Rechte und Pflichten im dualen Ausbildungssystem

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Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, die Regelungen des BBiG auf konkrete Konfliktfälle im Ausbildungsalltag zu lösen ,

    indem in 3 Fallbeispielen (ausbildungsfremde Tätigkeit, unentschuldigtes Fernbleiben vom Berufsschulunterricht, fehlendes Berichtsheft) jeweils die verletzte Pflicht, die betroffene Partei und der korrekte Paragraf des BBiG angegeben werden (3 von 3 Fällen vollständig gelöst).

  2. Du bist in der Lage, die wesentlichen Rechte und Pflichten von Auszubildenden und Ausbildungsbetrieb nach BBiG zu benennen ,

    indem jeweils mindestens 4 Rechte und 4 Pflichten beider Seiten korrekt aufgelistet werden.

  3. Du bist in der Lage, die Funktionsweise des dualen Ausbildungssystems im E-Commerce zu erläutern ,

    indem die Rollen von Betrieb, Berufsschule und zuständiger Stelle sowie die rechtliche Grundlage (BBiG, Ausbildungsordnung) anhand von 3 konkreten Aufgabenbeispielen beschrieben werden.

Berufsschule oder Retouren-Berg - wer entscheidet?

400 Retouren, Black Friday, und du sollst bleiben

Mittwochmorgen, 7:45 Uhr. Du bist auf dem Weg zur Berufsschule, Rucksack gepackt. An der Bürotür fängt dich deine Teamleitung ab: "Kannst du heute hierbleiben? Zwei Kolleg:innen sind krank, 400 offene Retouren, Black Friday startet morgen. Den Berufsschulstoff holst du am Wochenende nach." Nächste Woche steht eine Klassenarbeit in Rechnungswesen an.

Die Antwort ist eindeutig: Du gehst zur Schule. § 15 BBiG verpflichtet den Betrieb, dich für den Berufsschulunterricht freizustellen. Verstößt er regelmäßig dagegen, droht ein Bußgeld bis zu 5.000 Euro. Aber welches System steckt hinter dieser Regel?

Drei Akteure, ein gemeinsames Ziel

Das duale Ausbildungssystem verteilt deine Ausbildung auf zwei Lernorte, überwacht von einer dritten Instanz:

  1. Ausbildungsbetrieb - vermittelt praktische Fertigkeiten wie Retouren bearbeiten, Produktdaten pflegen oder Kundenanfragen per Chat beantworten
  2. Berufsschule - liefert theoretisches Wissen, z.B. Rechnungswesen, Wirtschaftsrecht, Warenwirtschaft
  3. Zuständige Stelle (meist IHK) - registriert den Ausbildungsvertrag, nimmt Prüfungen ab und schlichtet bei Konflikten

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) bildet das rechtliche Fundament. Die Ausbildungsordnung legt fest, welche Inhalte du im Beruf Kaufleute im E-Commerce konkret lernst. Beide Lernorte sind gleichwertig und gesetzlich vorgeschrieben.

🎬 Vorstellung: Du stehst an der Bürotür, Rucksack auf dem Rücken, Teamleitung vor dir. 400 Retouren links, Klassenarbeit rechts. Welches Gesetz gibt dir Rückendeckung?

Wer darf was - und wer muss was?

Pflichten und Rechte nach BBiG

§§ 13 und 14 BBiG regeln die Pflichten beider Seiten:

Der Ausbildungsbetrieb (§ 14) muss Ausbildungsmittel kostenlos bereitstellen, dich für die Berufsschule freistellen, nur ausbildungsbezogene Aufgaben übertragen und eine angemessene Vergütung zahlen. Im Gegenzug hat er ein Weisungsrecht und darf dein Berichtsheft kontrollieren.

Du als Auszubildende:r (§ 13) bist verpflichtet, die Berufsschule zu besuchen, dein Berichtsheft sorgfältig zu führen, Weisungen zu befolgen und dich aktiv um den Lernerfolg zu bemühen. Dafür hast du das Recht auf Vergütung, Freistellung, kostenlose Ausbildungsmittel und ein qualifiziertes Zeugnis.

Drei Konflikte, drei Paragrafen

Fall 1: Dein Betrieb lässt dich seit Wochen nur Pakete packen statt E-Commerce-Aufgaben zu lernen. Der Betrieb verletzt hier § 14 BBiG - er darf dir nur ausbildungsbezogene Aufgaben übertragen.

Fall 2: Du schwänzt den Berufsschultag, weil im Betrieb viel los ist. Hier verletzt du als Auszubildende:r § 13 BBiG. Folge: Fehlstunden gefährden deine Prüfungszulassung.

Fall 3: Seit drei Monaten hast du kein Berichtsheft geschrieben. Auch das ist deine Pflicht nach § 13 BBiG. Ohne vollständiges Berichtsheft keine Zulassung zur Abschlussprüfung.

Und das Eingangsszenario? Deine Teamleitung hätte dich nicht vom Berufsschultag abhalten dürfen. § 15 BBiG ist klar: Freistellung ist Pflicht, nicht Verhandlungssache.

🧑‍🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst einer neuen Auszubildenden Person im E-Commerce-Team, warum sie trotz 500 offener Bestellungen zur Berufsschule gehen muss - welche zwei Argumente nennst du?

Teste dein Wissen

Dein Betrieb verweigert die Freistellung für die Berufsschule wegen des Black Friday. Welche rechtliche Konsequenz ergibt sich daraus für den Betrieb?

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