Ab welcher Stückzahl lohnt sich die Gravurmaschine?
1.000 Hüllen, und keinen Cent Gewinn
1.000 Hüllen. So viele muss euer Onlineshop mindestens verkaufen, damit die neue Gravurmaschine keinen Verlust produziert. Bogdan rechnet das in der Controlling-Schulung am Dienstagvormittag vor.
Auf dem Tisch liegt ein Angebot: Gravurmaschine für personalisierte Handyhüllen, 12.000 Euro Jahresmiete. Pro Hülle rechnet er mit 8 Euro Einkauf, 22 Euro Verkaufspreis und 2 Euro Versandkosten. Bei falscher Einschätzung stecken 12.000 Euro in einer Maschine, die Verlust produziert.
Bogdan setzt den Stückdeckungsbeitrag an: 22 € - 8 € - 2 € = 12 €. Jede verkaufte Hülle trägt 12 Euro zur Deckung der Fixkosten bei. Wie viele Hüllen braucht es, bis die 12.000 Euro gedeckt sind?
Die Formel für die Gewinnschwelle
Die Gewinnschwelle (Break-Even-Point) ist die Absatzmenge, bei der der gesamte Deckungsbeitrag genau die Fixkosten deckt:
BEP-Menge = Fixkosten / Stückdeckungsbeitrag
Für die Gravurmaschine: 12.000 € / 12 € = 1.000 Stück
Bei genau 1.000 Hüllen ist das Ergebnis null: kein Gewinn, kein Verlust. Ab Hülle 1.001 verdient der Shop. Den BEP-Umsatz berechnest du zusätzlich: 1.000 × 22 € = 22.000 €. Erst ab diesem Jahresumsatz arbeitet die Produktlinie profitabel.
🎬 Vorstellung: Denk an ein Produkt aus deinem Sortiment. Was sind die jährlichen Fixkosten dafür, was der Stückdeckungsbeitrag? Teile im Kopf die Fixkosten durch den DB. Welche Stückzahl kommt raus?
Was passiert, wenn die Kosten steigen?
Fixkosten rauf, Break-Even verschiebt sich
Die 1.000 Hüllen als Break-Even stehen. In der Schulung kommt die nächste Frage: Was passiert, wenn zusätzlich 5.000 Euro für Marketing eingeplant werden?
Die variablen Kosten pro Hülle ändern sich nicht. Der Stückdeckungsbeitrag bleibt bei 12 Euro. Aber die Fixkosten steigen von 12.000 auf 17.000 Euro.
Neue BEP-Menge: 17.000 € / 12 € = 1.416,7, aufgerundet 1.417 Stück
Das sind 417 Hüllen mehr, ein Anstieg von rund 42 %. Die Fixkosten sind ebenfalls um 42 % gestiegen (5.000 / 12.000). Kein Zufall: Solange der Stückdeckungsbeitrag gleich bleibt, verschiebt sich die BEP-Menge proportional zu den Fixkosten.
Rechnet sich die Investition?
Die BEP-Menge allein reicht nicht für eine Kaufentscheidung. Du brauchst eine belastbare Absatzprognose, um die berechnete Schwelle mit der Realität abzugleichen. Drei Quellen helfen:
- Eigene Verkaufsdaten der letzten 12 Monate aus dem Shopsystem
- Preise und Absatzmengen von mindestens zwei vergleichbaren Shops
- Geschätzte Zielgruppengröße, z.B. Suchanfragen pro Monat oder Marktvolumen in Euro
Liegt die Prognose deutlich über dem BEP, spricht das für die Investition. Liegt sie knapp darunter oder auf gleicher Höhe, ist das Risiko zu hoch.
🤔 Frage dich: Schätze: Euer Shop hat im letzten Jahr 1.200 Standard-Handyhüllen verkauft. Wie viele davon würden realistisch auf die teurere personalisierte Variante umsteigen? Reicht das für den Break-Even von 1.417 Stück?
Teste dein Wissen
Ein Konkurrenzprodukt hat Fixkosten von 10.000 € und einen Stückdeckungsbeitrag von 50 €. Welcher Break-Even-Umsatz wird bei einem Verkaufspreis von 100 € pro Stück erzielt?