Deckungsbeitragsvergleich in Online-Vertriebskanälen

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Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, die Deckungsbeiträge verschiedener Online-Vertriebskanäle zu vergleichen ,

    indem für ein konkretes Produkt (z. B. 100-€-Kopfhörer) der kanalspezifische DB bei eigenem Webshop, Amazon, eBay und Kaufland.de unter Berücksichtigung von Provisionen und Fixkosten berechnet und in einer Übersicht gegenübergestellt wird.

  2. Du bist in der Lage, die Profitabilität des Vertriebskanals Social Commerce bei hohen Retourenquoten zu beurteilen ,

    indem bei einer Retourenquote von 60 % der effektive DB je Sendung berechnet, mit zwei anderen Kanälen verglichen und eine begründete Handlungsempfehlung formuliert wird.

  3. Du bist in der Lage, eine Empfehlung für einen optimalen Vertriebskanalmix zu entwickeln ,

    indem auf Basis kanalspezifischer Deckungsbeitragsvergleiche mindestens drei Kanäle priorisiert, die Budgetverteilung begründet und mindestens zwei Risiken benannt werden.

Warum ist der Umsatzsieger der schlechteste Kanal?

120.000 Euro Umsatz - und trotzdem der schlechteste Kanal

Social Commerce: 120.000 Euro Quartalsumsatz, höchster Wert aller Kanäle. Und trotzdem der schlechteste. Dein Teamleiter Omar zeigt dir die Zahlen am Samstagnachmittag im Controlling-Raum: "Bau mir bis Montag eine Vergleichstabelle, die zeigt, warum Social Commerce trotz Umsatzführung Geld verbrennt."

30.000 Euro Werbebudget für Q3 hängen an deiner Analyse.

Provisionen, Payment-Gebühren und Fulfillment-Kosten kennst du als Einzelpositionen pro Kanal. Das klärt, was jeder Kanal kostet. Jetzt geht es um das Wie: Wie führst du diese Positionen zu einem kanalspezifischen Deckungsbeitragsvergleich zusammen?

Vier variable Kostenblöcke als Vergleichsgerüst

Für Omars Tabelle brauchst du pro Kanal vier Positionen, die sich stark unterscheiden:

  1. Die Plattform-Provision variiert am stärksten: Amazon 15 %, eBay 11 %, Kaufland.de ca. 7 %, eigener Webshop 0 %.
  2. Beim Fulfillment kostet Amazon FBA pauschal pro Sendung, Eigenversand wird separat abgerechnet.
  3. Payment-Gebühren sind bei FBA integriert, beim Webshop typisch 3 % pro Transaktion.
  4. Social Commerce braucht hohe Werbekosten pro Verkauf (Ads, Influencer-Content), der Webshop oft nur 2 Euro pro Conversion.

Erst wenn alle vier Blöcke stehen, kannst du den DB I pro Stück berechnen.

🎬 Vorstellung: Du öffnest eine leere Tabelle. Spalten: Webshop, Amazon, eBay, Social Commerce. In die Zeilen trägst du Einkaufspreis und die vier variablen Kostenblöcke ein. Welcher Kanal wird die höchsten variablen Kosten pro Stück haben?

Was bleibt pro Sendung wirklich übrig?

DB I pro Stück: vier Kanäle im Vergleich

Alle Kanäle verkaufen denselben Kopfhörer: 100 Euro Verkaufspreis, 40 Euro Einkauf. Die kanalspezifischen variablen Kosten machen den Unterschied:

  • Webshop: 7 € Versand/Verpackung + 3 € Payment + 2 € Ads = 12 €. DB I = 48 €
  • Amazon: 15 € Provision + 7 € FBA = 22 €. DB I = 38 €
  • eBay: 11 € Provision + 7 € Versand + 3 € Payment = 21 €. DB I = 39 €
  • Social Commerce: 7 € Versand + 3 € Payment + 18 € Ads = 28 €. DB I = 32 €

Social Commerce liegt hinten, obwohl keine Provision anfällt. Die hohen Ads-Kosten pro Verkauf fressen die Marge.

Retouren: der versteckte Margenkiller

DB I zeigt nur, was du verdienst, wenn die Kundschaft behält. Bei Social Commerce schicken aber 60 von 100 Käufer:innen das Produkt zurück. Pro Retoure fallen 15 Euro Zusatzkosten an (Rückversand 5 €, Prüfung 4 €, Wertverlust 6 €).

Der effektive DB pro Sendung berücksichtigt das:

Effektiver DB = DB I × (1 - Retourenquote) - Retourenquote × Retourenkosten

Webshop (12 % Retouren): 48 × 0,88 - 0,12 × 15 = 40 € Amazon (20 % Retouren): 38 × 0,80 - 0,20 × 15 = 27 €

🔮 Bevor du weiterliest: Social Commerce: 32 € DB I, 60 % Retourenquote, 15 € Retourenkosten. Wird der effektive DB pro Sendung positiv oder negativ?

Wie sieht Omars Empfehlung aus?

Knapp positiv - bis die Fixkosten kommen

Social Commerce: 32 × 0,40 - 0,60 × 15 = 3,80 € pro Sendung. Knapp positiv. Vielleicht hast du "negativ" erwartet?

Aber 3,80 € bei 400 Sendungen im Monat ergeben nur 1.520 € Gesamt-DB I. Davon gehen kanalfixe Kosten ab: Content-Produktion, Influencer-Management und Tool-Lizenzen summieren sich auf 5.000 € monatlich. DB II: -3.480 € pro Monat.

Zum Vergleich: Webshop bei 1.500 € Fixkosten: DB II +11.200 €. Amazon bei 800 € Fixkosten: DB II +7.200 €. Ähnlich beim Vergleich eBay vs. Kaufland.de: eBay verlangt 11 % Provision pro Verkauf, Kaufland.de hat niedrigere Provisionen, dafür eine monatliche Grundgebühr von rund 40 €. Welcher Kanal besser abschneidet, zeigt erst der DB II.

Drei Kanäle priorisieren, zwei Risiken benennen

Omars Q3-Budget lässt sich jetzt begründet verteilen:

  1. Den Webshop mit 60 % des Budgets ausbauen: höchster DB II, volle Kontrolle über Kundendaten und Marke. Risiko: Reichweite hängt komplett am eigenen Marketing.
  2. Amazon mit 35 % beibehalten: solider DB II, Zugang zu Millionen Suchenden. Risiko: Gebührenabhängigkeit, denn Amazon kann Konditionen jederzeit ändern.
  3. Social Commerce auf 5 % reduzieren: erst Retourenquote senken (bessere Produktvideos, Größenberatung), dann neu bewerten.

Ergebnis: 30.000 Euro Quartalsbudget fließen dorthin, wo der Deckungsbeitrag stimmt, nicht dorthin, wo der Umsatz am höchsten ist.

🤔 Frage dich: Was ist der entscheidende Unterschied zwischen DB I pro Stück und DB II pro Monat, der Social Commerce vom knapp profitablen zum verlustbringenden Kanal macht?

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