Fachinformatiker:in für Anwendungsentwicklung Prüfungsfragen: 10 Übungsaufgaben mit Lösung
Zehn Aufgaben aus 10 Lernfeldern, mit Erklärung zu jeder Antwort. Kostenlos, ohne Anmeldung.
So üben Prüfungsfragen richtig
Zehn Prüfungsfragen für Fachinformatiker:innen Anwendungsentwicklung, wie sie in Abschlussprüfung Teil 1 (AP1) und Teil 2 (AP2) vorkommen: je eine Aufgabe aus zehn Lernfeldern, von Güterarten und EVA-Prinzip über Syntax, ER-Modellierung und Datenstrukturen bis zur Softwarequalität nach ISO 25010. Du beantwortest jede Frage einmal, siehst sofort, ob deine Antwort stimmt, und bekommst zu jeder Antwortmöglichkeit eine Erklärung.
Die zehn Aufgaben
0 von 10 beantwortet
Aufgabe 1 von 10 Lernfeld 1: Das Unternehmen und die eigene Rolle im Betrieb beschreiben
Du kaufst privat eine Tastatur fürs Gaming. Dein Ausbildungsbetrieb kauft exakt dasselbe Modell für deinen Büroarbeitsplatz. Wie werden diese Güter betriebswirtschaftlich klassifiziert?
Richtige Antwort
Privat ist sie ein Konsumgut, im Betrieb ein Investitionsgut
Die Einteilung hängt vom Verwendungszweck ab. Privat dient sie der direkten Bedürfnisbefriedigung, im Betrieb der langfristigen Leistungserstellung.
Warum nicht
Privat ist sie ein freies Gut, im Betrieb ein wirtschaftliches Gut
Freie Güter (wie Sonnenlicht) sind unbegrenzt und kostenlos. Eine gekaufte Tastatur ist immer ein knappes, wirtschaftliches Gut, unabhängig vom Käufer.
Warum nicht
Beide sind Konsumgüter, da es sich um identische Hardware handelt
Ein häufiger Denkfehler ist, dass die physische Beschaffenheit die Güterart bestimmt. Tatsächlich entscheidet allein der Verwendungszweck über die Einordnung.
Aufgabe 2 von 10 Lernfeld 2: Arbeitsplätze nach Kundenwunsch ausstatten
Eine Mitauszubildende sagt dir: 'Ein Drucker führt nur die Ausgabe durch, er hat keine Eingabe oder Verarbeitung.' Welchen Denkfehler erkennst du?
Warum nicht
Es wird ignoriert, dass das physische Nachfüllen von Papier die eigentliche Dateneingabe ist
Papier ist ein physisches Verbrauchsmaterial, keine digitalen Rohdaten oder Befehle im Sinne der IT-Datenverarbeitung. Die Eingabe besteht aus den digitalen Druckdaten.
Warum nicht
Es wird verwechselt, dass nur Monitore reine Ausgabegeräte ohne eigene Verarbeitung sind
Auch ein Monitor empfängt Bildsignale (Eingabe) und verarbeitet diese intern, bevor er sie anzeigt. Kein IT-System besteht ausschließlich aus der Ausgabe.
Richtige Antwort
Es wird übersehen, dass der Drucker digitale Druckaufträge empfängt und intern rastern muss
Jeder Computer arbeitet nach dem EVA-Prinzip. Der Drucker empfängt Daten aus dem Netzwerk (Eingabe), berechnet das Druckbild (Verarbeitung) und druckt es (Ausgabe).
Aufgabe 3 von 10 Lernfeld 3: Clients in Netzwerke einbinden
Du tauschst in einem Projekt die Datenbank von MySQL auf PostgreSQL. UI und Geschäftslogik bleiben unangetastet. Welcher Mechanismus der Schichtenarchitektur ermöglicht das?
Richtige Antwort
Die Schichten kommunizieren ausschließlich über fest definierte Schnittstellen
Solange die neue Datenzugriffsschicht dieselben Schnittstellen bedient, merken die darüberliegenden Schichten nichts vom Austausch der Datenbank. Das garantiert die Austauschbarkeit.
Warum nicht
Die Benutzeroberfläche passt ihre Datenstrukturen dynamisch an das neue Schema an
Die Benutzeroberfläche hat keinen direkten Kontakt zur Datenbank. Sie kennt weder das Schema noch die Art der verwendeten Datenbank, da diese Komplexität abstrahiert wird.
Warum nicht
Die Geschäftslogik übersetzt die SQL-Befehle automatisch für die neue Datenbank
Die Geschäftslogik enthält idealerweise gar keine SQL-Befehle. Die Kapselung der datenbankspezifischen Logik findet ausschließlich in der Datenzugriffsschicht statt.
Aufgabe 4 von 10 Lernfeld 5: Software zur Verwaltung von Daten anpassen
Du überprüfst ein Skript, das wegen einer fehlenden schließenden Klammer abstürzt. Welcher Aspekt des Codes wird hier vom System bemängelt?
Richtige Antwort
Die formale Korrektheit, da die strikten Strukturregeln verletzt wurden
Syntax prüft nur die Form. Eine fehlende Klammer ist ein direkter Verstoß gegen die Strukturregeln, weshalb der Code als ungültig abgelehnt wird.
Warum nicht
Die inhaltliche Logik, da das Programm den Zweck der Funktion nicht erkennt
Das System bemängelt nicht den Zweck (Semantik/Logik), sondern kann den Code aufgrund der fehlenden Klammer gar nicht erst strukturell erfassen.
Warum nicht
Die Laufzeiteffizienz, da offene Klammern zu Endlosschleifen führen können
Eine fehlende Klammer ist ein Syntaxfehler, der die Ausführung von vornherein verhindert. Es kommt gar nicht erst zu einem messbaren Laufzeitproblem.
Aufgabe 5 von 10 Lernfeld 7: Cyber-physische Systeme ergänzen
Du entwickelst eine App für Gabelstapler, die bei zu schnellen Kurvenfahrten warnt. Welche Sensorkategorie liefert dir die nötigen Rohdaten?
Warum nicht
Optische Sensoren für die Umgebungserkennung
Kameras erfassen zwar visuell die Umgebung, können aber die physisch wirkenden Fliehkräfte auf das Fahrzeug nicht direkt und verzögerungsfrei messen.
Warum nicht
Thermische Sensoren für die Reibungswärme
Die Reibungswärme der Reifen steigt in Kurven an, ist aber ein viel zu träger und ungenauer Indikator, um vor einem akuten Kippen des Staplers zu warnen.
Richtige Antwort
Mechanische Sensoren für die Beschleunigung
Mechanische Sensoren erfassen physische Veränderungen wie Beschleunigung und Position. Ein Beschleunigungssensor misst direkt die Fliehkräfte in der Kurve.
Aufgabe 6 von 10 Lernfeld 8: Daten systemübergreifend bereitstellen
Eine Kundin erklärt: "Unser Lagerhaus lagert diverse Bauteile." Wie übersetzt du die Substantive "Lagerhaus" und "Bauteile" in dein ER-Modell?
Warum nicht
Als Attribute, da sie die genauen Eigenschaften des Lagersystems detaillieren
Attribute beschreiben detaillierende Eigenschaften (wie z.B. "großes" Lagerhaus). Die Hauptsubstantive selbst sind die Entitäten, denen diese Attribute zugeordnet werden.
Richtige Antwort
Als Entitäten, da sie die eigenständigen Datenobjekte des Systems benennen
In der sprachlichen Anforderungsanalyse werden Substantive (Nomen) in der Regel zu Entitäten, da sie die Hauptobjekte darstellen, über die Daten gespeichert werden sollen.
Warum nicht
Als Beziehungen, da sie das physische Verhältnis im Unternehmen beschreiben
Beziehungen werden aus Verben (hier: "lagert") abgeleitet, nicht aus Substantiven. Substantive bilden die Objekte selbst, nicht deren Interaktion.
Aufgabe 7 von 10 Lernfeld 9: Netzwerke und Dienste bereitstellen
Du planst ein neues Firmennetzwerk für eine Kundschaft. Welche dieser Vorgaben formuliert eine klassische funktionale Anforderung?
Warum nicht
Die IP-Adressvergabe muss in unter 10 Millisekunden erfolgen
Zeitvorgaben beschreiben das "Wie schnell" (Performance). Dies ist eine nicht-funktionale Anforderung an die Leistungsfähigkeit des Systems.
Richtige Antwort
Das System muss dynamische IP-Adressen im Client-VLAN vergeben
Funktionale Anforderungen beschreiben das "Was": hier die konkrete Bereitstellung des DHCP-Dienstes. Dies ist ein absolutes Muss-Verhalten des Netzwerks.
Warum nicht
Der Vergabedienst muss eine Verfügbarkeit von 99,9 % aufweisen
Prozentuale Verfügbarkeiten definieren das "Wie zuverlässig" (Ausfallsicherheit). Dies fällt eindeutig unter die nicht-funktionalen Anforderungen.
Aufgabe 8 von 10 Lernfeld 10: Benutzerschnittstellen gestalten und entwickeln
Du entwickelst ein Dashboard, das Serverauslastungen als farbige Diagramme darstellt. Welcher Schnittstellentyp und welche Kommunikationsart liegen hier vor?
Richtige Antwort
Benutzerschnittstelle (UI) für die Mensch-Maschine-Kommunikation
Das Dashboard bereitet komplexe maschinelle Daten (Serverauslastung) visuell auf, damit menschliche Anwender:innen sie verstehen können. Dies ist die Kerndefinition eines UI.
Warum nicht
Hardwareschnittstelle für die direkte Mensch-Maschine-Interaktion
Ein Dashboard ist eine reine Softwarelösung (GUI). Eine Hardwareschnittstelle wäre der physische Anschluss (z. B. USB) oder das physische Display selbst, nicht die grafische Darstellung.
Warum nicht
Programmierschnittstelle (API) für Maschine-Maschine-Kommunikation
Verwechslung der Zielgruppe. APIs tauschen maschinenlesbare Rohdaten (z. B. JSON) zwischen Systemen aus. Farbige Diagramme richten sich jedoch explizit an das menschliche Auge.
Aufgabe 9 von 10 Lernfeld 11: Funktionalität in Anwendungen realisieren
Du entwickelst eine App mit extrem knappen Speicher, kennst aber die maximale Anzahl an Stack-Elementen vorab. Welche Basisdatenstruktur wählst du für die Implementierung?
Warum nicht
Eine verkettete Liste, da sie dynamisch wächst und somit Speicherplatz spart
Eine verkettete Liste wächst zwar dynamisch, benötigt aber für jedes Element zusätzliche Zeiger (Pointers). Das verbraucht insgesamt mehr Speicherplatz als ein passgenaues Array.
Richtige Antwort
Ein Array, da es speichereffizienter ist und keine zusätzlichen Zeiger benötigt
Ein Array ist extrem speichereffizient, da es nur die reinen Daten speichert. Wenn die Maximalgröße bekannt ist, fällt der Nachteil der festen Größe nicht ins Gewicht.
Warum nicht
Eine Hash-Tabelle, da sie Elemente in konstanter Zeit findet
Eine Hash-Tabelle findet Elemente über einen Schlüssel, aber ein Stack sucht nie: Er greift nur auf das oberste Element zu. Für LIFO-Zugriff ist sie unnötig komplex und verbraucht durch ihre Bucket-Struktur mehr Speicher als ein Array.
Aufgabe 10 von 10 Lernfeld 12: Kundenspezifische Anwendungsentwicklung durchführen
Für eine Datenbank implementierst du eine extrem starke, mehrstufige Verschlüsselung. Welcher Zielkonflikt (Trade-off) entsteht dadurch typischerweise im System?
Warum nicht
Die funktionale Eignung nimmt ab, weil verschlüsselte Daten nicht mehr für Suchanfragen genutzt werden können
Verschlüsselte Daten können durch moderne Verfahren oder nach der Entschlüsselung im Arbeitsspeicher weiterhin durchsucht werden. Die Hauptauswirkung liegt bei der Performance, nicht beim Funktionsverlust.
Warum nicht
Die Wartbarkeit verschlechtert sich drastisch, da der Quellcode durch die Verschlüsselung unlesbar wird
Die Nutzung einer Verschlüsselungsbibliothek macht den restlichen Quellcode nicht zwingend unlesbar. Wartbarkeit leidet eher unter zu vielen verschachtelten Sonderfunktionen.
Richtige Antwort
Die Leistungseffizienz sinkt, da das ständige Ver- und Entschlüsseln enorm viel Rechenleistung benötigt
Dies ist ein klassischer Trade-off: Die Erhöhung der Informationssicherheit durch starke Kryptografie kostet CPU-Ressourcen, was die Antwortzeiten des Systems spürbar verlängert.
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