Einlagerungsgrundsätze

4 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, den passenden Einlagerungsgrundsatz für vorgegebene Warenkategorien umzusetzen ,

    indem in 4 von 5 Szenarien der richtige Grundsatz gewählt und die Entscheidung mit mindestens einem warenbezogenen Argument (Verderblichkeit, Mindesthaltbarkeitsdatum oder Homogenität) begründet wird.

  2. Du bist in der Lage, die sachliche Begründung für den Einsatz von LIFO bei homogenem Schüttgut zu erläutern ,

    indem die physische Untrennbarkeit des Lagerbestands und die fehlende Verderblichkeit als tragende Argumente benannt und am Beispiel Kies oder Sand konkret beschrieben werden.

  3. Du bist in der Lage, die drei Einlagerungsgrundsätze FIFO, LIFO und FEFO zu benennen ,

    indem alle drei Grundsätze mit ihrer deutschen Langbezeichnung und je einem typischen Beispielgut korrekt angegeben werden.

Warum steht die ältere Ware hinten, obwohl sie zuerst raus müsste?

120 Becher für die Tonne

Deine Kollegin Anastasia hält dir zwei Joghurtbecher aus dem gleichen Regalfach hin. Einer läuft in drei Tagen ab, der andere erst in vier Wochen. Die ältere Charge steht hinten, die neuere davor. Montagvormittag, 08:30 Uhr im Hochregallager Ebene 3, und drei Filialen haben bereits reklamiert: abgelaufene Ware in der Auslage. 120 Becher müssen entsorgt werden, Warenwert rund 300 Euro.

Die statische und dynamische Lagerplatzvergabe führt zur nächsten Frage: In welcher Reihenfolge wird eingelagert und entnommen? Genau das regeln die Einlagerungsgrundsätze.

FIFO und LIFO: Zwei Prinzipien, zwei Logiken

FIFO steht für First In, First Out. Was zuerst eingelagert wird, wird zuerst entnommen. Neue Ware kommt nach hinten, alte bleibt vorn. Das Prinzip ist Pflicht bei Waren mit Verfallsdatum. Im Lebensmittelbereich (Joghurt, Frischfleisch) erzwingt das Mindesthaltbarkeitsdatum die FIFO-Reihenfolge. Dasselbe gilt für Pharmaprodukte wie Medikamente oder Salben.

LIFO steht für Last In, First Out. Die zuletzt eingelagerte Ware wird zuerst entnommen. Das Prinzip passt zu Gütern ohne Verfallsdatum, bei denen die Lagerform die Entnahmereihenfolge vorgibt. LIFO eignet sich für Schüttgut ohne Verfall (Sand, Kies, Kohle, Erz): Es wird oben aufgeschüttet und oben entnommen. Betonplatten und Bewehrungsstahl folgen in der Praxis dagegen meist FIFO wegen Korrosionsschutz und Chargenrückverfolgung.

🎬 Vorstellung: Denk an das Lager in deinem Ausbildungsbetrieb. Welche Waren stehen dort vorn im Regal, welche hinten - und nach welchem Prinzip wurde eingeräumt?

Wo im Regal gehört welcher Artikel hin?

Drei Regeln für die Lagerplatzzuordnung

FIFO und LIFO regeln die Reihenfolge. Aber wo genau im Regal ein Artikel seinen Platz bekommt, bestimmen drei weitere Grundsätze:

  1. Gewichtsteilung: Schwere Güter kommen in die unteren Ebenen, leichte nach oben. Aus der Stapelfähigkeit kennst du die Faktoren Druckfestigkeit und Gewicht. Dieselbe Logik gilt vertikal im Regal.
  2. Artikel mit hoher Umschlagshäufigkeit, sogenannte Schnellläufer, gehören in Greifhöhe und nah an den Kommissionierweg. Langsamdreher wandern in die oberen Ebenen oder an den Rand.
  3. Jeder Artikel muss ohne Umräumen erreichbar sein. Diese Zugänglichkeit spart Zeit und verhindert Beschädigungen beim Umstapeln.

Zehn Artikel, ein Regalplan

So sieht die Zuordnung für ein gemischtes Sortiment aus:

Mehlsäcke sind schwer und werden oft gebraucht, also landen sie auf Ebene 1. Müsliriegel wiegen wenig, werden aber 35× pro Woche gegriffen, also Greifhöhe. Saisonware dreht kaum und wandert an den Rand.

🔮 Bevor du weiterliest: Was passiert mit der Kommissionierzeit, wenn du die Müsliriegel (35× pro Woche) auf Ebene 4 lagerst und die Trockenfrüchte (8× pro Woche) auf Ebene 2?

FIFO oder LIFO - wie fällt die Entscheidung?

Drei Branchen, drei Antworten

Welches Prinzip passt, hängt von zwei Fragen ab: Hat die Ware ein Verfallsdatum? Und lässt die Lagerform eine bestimmte Entnahmereihenfolge überhaupt zu?

Bei Lebensmitteln wie Joghurt oder Frischfleisch ist FIFO Pflicht. Ältere Chargen müssen zuerst raus. Wird dagegen verstoßen, läuft Ware im Regal ab, Entsorgungskosten steigen und Filialen reklamieren.

Schüttgut wie Sand oder Kies folgt einer anderen Logik. Neue Lieferungen werden oben aufgeschüttet, die Entnahme erfolgt ebenfalls von oben. FIFO wäre technisch gar nicht umsetzbar.

Andere Schüttgüter ohne Verfall (Kohle, Erz, Splitt) folgen aus demselben Grund LIFO: identische, haltbare Massengüter ohne Verfallsdatum, bei denen die oberste Lage am schnellsten greifbar ist. Bei Baustoffen wie Betonplatten oder Bewehrungsstahl wird in der Praxis meist FIFO bevorzugt - wegen Korrosionsschutz und Chargenrückverfolgung.

Anastasias Lösung

Im Joghurt-Fall war die Ursache klar: Die neue Charge wurde vor die alte gestellt. Wer Ware entnommen hat, griff automatisch zur neueren. Die ältere Charge blieb unbemerkt stehen, bis das MHD ablief.

Die Lösung: Neue Lieferungen werden im Kühllager immer hinter den bestehenden Bestand eingeräumt. Bei Durchlaufregalen passiert das automatisch, weil die Ware von einer Seite eingelagert und von der anderen entnommen wird. Bei Fachbodenregalen braucht es Disziplin und klare Chargen-Kennzeichnung.

🤔 Frage dich: Was passiert, wenn ein Tiefkühl-Großlager mit 500 Paletten Speiseeis auf LIFO umstellt, obwohl jede Charge ein Mindesthaltbarkeitsdatum von 18 Monaten hat?

Teste dein Wissen

Anastasia findet im Regal Joghurt mit MHD in 3 Tagen hinter neuerer Ware. Welches Einlagerungsprinzip wurde verletzt?

Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.

DSGVO-konform. Deine Daten auf deutschen Servern.