Welche Pflichtangaben fehlen, bevor du auf "Veröffentlichen" klickst?
Zehn Artikel, null Freigabe
Du scrollst im Compliance-Büro durch zehn neue T-Shirt-Produktseiten im Shopsystem. Samstagvormittag, 10:30 Uhr. Fotos, Preise, Beschreibungen: alles eingepflegt. Dann die Nachricht der Teamleitung: "Stopp. Bei Artikel 7 fehlt was Wichtiges. Prüf die anderen neun gleich mit." Pro fehlendem Pflichthinweis droht eine Abmahnung. Bei zehn Artikeln wird das schnell fünfstellig.
Beim Urheberrecht und Nutzungsrecht ging es darum, welche Bilder du verwenden darfst. Jetzt geht es um das Wie: Welche Pflichtangaben müssen neben den Bildern auf jeder Produktseite stehen?
Fünf Pflichtangaben, die auf jede Produktseite gehören
Fünf Angaben sind gesetzlich vorgeschrieben:
- Grundpreis - Preis pro Mengeneinheit (kg, Liter, Meter). Pflicht bei Waren, die nach Gewicht oder Volumen verkauft werden. Beim Olivenöl: Preis pro Liter neben dem Gesamtpreis.
- Bei Fernsehern, Waschmaschinen und anderen energieverbrauchsrelevanten Geräten ist das Energielabel Pflicht - als elektronischer Link auf der Produktseite.
- Textilkennzeichnung - vollständige Materialzusammensetzung in Prozent (z.B. "80 % Baumwolle, 20 % Polyester"). Pflicht bei allen Textilprodukten, also auch bei deinen zehn T-Shirts.
- Name und Postanschrift der herstellenden oder importierenden Firma: das sind die Herstellerangaben. Seit 13.12.2024 fordert die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR, VO 2023/988) zusätzlich, bei Online-Angeboten Name und Kontakt einer in der EU niedergelassenen verantwortlichen Person sowie Sicherheits- und Warnhinweise sichtbar bereitzustellen.
- Lieferzeit - konkrete Angabe, wann die Ware eintrifft (z.B. "3-5 Werktage"). Vage Formulierungen wie "schnellstmöglich" reichen nicht.
Dazu kommen produktspezifische Pflichten: Lebensmittel brauchen zusätzlich Nährwertangaben und Allergenhinweise. Für Spielzeug, Elektronik und Kosmetik gelten zusätzliche GPSR- und produktspezifische Sicherheitsangaben.
⚖️ Vergleich im Kopf: Beim Fernseher muss ein Energielabel verlinkt sein, beim T-Shirt die Materialzusammensetzung angegeben werden. Was haben beide Pflichtangaben gemeinsam, und worin liegt der entscheidende Unterschied für die Praxis?
Was kostet eine fehlende Pflichtangabe?
Drei Fälle, drei Risikostufen
Nicht jede fehlende Angabe wiegt gleich schwer. Drei Beispiele:
Fernseher ohne Energielabel: Die EU-Verordnung schreibt den Link zum elektronischen Label vor. Fehlt er, drohen Abmahnkosten von 1.500 bis 3.000 Euro pro Artikel. Abmahnvereine setzen automatisierte Crawler ein, die fehlende Labels systematisch aufspüren.
T-Shirt ohne Textilkennzeichnung: Das Textilkennzeichnungsgesetz (TextilKennzG) verlangt die Faserzusammensetzung bei jedem Textilprodukt. Typische Abmahnkosten: 800 bis 2.000 Euro. Bei zehn T-Shirts ohne Angabe multipliziert sich das Risiko.
Olivenöl ohne Grundpreis: Die Preisangabenverordnung (PAngV) verlangt den Preis pro Liter. Abmahnkosten: 500 bis 1.500 Euro.
Was prüfst du zuerst?
Die Faustregel: Je höher die Abmahnkosten und je leichter der Verstoß automatisiert erkennbar ist, desto dringender die Korrektur. Das Energielabel steht ganz oben auf der Prüfliste.
Zurück zu deinen zehn T-Shirts: Die Textilkennzeichnung fehlt bei allen. Das sind potenziell zehn einzelne Verstöße. Bevor du auf "Veröffentlichen" klickst, trägst du bei jedem Artikel die Materialzusammensetzung ein und prüfst Grundpreis, Herstellerangaben und Lieferzeit.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst einer neuen Auszubildenden Person in zwei Sätzen, warum beim Fernseher das Energielabel auf der Produktseite verlinkt sein muss, obwohl die Effizienzklasse doch auch im Laden auf dem Gerät klebt - wie formulierst du das?
Teste dein Wissen
Du prüfst als E-Commerce-Auszubildende:r die Produktseiten auf Compliance. Welche drei Angaben sind nach geltendem Recht zwingende Pflichtinformationen auf der Produktseite?