Kosten für Online-Vertriebskanäle und Retourenlogistik

4 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, den Einfluss unterschiedlicher Retourenquoten auf die Logistikkosten je verkaufter Einheit zu beurteilen ,

    indem zwei Produktgruppen (z. B. Winterjacken mit 40 % und Ladekabel mit 5 %) hinsichtlich Logistikkosten je verkaufter Einheit verglichen und 2 Maßnahmen zur Senkung der Retourenquote begründet werden.

  2. Du bist in der Lage, die vollständigen Retourenkosten je Sendung in einem konkreten Onlineshop-Szenario zu berechnen ,

    indem für einen vorgegebenen Fall (z. B. getragene Sneaker) Prüf-, Reinigungs-, Neuverpackungs- und Wertverlustkosten korrekt addiert und als Anteil des Verkaufspreises ausgewiesen werden.

  3. Du bist in der Lage, die Kostenstruktur unterschiedlicher Online-Vertriebskanäle (Marktplatz vs. eigener Shop) zu vergleichen ,

    indem für ein identisches Produkt Provision, Payment-Gebühren und Fulfillment-Kosten gegenübergestellt und mindestens 3 Auswirkungen auf die Marge benannt werden.

Warum bleibt vom Marktplatz-Umsatz so wenig übrig?

120 Euro Umsatz, 22,50 Euro Kanalkosten

Montag, 13:00 Uhr in der Controlling-Abteilung. Deine Teamleiterin Iryna schiebt dir eine Auswertung über den Tisch: eine Smartwatch, Verkaufspreis 120 Euro, verkauft über Amazon. Nach Abzug aller Kanalkosten bleiben nur 97,50 Euro. "22,50 Euro weg, bevor wir an Einkauf, Lager oder Retouren denken", sagt sie. "Finde raus, wo das Geld bleibt."

Die Zuordnung von Kosten auf Kostenstellen und Kostenträger ist die Grundlage für diese Analyse. Jetzt geht es darum, welche kanalspezifischen Kosten beim Online-Vertrieb anfallen und wie sie die Marge drücken.

Drei Kostentreiber im Kanalvergleich

Drei Positionen machen den Unterschied:

  1. Provision: Amazon berechnet rund 15 % vom Verkaufspreis. Bei 120 Euro sind das 18 Euro pro Stück. Im eigenen Webshop entfällt diese Gebühr komplett. Folge: Der Deckungsbeitrag pro Stück sinkt um den vollen Provisionsbetrag.
  2. Payment-Gebühr: Im eigenen Shop zahlst du dem Payment-Provider (z.B. Stripe, PayPal) etwa 2 % pro Transaktion, also 2,40 Euro. Bei Amazon ist die Zahlungsabwicklung in der Provision enthalten.
  3. Fulfillment: Versand über Amazon FBA kostet ca. 4,50 Euro pro Sendung. Im eigenen Shop zahlst du einen ähnlichen Betrag an DHL oder Hermes. Hier gibt es kaum Unterschied.

Ergebnis: Über Amazon kosten die Kanäle 22,50 Euro, über den eigenen Shop nur 6,90 Euro. Bei identischen Fulfillment-Kosten bestimmt allein die Kanalwahl über 15,60 Euro Margendifferenz pro Stück. Dieser Spielraum fehlt dir bei Rabattaktionen oder steigenden Einkaufspreisen.

⚖️ Vergleich im Kopf: Wenn die Kanalkosten beim Marktplatz dreimal so hoch sind, warum verkaufen Händler trotzdem über Amazon statt ausschließlich im eigenen Shop?

Was kostet eine einzelne Retoure?

Getragene Sneaker: Fünf Kostenpositionen

Ein Paar Sneaker, Verkaufspreis 89,90 Euro, kommt getragen zurück. Fünf Kostenpositionen fallen an, bevor du entscheidest, ob der Schuh wieder verkauft werden kann:

  1. Retourenversand: 4,90 Euro (Rücksendelabel, das der Shop bezahlt)
  2. Prüfung und Qualitätskontrolle: 3,50 Euro (Sohle, Obermaterial, Geruch, Originalzustand)
  3. Reinigung: 2,00 Euro (Sohlenreinigung, Aufbereitung)
  4. Neuverpackung: 1,80 Euro (neuer Karton, Seidenpapier, Etikett)
  5. Wertverlust: 20 % Abschlag auf den VK, weil der Schuh nur noch als B-Ware verkauft wird = 17,98 Euro

Summe und Anteil am Verkaufspreis

Die Rechnung: 4,90 + 3,50 + 2,00 + 1,80 + 17,98 = 30,18 Euro Retourenkosten pro Sendung.

Das sind 33,6 % des Verkaufspreises. Von den 89,90 Euro geht fast ein Drittel allein für die Rückabwicklung drauf. Und das vor Einkaufspreis, Kanalkosten und Gemeinkosten.

Der größte Einzelposten ist der Wertverlust. Prüfung, Reinigung und Neuverpackung zusammen machen nur 7,30 Euro aus. Aber sobald ein Artikel nicht mehr als A-Ware verkauft werden kann, schlägt der Preisabschlag mit fast 18 Euro zu.

🤔 Frage dich: Schätze: Wenn von 100 verkauften Sneakern 30 Paar zurückkommen, wie viel Euro Retourenkosten fallen insgesamt an — und wie viel weniger Marge bleibt pro tatsächlich verkauftem Paar?

40 % Retouren vs. 5 % — was macht das mit den Stückkosten?

Winterjacken gegen Ladekabel

Zurück zu Irynas Auswertung: Sie legt dir zwei Produktgruppen vor. Beide laufen über denselben Shop, aber die Retourenquoten klaffen auseinander.

Winterjacken (VK 149 Euro, Retourenquote 40 %): Von 100 verkauften Jacken kommen 40 zurück. Jede Retoure kostet rund 25 Euro. Gesamte Retourenkosten: 40 × 25 = 1.000 Euro. Verteilt auf die 60 tatsächlich verkauften Jacken ergibt das 16,67 Euro Retourenlogistik pro verkaufter Einheit.

Ladekabel (VK 12,90 Euro, Retourenquote 5 %): Von 100 Kabeln kommen 5 zurück. Jede Retoure kostet rund 5 Euro (kleines Paket, kaum Prüfaufwand, meist originalverpackt). Gesamte Retourenkosten: 25 Euro. Verteilt auf 95 verkaufte Kabel: 0,26 Euro pro Einheit.

Faktor 64. Die Retourenquote ist der stärkste Hebel auf die Logistikkosten pro Stück.

Zwei Maßnahmen gegen hohe Retourenquoten

  1. Detaillierte Größentabellen und 360-Grad-Produktfotos reduzieren Passform-Retouren bei Bekleidung um bis zu 10 Prozentpunkte. Kundinnen und Kunden bestellen seltener "auf Verdacht" in drei Größen.
  2. Produktbeschreibungen mit exakten Maßangaben und Materialfotos senken die Erwartungslücke. Wer vorher weiß, wie sich der Stoff anfühlt und wie die Jacke sitzt, schickt seltener zurück.

Beide Maßnahmen kosten einmalig (Fotostudio, Texterstellung), wirken aber dauerhaft auf jede Bestellung.

📝 Fasse mental zusammen: Welche drei Kostentreiber bestimmen, ob ein Online-Verkauf profitabel ist — vom Vertriebskanal über die einzelne Retoure bis zur Retourenquote der Produktgruppe?

Teste dein Wissen

Welche drei Auswirkungen hat der Verkauf über einen Marktplatz wie Amazon im Vergleich zum eigenen Webshop auf die Marge?

Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.

DSGVO-konform. Deine Daten auf deutschen Servern.