Verkaufsförderung im Checkout (Cross-/Upselling)

4 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, Cross-Selling-Empfehlungen im Warenkorb eines Onlineshops durchzuführen ,

    indem für drei vorgegebene Hauptprodukte je mindestens zwei passende Zubehörartikel mit Platzierungslogik und Begründung ausgewählt werden.

  2. Du bist in der Lage, die Mechanismen von Cross- und Upselling im Checkout zu erklären ,

    indem an je zwei Checkout-Beispielen aus dem E-Commerce (z.B. Akkupack beim Laptop-Kauf als Cross-Selling, Upgrade auf ein Premium-Modell als Upselling) die Wirkungsweise, der ausgelöste Kaufimpuls und der Unterschied zwischen Ergänzungsprodukt und höherwertigem Produkt beschrieben werden.

  3. Du bist in der Lage, die Wirkung einer Versandkostenfrei-Schwelle auf den durchschnittlichen Warenkorbwert zu beurteilen ,

    indem Vorteile, Risiken und Margenwirkung anhand mindestens dreier Argumente begründet bewertet werden.

Warum steigt die Abbruchquote, obwohl der Warenkorb mehr zeigt?

Mehr Empfehlungen, weniger Käufe

Freitagvormittag, 12:00 Uhr. Hanna sitzt in der E-Commerce-Abteilung und starrt auf die Conversion-Daten der letzten Woche. Seit dem Checkout-Update zeigt der Shop sechs Zubehörempfehlungen direkt unter dem Warenkorb. Das Ergebnis: Die Abbruchquote ist von 38 % auf 50 % gestiegen. Der Warenkorbwert hat sich kaum bewegt. Bei 400 Bestellungen pro Tag kostet jeder Prozentpunkt Abbruch rund 240 Euro. In einer Woche sind das über 2.800 Euro Verlust. Hanna braucht bis Feierabend einen Vorschlag: Die Empfehlungen sollen bleiben, aber den Kaufabschluss nicht mehr gefährden.

Zwei Strategien, ein Ziel

Was passiert mit der Conversion, wenn du in einen optimierten Checkout plötzlich zusätzliche Kaufanreize einbaust? Genau das hat Hannas Team versucht - mit zwei Strategien:

Cross-Selling empfiehlt ein Ergänzungsprodukt zum Hauptartikel. Wer eine Kamera kauft, sieht eine passende Speicherkarte. Das Zubehör ergänzt den Hauptkauf.

Upselling bietet eine höherwertige Variante des gewählten Produkts an. Wer ein Smartphone mit 128 GB im Warenkorb hat, sieht das Modell mit 256 GB für 40 Euro mehr.

Beide Strategien sollen den Warenkorbwert steigern. Falsch platziert erzeugen sie aber Unsicherheit und Ablenkung - und am Ende den Kaufabbruch.

🎬 Vorstellung: Öffne gedanklich einen Onlineshop auf deinem Handy. Du hast ein Produkt im Warenkorb und willst bezahlen. Zwischen Warenkorb und Bezahl-Button erscheinen plötzlich sechs Produktvorschläge. Wie fühlt sich das an?

Wie platzierst du Empfehlungen, ohne den Kauf zu gefährden?

Der Unterschied zwischen Hilfe und Störung

Hannas Checkout zeigt sechs Zubehörartikel zwischen Warenkorb und Bezahl-Button. Die Empfehlungen schieben den Button nach unten - Kaufende müssen scrollen. Jeder zusätzliche Schritt im Checkout erhöht die Abbruchwahrscheinlichkeit. Das kennst du aus der Analyse von Kaufabbrüchen im UX-Design.

Drei Regeln für wirksame Platzierung:

  1. Empfehlungen nie zwischen Warenkorb und Bezahl-Button, sondern darunter oder als ausklappbares Element
  2. Maximal zwei bis drei Vorschläge, die zum Hauptprodukt passen
  3. Der Bezahl-Button bleibt immer ohne Scrollen sichtbar

Cross-Selling richtig auswählen

Der Kaufimpuls beim Cross-Selling funktioniert über Relevanz: Das Zubehör muss einen erkennbaren Nutzen für den Hauptartikel haben.

Drei Beispiele für passende Kombinationen:

  • Laptop im Warenkorb: Laptoptasche + USB-C-Hub. Schutz und Anschluss ergänzen den Hauptnutzen direkt.
  • Laufschuhe im Warenkorb: Funktionssocken + Einlegesohlen. Beides wird beim ersten Lauf gebraucht.
  • Kaffeemaschine im Warenkorb: Entkalker + Kaffeebohnen. Verbrauchsmaterial, das Kaufende ohnehin bald brauchen.

Unpassende Empfehlungen - etwa ein Rucksack zur Kaffeemaschine - wirken beliebig und senken das Vertrauen.

🔮 Bevor du weiterliest: Hanna überlegt, beim Laptop-Kauf statt der Laptoptasche das nächsthöhere Modell mit mehr RAM anzuzeigen. Ist das noch Cross-Selling oder schon etwas anderes - und welches Risiko entsteht dabei im Checkout?

Lohnt sich kostenloser Versand als Upselling-Hebel?

Die Versandkostenfrei-Schwelle

Das Laptop-Upgrade wäre Upselling: ein höherwertiges Produkt statt eines Ergänzungsartikels. Im Checkout birgt das ein Risiko, weil die kaufende Person sich bereits entschieden hat. Ein teureres Alternativprodukt kann die Kaufentscheidung ins Wanken bringen.

Ein subtilerer Hebel ist die Versandkostenfrei-Schwelle: "Noch 12 Euro bis zum kostenlosen Versand." Die kaufende Person füllt den Warenkorb freiwillig auf, statt ein anderes Produkt zu wählen.

Vorteile: Der durchschnittliche Warenkorbwert steigt. Versandkosten gehören zu den häufigsten Abbruchgründen - die Schwelle beseitigt diesen Grund. Der Kaufimpuls entsteht ohne Unterbrechung des Checkout-Flows.

Risiken: Liegt die Schwelle zu hoch, wirkt sie unerreichbar. Füllen Kaufende den Warenkorb mit beliebigen Billigartikeln, steigen die Retouren. Jeder Gratisversand kostet Marge - bei 4,90 Euro Versandkosten pro Paket rechnet sich das nur, wenn der zusätzliche Warenwert die Kosten übersteigt.

Hannas Vorschlag für den Nachmittag

Zurück zu Hannas Checkout: Sie reduziert die sechs Empfehlungen auf zwei passende Cross-Selling-Vorschläge und verschiebt sie unter den Bezahl-Button. Zusätzlich baut sie eine Versandkostenfrei-Anzeige ein. Der Button bleibt ohne Scrollen sichtbar. Weniger Ablenkung, gezieltere Impulse, ein klarer Anreiz für höhere Warenkorbwerte.

🤔 Frage dich: Du betreust einen Onlineshop für Sportartikel. Laufschuhe für 89 Euro liegen im Warenkorb, die Versandkostenfrei-Schwelle liegt bei 100 Euro. Welche zwei Cross-Selling-Artikel würdest du anzeigen - und warum passen sie sowohl zum Produkt als auch zur Schwelle?

Teste dein Wissen

Hanna möchte die Conversion-Rate im Checkout stabilisieren. Erkläre, warum optionale Zubehörempfehlungen die Conversion-Rate im Vergleich zu erzwungenen Schritten stabil halten.

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