weil Pulver Sicht nimmt und erheblichen Sachschaden verursacht.
Richtige Antwort
Schaum oder CO2 verwenden, weil Wasser den brennenden Lack verteilt
Schaum deckt die Flüssigkeitsoberfläche (Klasse B) ab und unterbricht die Sauerstoffzufuhr; CO2 verdrängt Sauerstoff, ohne den Lack zu verspritzen. Wasser hingegen trifft die Flüssigkeit mit kinetischer Energie und erzeugt einen Brandauswurf: genau das Gegenteil von Löschwirkung.
Warum nicht
CO2 verwenden, weil Lacke auf Wasserbasis nicht mit Wasser brennen
Überverallgemeinerung: Wasserbasierte Lacke haben zwar einen höheren Flammpunkt, aber lösungsmittelhaltige Lacke (häufig im gewerblichen Lager) sind hochbrennbar. Die pauschale Aussage ist irreführend: die Löschmittelwahl hängt vom konkreten Stoff ab, nicht vom Namensbestandteil 'Wasser'.
Aufgabe 3 von 10 Lernfeld 2: Güter lagern
Du platzierst Artikel im Kommissionierlager. Energydrinks (hohe Umschlagshäufigkeit) und Kaffeekapseln (niedrige Umschlagshäufigkeit) müssen eingelagert werden. Welche Zuordnung ist korrekt?
Richtige Antwort
Energydrinks in Greifhöhe am Kommissionierweg, Kaffeekapseln in der oberen Ebene
Schnellläufer in Greifhöhe nah am Kommissionierweg reduzieren Wegstrecken und Entnahmezeit direkt. Langsamdreher belegen die schwerer erreichbaren oberen Ebenen, ohne den Kommissionierfluss zu verlangsamen.
Warum nicht
Kaffeekapseln in Greifhöhe am Kommissionierweg, Energydrinks in der oberen Ebene
Invertierte Schnellläufer-Logik: Die häufig gegriffene Ware würde unnötig weite Wege und Zeitverlust erzeugen. Greifhöhe ist dem Artikel mit der höchsten Umschlagshäufigkeit vorbehalten.
Warum nicht
Beide Artikel gleichmäßig auf alle Ebenen verteilen
Überverallgemeinerung einer gleichmäßigen Verteilung: Sie ignoriert das Schnellläufer-Prinzip vollständig. Eine undifferenzierte Verteilung erhöht die durchschnittliche Greifzeit und senkt die Kommissionierleistung messbar.
Aufgabe 4 von 10 Lernfeld 3: Güter bearbeiten
In deinem Ausbildungsbetrieb lagern feuchtigkeitsempfindliche Elektronikplatinen. Welcher Bearbeitungsschritt ist werterhaltend?
Warum nicht
Platinen mit Artikeletiketten für den Versand versehen
Etikettieren ist eine wertsteigernde Maßnahme (Value-Added Service), die die Ware versandfertig macht. Der bestehende Zustand der Platinen bleibt davon unberührt: Feuchteschäden werden dadurch nicht verhindert.
Warum nicht
Platinen in kundenspezifische Kleinpackungen umfüllen
Verwechslung von werterhaltend und wertsteigernd: Umfüllen in Kundeneinheiten ist eine wertsteigernde Maßnahme (Konfektionierung), die die Ware verkaufsfähiger macht, sie schützt aber nicht den bestehenden Zustand.
Richtige Antwort
Trocknungsmittel in die Lagerverpackung legen
Trocknungsmittel bewahren den vorhandenen Zustand der Platinen, indem sie Feuchtigkeitsschäden aktiv verhindern. Das ist werterhaltend: Die Substanz wird gesichert, nicht aufgewertet.
Aufgabe 5 von 10 Lernfeld 4: Güter im Betrieb transportieren
In deinem Ausbildungsbetrieb soll eine Hallenbeleuchtung in 8 m Höhe gewartet werden. Traglast: eine Person plus Werkzeugkoffer. Welches Gerät wählst du?
Richtige Antwort
Hebebühne: Plattform für Wartungsarbeiten in der Höhe
Die Hebebühne ist das normgerechte Mittel für Personen-Höhenarbeit: Traglast unter 500 kg, manuelle Bedienung und standortgebundene Reichweite passen zum Wartungsszenario; DGUV 208-019 regelt Qualifikation und Prüfpflicht.
Warum nicht
Regalbediengerät: erreicht vollautomatisch jede Höhe
Anwendungsbereich-Irrtum: Das RBG ist schienengebunden in der Regalgasse und für Ladeeinheiten konstruiert, es ist nicht für Personenbeförderung geeignet und kann nicht frei im Hallenraum positioniert werden.
Warum nicht
Hallenkran: überbrückt die Hallenbreite zuverlässig
Traglast-Überdimensionierung und Sicherheits-Fehlzuordnung: Der Hallenkran ist für Schwerlasten konzipiert und nicht für den sicheren Transport von Personen auf Arbeitshöhe ausgelegt, er hat keine normkonforme Personenaufnahmeeinrichtung.
Aufgabe 6 von 10 Lernfeld 5: Güter kommissionieren
Du bewertest als Fachlagerist:in, ob die auftragsorientierte Kommissionierung für euren Betrieb geeignet ist. Welche Situation spricht am stärksten für deren Einsatz?
Richtige Antwort
Wenige Großaufträge mit vielen Positionen und engen Lieferfenstern
Kurze Durchlaufzeit und einfache Steuerung kommen besonders bei Aufträgen mit vielen Positionen und Termindruck zur Geltung. Hohe Wegzeiten fallen bei wenigen, großen Aufträgen kaum ins Gewicht.
Warum nicht
Aufträge mit identischen Artikeln für viele verschiedene Kunden gleichzeitig
Identische Artikel für viele Kunden gleichzeitig ist der ideale Anwendungsfall für serienorientierte Kommissionierung: dort werden gleiche Artikel in einem Zug gepickt und anschließend auf Aufträge aufgeteilt.
Warum nicht
Sehr viele kleine Aufträge mit jeweils ein bis zwei Positionen
Genau dieses Szenario ist der klassische Nachteil: Bei vielen kleinen Aufträgen summieren sich die Wegzeiten für jeden separaten Rundgang, was den Durchsatz stark begrenzt. Serienorientierte Verfahren sind hier überlegen.
Aufgabe 7 von 10 Lernfeld 6: Güter verpacken
Im Schadensbericht steht: 'Kartonböden aufgequollen, Inhalt feucht, kein Pilzbefall.' Welcher einzigen Beanspruchungskategorie ordnest du diesen Schaden zu?
Richtige Antwort
Klimatisch: Feuchte hat das Kartonmaterial geschädigt
Aufgequollene Kartonböden durch Wasseraufnahme sind ein eindeutiges klimatisches Schadensbild (Feuchte/Kondenswasser). Da kein Pilzbefall vorliegt, bleibt die Beanspruchung rein in der klimatischen Kategorie: das Drei-Kategorien-Modell erlaubt diese trennscharfe Zuordnung.
Warum nicht
Biologisch: anhaltende Feuchte begünstigt Wachstum von Mikroorganismen
Kategorien-Verwechslung: Biologische Beanspruchung liegt nur vor, wenn Lebewesen (Schimmel, Schädlinge) aktiv schädigen. Laut Befund gibt es keinen Pilzbefall: die Feuchte selbst ist klimatisch, nicht biologisch.
Warum nicht
Mechanisch: Druckkraft hat die Kartonböden verformt
Fehlinterpretation des Symptoms: Aufquellen entsteht durch Wasseraufnahme, nicht durch mechanische Krafteinwirkung. Mechanische Schäden zeigen sich als Stauchungen, Risse oder Eindellung durch Druck oder Stoß.
Aufgabe 8 von 10 Lernfeld 7: Güter verladen
Im unbelüfteten Kühlraum soll eine Palette umgesetzt werden. Dein Kollege fragt, ob der betriebliche Diesel-Frontstapler hier geht. Wie bewertest du das und welches Gerät empfiehlst du stattdessen?
Warum nicht
Diesel zulässig: Kälteschutzöl verhindert Abgasanreicherung
Verwechslung von Motorschutz und Abgasschutz: Kälteschutzöl optimiert die Motorschmierung bei niedrigen Temperaturen, reduziert aber keine Abgasemissionen. CO und CO₂ reichern sich unabhängig vom Motoröl im geschlossenen Raum an.
Warum nicht
Standard-Elektrostapler ausreichend: Abgasfreiheit genügt
Teilwissen: Abgasfreiheit ist zwar ein Vorteil, aber Standard-Elektrogeräte verlieren in Kältebereichen massiv an Akkuleistung und sind damit betrieblich unzuverlässig und sicherheitskritisch, ein Spezialakku ist zwingend.
Richtige Antwort
Diesel unzulässig: kältetaugliches Elektrogerät einsetzen
Verbrenner reichern CO und CO₂ im unbelüfteten Kühlraum gefährlich an und sind daher verboten. Standard-Elektrogeräte versagen bei Kälte durch Akkuverlust; ein kältetaugliches Elektrogerät mit Spezialakku löst beide Probleme regelkonform nach DGUV Vorschrift 68 (Flurförderzeuge).
Aufgabe 9 von 10 Lernfeld 7: Güter verladen
Im Fuhrparkbriefing vergleichst du drei Beladungsfehler: Heckbelastung, Frontlastigkeit und seitliche Unwucht. Welche Zuordnung von Fehler und Primärfolge ist korrekt?
Warum nicht
Heck → Kippen; Front → schwammige Lenkung; Unwucht → Jackknifing
Alle drei Zuordnungen sind vertauscht: Kippgefahr folgt aus seitlicher Unwucht, schwammige Lenkung aus Heckbelastung (Vorderachs-Gripverlust) und Jackknifing ebenfalls aus Heckbelastung, nicht aus Unwucht.
Warum nicht
Heck → schwammige Lenkung; Front → Jackknifing; Unwucht → Kippen
Teilweise vertauschte Zuordnung: Jackknifing ist eine Folge von Heckbelastung (sinkende Sattellast, Vorderachsverlust), nicht von Frontlastigkeit. Frontlastigkeit führt zum Ausbrechen des Trailerhecks.
Richtige Antwort
Heck → Jackknifing; Front → Trailerheck bricht aus; Unwucht → Kippen
Heckbelastung senkt Sattellast und Vorderachsgrip → Jackknifing. Frontlastigkeit überlastet Antriebsachse, entlastet Trailerachsen → Heck bricht bei Bremsung aus. Seitliche Unwucht addiert sich zur Fliehkraft in Kurven → erhöhte Kippgefahr.
Aufgabe 10 von 10 Lernfeld 8: Güter versenden
In deinem Ausbildungsbetrieb Logistik Berger GmbH treffen täglich Pakete von zehn verschiedenen Auftraggebern ein. Du sollst sie effizient versenden. Welche Spediteur-Tätigkeit nutzt du hier gezielt?
Warum nicht
Pakete selbst ausliefern und als Frachtführer abrechnen
Verwechslung mit dem Frachtführer-Szenario: Die Auslieferung ist Pflicht des Frachtführers (§407 HGB). Ein Spediteur ohne Selbsteintritt schuldet ausschließlich die Organisation: eigene Auslieferung wäre ein Vertragsbruch gegenüber dem Speditionsauftrag.
Richtige Antwort
Sendungen als Sammelgut bündeln und gemeinsam beauftragen
Das Bündeln von Sendungen verschiedener Auftraggeber zu Sammelgut ist eine Kerntätigkeit des Spediteurs (§ 453 HGB; Sammelladung ausdrücklich in § 460 HGB). Es senkt Frachtkosten pro Auftraggeber und optimiert die Auslastung: typischer Mehrwert des Organisators gegenüber einer Direktbeauftragung.
Warum nicht
Jedes Paket mit separatem Frachtführer einzeln versenden
Invertierte Effizienzlogik: Einzelbeauftragung pro Paket würde den Kosten- und Koordinationsvorteil des Spediteurs vollständig aufheben. Das Sammelgut-Prinzip ist gerade das wirtschaftliche Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Einzelfrachtführer.
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