Güterarten
Güterarten — Stell dir vor, du atmest die Luft in deinem Büro ein – sie kostet nichts und ist unbegrenzt vorhanden. Dies ist ein freies Gut . Sobald du aber Druckluft in speziellen Dosen kaufst, um Server-Lüfter zu reinigen, wird es zu einem wirtschaftlichen Gut . Wirtschaftliche Güter sind knapp . Ihre Herstellung erfordert Ressourcen wie Arbeitskraft,… Dieses Thema ist Teil des Lernfelds „Das Unternehmen und die eigene Rolle im Betrieb beschreiben“ im Rahmenlehrplan der IHK-Ausbildung. — asyoube.de
Nach welchen Kriterien lassen sich Güter klassifizieren?
Freie und wirtschaftliche Güter: Die Frage der Knappheit
Stell dir vor, du atmest die Luft in deinem Büro ein – sie kostet nichts und ist unbegrenzt vorhanden. Dies ist ein freies Gut. Sobald du aber Druckluft in speziellen Dosen kaufst, um Server-Lüfter zu reinigen, wird es zu einem wirtschaftlichen Gut.
Wirtschaftliche Güter sind knapp. Ihre Herstellung erfordert Ressourcen wie Arbeitskraft, Material oder Maschinen. Weil sie nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, verursachen sie Kosten und haben einen Preis, der sich durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt bildet. In der Betriebswirtschaftslehre und IT-Beschaffung beschäftigen wir uns fast ausschließlich mit diesen knappen, wirtschaftlichen Gütern.
Materielle und immaterielle Güter: Greifbarkeit und Reproduktion
Ein physischer Server, den du in ein Rack schraubst, ist ein materielles Gut (Sachgut). Du kannst ihn anfassen (Greifbarkeit), transportieren und im Lager aufbewahren (Lagerfähigkeit). Er unterliegt einem physischen Verschleiß und muss irgendwann ersetzt werden.
Die Softwarelizenz für das Betriebssystem auf diesem Server ist hingegen ein immaterielles Gut. Sie ist physisch nicht greifbar und kann nicht im klassischen Sinne gelagert werden. Der große wirtschaftliche Vorteil immaterieller Güter (wie Software oder digitale Dienstleistungen) ist ihre Reproduzierbarkeit: Sie lassen sich oft ohne nennenswerte Zusatzkosten beliebig oft kopieren und digital vertreiben. Jedes weitere materielle Gut verursacht hingegen erneute Material- und Produktionskosten.
Konsum- und Investitionsgüter: Der Verwendungszweck
Kaufst du dir privat einen neuen Monitor für dein Gaming-Setup zu Hause, handelt es sich um ein Konsumgut. Es dient der direkten, privaten Bedürfnisbefriedigung und wird von dir als Endverbraucher:in genutzt.
Kauft dein IT-Unternehmen exakt denselben Monitor für deinen Arbeitsplatz, wird er zum Investitionsgut (Produktionsgut). Er wird nun im Unternehmen eingesetzt, um langfristig Dienstleistungen zu erbringen oder andere Güter zu produzieren. Die Einteilung hängt also nicht vom Produkt selbst ab, sondern von seinem Verwendungszweck, seiner Nutzungsdauer und seiner Rolle für private Haushalte oder Unternehmen.
Private und öffentliche Güter: Ausschluss und Rivalität
Dein Firmen-Laptop ist ein privates Gut: Wenn du ihn nutzt, schließt du andere von der Nutzung aus (Ausschlussprinzip), und es gibt eine Rivalität um dieses Gerät (zwei Personen können nicht gleichzeitig sinnvoll daran tippen).
Ein öffentliches Gut ist beispielsweise ein frei zugängliches GPS-Signal oder die Straßenbeleuchtung. Hier greift das Ausschlussprinzip nicht: Jede:r kann das Signal nutzen. Wenn du dein Navi einschaltest, verschlechtert das nicht den Empfang für andere (keine Rivalität). Da Unternehmen öffentliche Güter schwer exklusiv verkaufen können, werden sie meist vom Staat bereitgestellt.
Wie beeinflussen sich Güter gegenseitig auf dem Markt?
Komplementäre Güter: Gemeinsam stark
Stell dir vor, dein Unternehmen verkauft Drucker. Ein Drucker allein nützt den Kund:innen wenig – sie benötigen zwingend auch die passenden Tonerkartuschen. Güter, die sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam nachgefragt werden, nennt man komplementäre Güter.
Diese Abhängigkeit hat massive Auswirkungen auf unternehmerische Entscheidungen:
- Preisgestaltung und Absatz: Wenn du den Preis für die Drucker stark senkst, steigt der Absatz der Drucker. Gleichzeitig steigt automatisch die Nachfrage nach dem komplementären Gut (Toner). Den eigentlichen Gewinn machst du dann über den regelmäßigen Verkauf der teuren Kartuschen (Lock-in-Effekt).
- Beschaffung und Produktion: Du musst stets sicherstellen, dass bei einer hohen Nachfrage nach dem Hauptprodukt auch genügend Komplementärgüter produziert und auf Lager sind, da sonst der Absatz beider Produkte einbricht.
Substitutive Güter: Die ständige Konkurrenz
Wenn ein Unternehmen für seine Datensicherung überlegt, ob es lokale NAS-Server kauft oder stattdessen Speicherplatz in der Cloud mietet, stehen diese beiden Optionen in direkter Konkurrenz. Sie erfüllen denselben Zweck und sind austauschbar. Solche Güter nennt man substitutive Güter.
Für Unternehmen ist diese Beziehung ein ständiges Risiko:
- Preisgestaltung: Steigt der Preis für das eine Gut (z. B. Cloud-Speicher wird drastisch teurer), weichen die Kund:innen sofort auf das Substitut (lokale Server) aus. Die Nachfrage verschiebt sich.
- Absatzentscheidungen: Du musst immer die Preise und Innovationen der substitutiven Güter im Blick behalten. Wenn dein Produkt technologisch veraltet oder zu teuer wird, wechseln die Kund:innen zur Alternative. Um dem entgegenzuwirken, müssen Unternehmen ihre Produkte durch Alleinstellungsmerkmale (USPs) so anpassen, dass sie schwerer substituierbar werden.
Lernziele
- Güter nach ihrer Verwendung zu klassifizieren, indem Konsum- und Investitionsgüter anhand ihrer Nutzungsdauer, ihres Verwendungszwecks und ihrer Rolle für private Haushalte und Unternehmen unterschieden werden
- die Beziehungen zwischen verschiedenen Gütern zu differenzieren, indem komplementäre und substitutive Güter in konkreten Fallbeispielen identifiziert und ihre Auswirkungen auf Beschaffungs-, Produktions- und Absatzentscheidungen sowie die Preisgestaltung analysiert werden
- die Eigenschaften materieller und immaterieller Güter zu vergleichen, indem ihre spezifischen Merkmale wie Greifbarkeit, Lagerfähigkeit, Reproduzierbarkeit und wirtschaftliche Bedeutung anhand von konkreten Beispielen systematisch gegenübergestellt werden
- die grundlegende Klassifikation von Gütern zu erklären, indem die verschiedenen Kategorisierungsmöglichkeiten wie materiell/immateriell, frei/wirtschaftlich und privat/öffentlich mit passenden Beispielen aus dem Wirtschaftsumfeld dargestellt werden
Teste dein Wissen
Du öffnest im Serverraum das Fenster, um kühle Außenluft hereinzulassen. Zu welcher Güterart gehört diese einströmende Luft?