Mehrlinienorganisation

4 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 2
  1. Du bist in der Lage, die Struktur der Mehrlinienorganisation zu erklären ,

    indem die Mehrfachunterstellung von Beschäftigten und die damit verbundenen Weisungsbefugnisse aus verschiedenen Fachbereichen dargestellt werden.

  2. Du bist in der Lage, die Vor- und Nachteile der Mehrlinienorganisation zu differenzieren ,

    indem die Vorteile der direkten Kommunikationswege und der Spezialisierung der Führungsverantwortlichen den Nachteilen der möglichen Kompetenzüberschneidungen und der erhöhten Konfliktgefahr systematisch gegenübergestellt werden.

Was ist eine Mehrlinienorganisation?

Definition: Das Prinzip der Mehrfachunterstellung

Die Mehrlinienorganisation ist eine Organisationsform, in der eine Stelle Anweisungen von mehreren übergeordneten Instanzen erhält. Die Weisungsbefugnis ist nach Fachgebieten aufgeteilt: Jede Führungskraft erteilt Anweisungen nur in ihrem Spezialgebiet, gibt sie dafür aber direkt an die ausführenden Stellen weiter. Dieses Prinzip heißt Mehrfachunterstellung und ist das Gegenstück zum Einliniensystem mit genau einer vorgesetzten Person.

Entwickelt wurde das Modell von Frederick Winslow Taylor als Funktionsmeistersystem: Statt eines Meisters, der alles können muss, gibt es mehrere spezialisierte Meister, die jeweils für einen Aspekt der Arbeit zuständig sind. Im Rahmenlehrplan für Fachinformatiker:innen gehört die Mehrlinienorganisation zum Lernfeld 1 und wird in der IHK-Prüfung meist im Vergleich mit dem Einliniensystem abgefragt.

Beispiel aus dem IT-Support

Stell dir vor, du arbeitest als Fachinformatiker:in im IT-Support. Bei komplexen Serverproblemen erhältst du direkte technische Anweisungen von der Leitung Systemadministration. Geht es um deine Schichtplanung oder die Priorisierung von Tickets, gibt dir die Support-Leitung die Vorgaben. Für die Konfiguration der Firewall ist wiederum die Leitung Netzwerktechnik weisungsbefugt. Drei Führungskräfte, drei Fachgebiete, und alle drei dürfen dir direkt Anweisungen geben.

Genau das ist die Mehrlinienorganisation im Alltag: Du bekommst Fachwissen aus erster Hand, musst aber selbst im Blick behalten, welche Anweisung gerade Vorrang hat.

Das Organigramm lesen

Im Organigramm der Mehrlinienorganisation erkennst du das Prinzip an den sich kreuzenden Linien. Von jeder Fachinstanz führt eine eigene Weisungslinie zu jeder ausführenden Stelle, sodass eine Stelle mehrere eingehende Linien hat. Das Organigramm zeigt das Prinzip an einem Beispiel aus der Gastronomie: Unter der Geschäftsleitung stehen Küchenleitung und Restaurantleitung, und von beiden führt je eine Linie zu denselben drei Mitarbeitenden. Im Einliniensystem führt dagegen von jeder Stelle genau eine Linie nach oben — die Weisungswege verzweigen sich zwar, kreuzen sich aber nie.

Mehrlinienorganisation — Organigramm: Unter der Geschäftsleitung stehen Küchenleitung und Restaurantleitung; von beiden führen sich kreuzende Weisungslinien zu denselben drei Mitarbeitenden

Welche Vor- und Nachteile hat die Mehrlinienorganisation?

Vorteile der Mehrlinienorganisation

Die Stärken der Mehrlinienorganisation liegen in der kurzen Distanz zwischen Fachwissen und Ausführung:

  • Direkte Kommunikationswege: Anweisungen gehen ohne Umweg über Zwischeninstanzen von der zuständigen Fachinstanz zur ausführenden Stelle.
  • Spezialisierte Führung: Entscheidungen treffen die Personen, die das Fachgebiet wirklich beherrschen, statt einer einzelnen Führungskraft, die alles überblicken müsste.
  • Entlastung der Führungskräfte: Jede Instanz verantwortet nur ihr Spezialgebiet, nicht den gesamten Arbeitsablauf.
  • Kurze Reaktionszeiten: Bei Störungen wird direkt die zuständige Fachinstanz aktiv, ohne dass der gesamte Dienstweg durchlaufen werden muss.

Nachteile der Mehrlinienorganisation

Die Kehrseite entsteht genau dort, wo sich die Zuständigkeiten überschneiden:

  • Kompetenzüberschneidungen: Wenn die Systemadministration ein sofortiges Server-Update fordert, die Support-Leitung aber verlangt, dass du zuerst dringende Kund:innentickets bearbeitest, ist unklar, welche Anweisung gilt.
  • Erhöhte Konfliktgefahr: Widersprüchliche Anweisungen müssen zwischen den Führungskräften ausgehandelt werden, oft unter Zeitdruck.
  • Unklare Verantwortung: Bei Fehlern ist schwer nachzuvollziehen, welche Instanz die entscheidende Anweisung gegeben hat.
  • Hohe Belastung der Mitarbeitenden: Wer mehrere Vorgesetzte hat, muss Prioritäten selbst abwägen und Konflikte aushalten.

Was ist der Unterschied zur Matrixorganisation?

Mehrlinienorganisation und Matrixorganisation im Vergleich

Beide Organisationsformen beruhen auf Mehrfachunterstellung. Der Unterschied liegt in der Systematik:

  • Mehrlinienorganisation: Die Aufteilung folgt Fachgebieten. Eine Stelle kann Anweisungen von beliebig vielen Fachinstanzen bekommen, eine feste zweite Achse gibt es nicht.
  • Matrixorganisation: Die Aufteilung folgt genau zwei gleichberechtigten Achsen, der Fachabteilung und dem Projekt, Produkt oder der Region. Das Organigramm ist ein Gitter, die Mehrfachunterstellung ist auf genau zwei Führungskräfte begrenzt.

Merke dir für die Prüfung: Die Matrixorganisation ist die systematische Sonderform der Mehrlinienorganisation, die funktionale und divisionale Organisation kombiniert. Wie das Gitter aus Abteilungen und Projekten aufgebaut ist und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt, liest du im Konzept Matrixorganisation.

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