Welche Kosten gehören direkt zur Powerbank?
14 Positionen, eine Frage
Freitagvormittag, 10:45 Uhr, Controlling-Schulung. Deine Kollegin Yasmin schiebt dir ein Arbeitsblatt rüber: 14 Kostenpositionen für eine Powerbank, die euer Online-Shop neu ins Sortiment nehmen will. Einkaufspreis, DHL-Versand, Server-Hosting, Büromiete, Payment-Gebühren, Lagerpersonal. Aus diesen Zahlen sollt ihr den Mindestverkaufspreis kalkulieren. Yasmins Reaktion: "Wo fangen wir überhaupt an?"
Was passiert, nachdem du in der Kosten- und Leistungsrechnung die Kosten eines Artikels erfasst hast? Genau hier setzt die nächste Frage an: Welche dieser Kosten lassen sich direkt der Powerbank zurechnen, und welche verteilen sich auf alle Produkte im Shop?
Die Trennlinie: einem Produkt zurechenbar oder nicht?
Die Sortierung hängt an einer einzigen Frage: Kann ich diese Kosten einem bestimmten Produkt direkt zuordnen?
Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger (hier: einer verkauften Powerbank) direkt zurechnen. Der Einkaufspreis von 12,00 € gehört genau zu diesem Stück. Die 4,50 € DHL-Versand fallen pro Paket an. Die Payment-Gebühr von 0,50 € entsteht bei genau dieser Transaktion.
Gemeinkosten entstehen für den gesamten Betrieb und lassen sich keinem einzelnen Produkt zuordnen. Die 5.000 € Miete für das Logistikzentrum? Davon profitieren alle 200 Artikel im Sortiment. Server-Hosting, Lagerpersonal, Buchhaltungssoftware sind ebenfalls Gemeinkosten. Im Online-Shop kommen Kostenarten dazu, die es im stationären Handel nicht gibt: Hosting-Gebühren, Marktplatzprovisionen oder die monatliche Grundgebühr des Payment-Providers.
🤔 Frage dich: Was passiert mit dem Mindestverkaufspreis der Powerbank, wenn die monatlichen Hosting-Kosten steigen - und warum betrifft das nicht nur die Powerbank?
Was kostet die Powerbank mindestens?
Kalkulation in drei Schritten
Yasmin und du rechnen die Powerbank durch:
- Alle Einzelkosten addieren: Einkaufspreis 12,00 € + DHL-Versand 4,50 € + Payment-Gebühr 0,50 € = 17,00 €
- Den Gemeinkostenzuschlag berechnen: 17,00 € × 25 % = 4,25 €. Dieser Zuschlagssatz verteilt die Gemeinkosten (Miete, Hosting, Personal) anteilig auf jedes Produkt.
- Mindestverkaufspreis ermitteln: 17,00 € + 4,25 € = 21,25 €
Verkauft ihr die Powerbank für 19,99 €, macht der Shop bei jedem Stück 1,26 € Verlust. Bei 500 Stück im Monat sind das 630 € minus.
Online-Shop vs. Ladengeschäft
Im stationären Handel fallen stattdessen Kosten für Ladenfläche, Schaufenster und Kassenpersonal an. Im E-Commerce gibt es vier typische Gemeinkosten, die dort nicht existieren:
- Monatliches Hosting für den Webshop (Pauschale, nicht pro Bestellung zurechenbar)
- Prozentuale Marktplatzgebühren an Plattformen wie Amazon oder eBay
- Kosten für Retourenlogistik (nicht einzelnen Produkten zurechenbar, weil Rücksendequoten schwanken)
- Monatliche Grundgebühr des Payment-Providers (die Transaktionsgebühr pro Kauf ist dagegen Einzelkosten)
Yasmin trägt den Mindestpreis von 21,25 € in die Schulungsunterlage ein. Die 14 Positionen sind sortiert, die Rechnung steht.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst einer neuen Auszubildenden Person den Unterschied zwischen Einzel- und Gemeinkosten in je einem Satz. Welches Beispiel aus dem Online-Shop wählst du für jeden Begriff?
Teste dein Wissen
Du kalkulierst den Mindestverkaufspreis für eine neue Powerbank. Yasmin schlägt vor, nur den Einkaufspreis anzusetzen. Welche Kostenpositionen musst du laut Verursachungsprinzip als Einzelkosten direkt zuordnen?