Gästeberatung zu Allergenen und Ernährungsformen

4 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, Eine fachgerechte Gästeberatung zu Allergenen und Ernährungsformen durchzuführen ,

    indem in einem Rollenspiel einem Gast mit Zöliakie und einem veganen Gast jeweils ein sicheres Gericht mithilfe der Allergenkarte empfohlen und begründet wird.

  2. Du bist in der Lage, Die 14 kennzeichnungspflichtigen Hauptallergene gemäß LMIV zu benennen ,

    indem mindestens 12 von 14 Allergene korrekt aufgezählt und je Allergen ein typisches Lebensmittelbeispiel genannt wird.

  3. Du bist in der Lage, Die sprachliche Gestaltung veganer und allergikergerechter Angebote auf der Speisekarte zu beurteilen ,

    indem 3 Menübeschreibungen anhand der Kriterien Rechtssicherheit, Wertschätzung und Verständlichkeit beurteilt und Verbesserungsvorschläge formuliert werden.

Wie berätst du sicher, wenn ein Gast nach Allergenen fragt?

Doppelte Unverträglichkeit an Tisch 7

Donnerstagvormittag, 12:30 Uhr im Gastraum. Der Mittagsservice läuft an. An Tisch 7 klappt ein Gast die Karte zu: "Ich habe Zöliakie und eine Nussallergie. Was können Sie mir empfehlen?"

Die Servier- und Abräumtechniken sind die Grundlage für den nächsten Schritt im Gästekontakt: die inhaltliche Beratung zu Allergenen. Die Allergenkarte liegt im Thekenordner, aber du hast sie dir noch nie genau angeschaut. Deine Kolleg:in ist im Keller. Eine falsche Empfehlung kann einen allergischen Schock auslösen. Dein Betrieb haftet nach der LMIV (Lebensmittelinformationsverordnung), wenn die Beratung fehlerhaft ist.

Was prüfst du, bevor du dem Gast ein Gericht empfiehlst?

Vier Schritte zur sicheren Empfehlung

Ein sicherer Beratungsprozess folgt vier Schritten:

  1. Fragen: Welche Allergien oder Unverträglichkeiten hat der Gast? Ausreden lassen, bei Unsicherheit nachfragen.
  2. Allergenkarte prüfen: Jedes Gericht ist dort mit seinen enthaltenen Allergenen gekennzeichnet.
  3. Gericht abgleichen: Welches Gericht enthält keines der genannten Allergene? Bei Zöliakie: kein Gluten. Bei Nussallergie: keine Schalenfrüchte.
  4. Sicher empfehlen: Dem Gast das Gericht benennen und bestätigen, dass es die genannten Allergene nicht enthält. Bei Unsicherheit: Rücksprache mit der Küche, nie raten.
⚖️ Vergleich im Kopf: Nussallergie kann innerhalb von Minuten einen Schock auslösen, Zöliakie schädigt den Darm langfristig. Ändert dieser Unterschied etwas an deinem Beratungsprozess - oder bleibt er gleich?

Welche 14 Allergene musst du auf der Karte erkennen?

Die 14 Hauptallergene nach LMIV

Um am Tisch sicher beraten zu können, musst du die 14 Hauptallergene kennen, die die LMIV vorschreibt. Für den Gast an Tisch 7 sind die ersten beiden rot markierten relevant:

  1. Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, Hafer)
  2. Krebstiere (Garnelen, Hummer)
  3. Eier
  4. Fisch
  5. Erdnüsse
  6. Soja (Sojasoße, Tofu)
  7. Milch einschließlich Laktose
  8. Schalenfrüchte (Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Cashew, Pistazien u.a.)
  9. Sellerie
  10. Senf
  11. Sesam
  12. Sulfite (Schwefeldioxid, z.B. in Wein, ab 10 mg/kg)
  13. Lupinen (häufig als Mehlersatz in Backwaren)
  14. Weichtiere (Muscheln, Tintenfisch)

Zwei Allergene werden oft übersehen: Sulfite stecken in vielen Soßen und Dressings, Lupinen tauchen als Mehlersatz in glutenfreien Produkten auf.

Allergene abgleichen: Zurück an Tisch 7

Für den Gast mit Zöliakie und Nussallergie suchst du auf der Allergenkarte ein Gericht ohne glutenhaltiges Getreide und ohne Schalenfrüchte. Ein Risotto mit Gemüse könnte passen - Reis ist glutenfrei und nussfrei. Aber: Enthält die Soße Mehl als Bindemittel? Wurde das Pesto mit Pinienkernen zubereitet? Genau das klärt die Allergenkarte - oder im Zweifel ein kurzer Anruf in der Küche.

🤔 Frage dich: Vergleiche: Ein Gast sagt "Ich vertrage kein Gluten", ein anderer sagt "Ich lebe vegan." Wo überschneiden sich deine Beratungsschritte - und wo unterscheiden sie sich?

Wie klingt eine gute Menübeschreibung?

Drei Beschreibungen auf dem Prüfstand

Drei Kriterien entscheiden, ob eine Menübeschreibung für Gäste mit Allergien oder besonderen Ernährungsformen funktioniert:

  • Rechtssicherheit: Sind die enthaltenen Allergene korrekt und vollständig benannt?
  • Wertschätzung: Klingt das Angebot einladend - oder nach Verzicht und Sonderbehandlung?
  • Verständlichkeit: Erkennt ein Gast ohne Fachkenntnis sofort, was im Gericht steckt?

Drei Beispiele aus einer Speisekarte:

  1. "Pasta glutenfrei (auf Wunsch)" - Welche Pasta? Enthält die Soße Gluten? Unklar.
  2. "Unser Gemüserisotto mit frischem Saisongemüse - frei von Gluten und Nüssen" - Konkret, einladend, rechtlich klar.
  3. "Für Allergiker: Sonderwunsch-Teller" - Kein konkretes Gericht, klingt nach Extrawurst.

So hätte es an Tisch 7 laufen können

Mit dem Wissen aus der Allergenkarte empfiehlst du dem Gast das Gemüserisotto: "Das Risotto ist frei von Gluten und Nüssen. Ich bestätige das kurz mit unserer Küche." Der Gast fühlt sich ernst genommen. Du bist rechtlich abgesichert. Und die Formulierung klingt nach Genuss, nicht nach Sonderbehandlung.

🧑‍🏫 Erkläre es im Kopf: Eine neue Auszubildende fragt dich: "Was mache ich, wenn ein Gast nach Allergenen fragt?" Erkläre ihr den Weg von der Gästefrage zur sicheren Empfehlung - und warum Rücksprache mit der Küche keine Schwäche ist.

Teste dein Wissen

Der Gast mit Zöliakie fragt nach sicheren Gerichten. Du öffnest die Allergenkarte. Welche Information prüfst du zuerst, um eine sichere Empfehlung zu geben?

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