Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung

4 min 4 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, die Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung im E-Commerce zu erklären ,

    indem mindestens drei zentrale Aufgaben (Preiskalkulation, Wirtschaftlichkeitskontrolle, kurzfristige Erfolgsrechnung) anhand eines Online-Shop-Beispiels beschrieben werden.

  2. Du bist in der Lage, die Begriffe Aufwand (FiBu) und Kosten (KLR) zu unterscheiden ,

    indem 4 von 5 vorgegebenen Geschäftsvorfällen korrekt als neutraler Aufwand, Zweckaufwand, Grund- oder Zusatzkosten klassifiziert werden.

  3. Du bist in der Lage, die Wirtschaftlichkeit eines Shop-Artikels mithilfe der KLR zu berechnen ,

    indem aus vorgegebenen Einzel- und Gemeinkosten der Deckungsbeitrag pro Artikel ermittelt und eine begründete Verkaufsentscheidung getroffen wird.

Warum verliert euer Topseller Geld?

Bestseller mit verstecktem Minus

Mittwochnachmittag im Besprechungsraum. Deine Teamleitung zeigt die Umsatzliste aus der Finanzbuchhaltung: Artikel 4711, ein Handyhalter, bringt 8.200 Euro Monatsumsatz bei 500 verkauften Stück. Euer Topseller. Trotzdem die Ansage: "Wir verlieren mit jedem verkauften Stück Geld."

Du schaust auf die Zahlen und siehst Umsatz und Wareneinsatz. Retouren, Versandkosten, anteilige Lagermiete, Werbekosten pro Klick - nichts davon taucht auf. Bei 500 Stück und verstecktem Verlust summiert sich das schnell auf über 1.000 Euro im Monat.

Die Finanzbuchhaltung dokumentiert, was reinkommt und was rausgeht - für Finanzamt und Bank. Ob sich ein einzelner Artikel lohnt, beantwortet sie nicht. Genau diese Lücke füllt die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR).

Drei Aufgaben der KLR im Online-Shop

Die KLR ist ein internes Steuerungswerkzeug. Anders als die FiBu richtet sie sich nicht an Finanzamt oder Bank, sondern an die Geschäftsführung. Sie beantwortet drei zentrale Fragen:

  1. Welchen Mindestpreis braucht der Handyhalter, damit Einkauf, Versand, Verpackung und Werbung gedeckt sind? Das beantwortet die Preiskalkulation.
  2. Arbeitet die Versandabteilung effizient, oder fressen Retourenkosten den Gewinn auf? Das prüft die Wirtschaftlichkeitskontrolle.
  3. Ob sich Artikel 4711 diesen Monat lohnt, zeigt die kurzfristige Erfolgsrechnung.
🔮 Bevor du weiterliest: Dein Online-Shop spendet 500 Euro an einen Sportverein. Ist das ein Kostenfaktor in der KLR - oder nicht?

Was unterscheidet Aufwand von Kosten?

Zwei Perspektiven auf denselben Geschäftsvorfall

Die FiBu erfasst jeden Wertverbrauch als Aufwand - Wareneinsatz, Gehälter, aber auch eine Spende oder einen Brandschaden. Die KLR ist wählerischer: Sie erfasst nur das, was dem Betriebszweck dient. Das sind die Kosten.

Nicht jeder Aufwand ist also ein Kostenfaktor. Und umgekehrt: Manche Kosten tauchen in der FiBu gar nicht auf. Vier Kategorien helfen bei der Abgrenzung.

Vier Kategorien der Abgrenzung

  • Ein Posten ohne Bezug zum Betriebszweck ist neutraler Aufwand und fließt nicht in die KLR ein.
Beispiel: 500 Euro Spende an einen Sportverein - Aufwand in der FiBu, aber keine Kosten.
  • Stimmen FiBu-Aufwand und KLR-Kosten in der Höhe überein, heißen sie Grundkosten (= Zweckaufwand).
Beispiel: 3.250 Euro Wareneinsatz für Handyhalter - identisch in FiBu und KLR.
  • Setzt die KLR einen anderen Betrag an als die FiBu, entstehen Anderskosten.
Beispiel: Die FiBu schreibt Lagertechnik über 5 Jahre ab, die KLR rechnet mit 3 Jahren Nutzungsdauer.
  • Kosten ohne Gegenstück in der FiBu heißen Zusatzkosten.
Beispiel: Die Geschäftsleitung zahlt sich kein Gehalt. Die KLR setzt trotzdem 4.000 Euro als kalkulatorischen Unternehmerlohn an.
⚖️ Vergleich im Kopf: 500 Euro Spende und 2.000 Euro monatliche Lagermiete - welcher Posten taucht in der KLR auf und welcher nicht?

Was kostet der Handyhalter wirklich?

Deckungsbeitrag Schritt für Schritt

Zurück zum Handyhalter: 500 Stück pro Monat, 16,40 Euro Verkaufspreis. Welche Kosten fallen pro Stück tatsächlich an?

Variable Kosten (direkt dem Artikel zurechenbar):

Deckungsbeitrag I = 16,40 - 14,40 = 2,00 Euro pro Stück

Vom Deckungsbeitrag zum Stückergebnis

2,00 Euro Deckungsbeitrag klingt erst mal nach Gewinn. Aber jetzt kommen die Gemeinkosten - Kosten, die nicht einem einzelnen Artikel zugeordnet werden, sondern auf alle Produkte verteilt:

Stückergebnis = 2,00 - 4,00 = -2,00 Euro

Bei 500 verkauften Stück ergibt das: 500 x (-2,00) = -1.000 Euro Monatsverlust. Jetzt wird klar, warum deine Teamleitung alarmiert ist.

Lohnt sich der Handyhalter noch?

Die KLR-Antwort auf die Eingangsfrage

Zurück zur Besprechung: Die FiBu zeigt 8.200 Euro Umsatz und meldet einen Topseller. Die KLR zeigt -1.000 Euro und meldet einen Verlustbringer. Beide Zahlen stimmen - sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.

Trotzdem wäre es falsch, den Handyhalter sofort aus dem Sortiment zu nehmen. Der Deckungsbeitrag I ist mit 2,00 Euro positiv. Jedes verkaufte Stück trägt 2 Euro zur Deckung der Gemeinkosten bei. Fällt der Artikel weg, bleiben Lagermiete und IT-Kosten trotzdem bestehen - und müssen von den anderen Produkten getragen werden.

Die bessere Strategie: Einkaufspreis nachverhandeln, Werbekosten senken oder den Verkaufspreis um mindestens 2 Euro erhöhen.

Dein Transfer: Bluetooth-Lautsprecher

Ein zweiter Artikel steht zur Diskussion: ein Bluetooth-Lautsprecher. Verkaufspreis 24,90 Euro. Variable Kosten pro Stück: 12,00 Euro Einkauf, 4,50 Euro Versand, 1,20 Euro Verpackung, 3,80 Euro Werbung, 2,20 Euro Retouren.

🧑‍🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst deiner Teamleitung in zwei Sätzen, ob der Bluetooth-Lautsprecher einen positiven Deckungsbeitrag hat - wie rechnest du es im Kopf?

Teste dein Wissen

Welche der folgenden Kostenarten im Online-Shop sind als Einzelkosten direkt einem konkreten Artikel zurechenbar?

Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.

DSGVO-konform. Deine Daten auf deutschen Servern.