Kann ein Rekordumsatz ein schlechter Monat sein?
Mehr Umsatz, weniger Gewinn?
Kann ein Monat mit Rekordumsatz gleichzeitig der schlechteste Monat des Quartals sein? Mia, Auszubildende im Online-Handel, steht vor genau diesem Widerspruch. Ihre Teamleiterin schiebt ihr zwei Monatsberichte hin. April: 420.000 Euro Nettoumsatz. Mai, nach einer großen Rabattaktion: 500.000 Euro. Trotzdem sagt die Teamleiterin, der Mai sei ein schlechter Monat gewesen. Die Einkaufspreise sind im Mai um 8 Prozent gestiegen, gleichzeitig lief ein 15-Prozent-Kundenrabatt. Wird die Aktion im Juni wiederholt, ohne die Zahlen zu verstehen, drohen fünfstellige Verluste.
Erinnerst du dich an den Wareneinkauf als Geschäftsvorfall, der die Bilanz verändert? Genau hier setzt der Rohertrag an: Er zeigt, was vom Umsatz übrig bleibt, nachdem der Wareneinsatz abgezogen ist. Wie rechnest du nach, ob der Mai wirklich schlechter war?
April gegen Mai: Die Rechnung
Die Formel:
Rohertrag = Nettoumsatz - Wareneinsatz
Mia rechnet beide Monate durch:
- April: 420.000 - 252.000 = 168.000 Euro Rohertrag
- Mai: 500.000 - 350.000 = 150.000 Euro Rohertrag
Den prozentualen Anteil, die Rohertragsquote, berechnest du so: Rohertrag ÷ Nettoumsatz × 100. April liegt bei 40,0 %, Mai nur bei 30,0 %.
Mai hat 80.000 Euro mehr Umsatz, aber 18.000 Euro weniger Rohertrag. Die Teamleiterin hat recht: Gestiegene Einkaufspreise und der Kundenrabatt haben den Umsatzvorsprung mehr als aufgefressen.
🤔 Frage dich: Wie würdest du den Rohertrag für Juni berechnen, wenn der Nettoumsatz bei 460.000 Euro und der Wareneinsatz bei 295.000 Euro liegt — und was verrät dir die Rohertragsquote im Vergleich zum April?
Welche Stellschrauben verändern den Rohertrag?
Vier Faktoren im Vergleich
Mias April-Mai-Vergleich hat gezeigt, dass mehr Umsatz nicht automatisch mehr Rohertrag bedeutet. Vier Faktoren bestimmen, wie hoch der Rohertrag ausfällt:
- Steigt der Einkaufspreis, wächst der Wareneinsatz. Im Mai kosteten dieselben Artikel 8 % mehr.
- Kundenrabatte senken den Nettoumsatz. Der 15-%-Rabatt hat den Erlös pro Artikel gedrückt.
- Zurückgesendete Ware (Retouren) mindert den Nettoumsatz, während Versand- und Aufbereitungskosten beim Wareneinsatz bleiben.
- Der Sortimentsmix macht den Unterschied. Margenstarke Produkte (z. B. Eigenmarken) heben den Rohertrag, margenarme Artikel (z. B. Elektronik mit hohem EK) drücken ihn.
Einkaufspreis und Retouren erhöhen den Druck auf den Rohertrag. Rabattreduzierung und ein besserer Sortimentsmix verbessern ihn.
Szenariorechnung: Lohnt sich die Juni-Aktion?
Mias Teamleiterin will wissen, ob sich die Juni-Aktion lohnt. Mia rechnet an einem Beispielartikel mit 50 Euro Einkaufspreis (EK) und 80 Euro Listenpreis:
Variante A (nur Einkaufspreissenkung um 5 %): Neuer EK: 50 × 0,95 = 47,50 Euro. Verkaufspreis bleibt 80 Euro. Rohertrag pro Stück: 80 - 47,50 = 32,50 Euro (vorher 30 Euro).
Variante B (Einkaufspreissenkung + 8 % Kundenrabatt): Neuer EK: 47,50 Euro. Neuer VK: 80 × 0,92 = 73,60 Euro. Rohertrag pro Stück: 73,60 - 47,50 = 26,10 Euro.
Die Einkaufspreissenkung allein bringt 2,50 Euro mehr pro Stück. Kombiniert mit dem Kundenrabatt sinkt der Rohertrag aber um 3,90 Euro unter den Ausgangswert. Der Rabatt frisst den Einkaufsvorteil auf.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst einer neuen Auszubildenden in zwei Sätzen, warum die Einkaufspreissenkung allein den Rohertrag verbessert, der zusätzliche Kundenrabatt ihn aber unter den Ausgangswert drückt — wie formulierst du das?
Teste dein Wissen
Ein Online-Shop erzielt im April 420.000 Euro Nettoumsatz bei einem Wareneinsatz von 280.000 Euro. Wie hoch ist der Rohertrag in Euro?