Lernfeld 5: Güter kommissionieren

Nachhaltigkeit in der Kommissionierung

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Nachhaltigkeit in der Kommissionierung

Wie viel CO2 verursacht eine einzige Leerfahrt in deiner Zone?

Das Problem: Müll und Leerfahrten auf einen Blick

Wer zahlt für leere Fahrten? Montagnachmittag, 14:00 Uhr. Deine Teamleitung hat zur Nachhaltigkeitsbesprechung direkt in die Kommissionierzone eingeladen. Es riecht nach feuchtem Karton. Neben euch quillt der Müllcontainer über vor Einwegkartons und Stretchfolie, alles von heute. 120 Euro Entsorgungskosten pro Woche, nur für eure Zone. Im Hintergrund piept ein Elektrostapler, der gerade die dritte Leerfahrt in einer Stunde zurücklegt.

Erinnerst du dich an die CO2-Emissionen und den Energieverbrauch von Fördermitteln? Genau hier setzt Nachhaltigkeit in der Kommissionierung an: Jede Leerfahrt verbraucht Strom, ohne einen einzigen Artikel zu bewegen.

Den Doppeleffekt durchrechnen: Kosten und CO2

Konkretes Schichtszenario: Dein Elektrostapler fährt pro 8-Stunden-Schicht 12 Leerfahrten mit je 4 Minuten Fahrzeit.

Eingesparte Betriebsstunden: 12 Leerfahrten x 4 Min = 48 Min pro Schicht. Bei 5 Schichten pro Woche sind das 4 Stunden reine Leerfahrtzeit.

CO2-Reduktion: Ein Elektrostapler verbraucht rund 3 kWh pro Betriebsstunde. 4 Stunden x 3 kWh = 12 kWh weniger pro Woche. Beim deutschen Strommix (ca. 400 g CO2/kWh) ergibt das 4,8 kg CO2 weniger pro Woche.

Beide Effekte verstärken sich: Weniger Betriebsstunden senken Stromkosten und Akkuverschleiß. Geringerer Verschleiß spart Ressourcen für Wartung und Ersatzteile, was die CO2-Bilanz nochmals verbessert.

Einwegkarton oder Mehrwegbehälter: Was spart wirklich CO2?

Drei Kriterien im systematischen Vergleich

Der überquellende Müllcontainer aus der Besprechung zeigt das Problem. Aber wie groß ist der Unterschied wirklich? Beim Thema Kommissionierbehälter hast du gelernt, Behälter nach Schutzanforderung und Stapelbarkeit auszuwählen. Jetzt kommt ein drittes Kriterium dazu: die Umweltwirkung.

Das Urteil: Wann lohnt sich Mehrweg für die CO2-Bilanz?

Ein einzelner Mehrwegbehälter verursacht bei der Herstellung rund 6 kg CO2. Ein Einwegkarton liegt bei ca. 0,5 kg CO2. Auf den ersten Blick gewinnt der Karton. Doch nach etwa 15 bis 20 Umläufen ist der Break-even erreicht: Ab diesem Punkt spart jeder weitere Einsatz des Mehrwegbehälters CO2 ein.

Der Reinigungsaufwand addiert pro Umlauf nur rund 20 g CO2 (Wasser und Strom). Die Entsorgungskosten der Einwegkartons summieren sich dagegen auf über 300 Euro pro Jahr und Zone. Für die dauerhafte CO2-Bilanz gilt: Mehrwegbehälter sind klar überlegen, sobald sie regelmäßig im Einsatz sind und die Rückführung im Betrieb funktioniert. Genau das kennst du bereits aus den Mehrwegsystemen für Europaletten und Gitterboxen.

Dein Aktionsplan: Vier Maßnahmen für eine nachhaltigere Zone

Maßnahmen benennen und mit Zielgrößen versehen

Jetzt bist du dran. Aus den Erkenntnissen zu Leerfahrten und Behälterwahl lassen sich vier konkrete Maßnahmen ableiten. Jede hat eine messbare Zielgröße:

  1. Kombinationsfahrten statt Leerfahrten (Fahrzeugnutzung): Auf dem Rückweg Leergut oder Nachschub mitnehmen. Ziel: Leerfahrten um 50 % senken, also 6 weniger pro Schicht.
  2. Mehrwegbehälter für A-Artikel einführen (Behälterwahl): Schnelldreher zuerst umstellen, da sie den größten Verpackungsverbrauch verursachen. Ziel: 80 % der Aufträge in Mehrwegbehältern abwickeln.
  3. S-Form-Strategie konsequent anwenden (Tourenplanung): Kürzere Wege bedeuten weniger Fahrzeit und weniger Energieverbrauch. Ziel: Wegstrecke pro Auftrag um 20 % reduzieren.
  4. Stretchfolie nur bei Transportbedarf (Behälterwahl): Innerbetriebliche Transporte brauchen oft keine zusätzliche Folie. Ziel: Folienverbrauch um 3 kg pro Woche senken.

Priorisierung: Sofort starten oder erst planen?

Nicht jede Maßnahme braucht gleich viel Vorlauf. Kombinationsfahrten und die S-Form-Route kannst du ab der nächsten Schicht umsetzen, ganz ohne Investition. Die Wirkung ist sofort messbar an kWh und eingesparten Fahrminuten. Die Reduktion der Stretchfolie erfordert nur eine Absprache im Team. Der Umstieg auf Mehrwegbehälter braucht Beschaffung, Reinigungslogistik und Abstimmung mit der Teamleitung. Dafür ist die langfristige Wirkung auf CO2 und Kosten am größten. Priorisiere also: Erst die schnellen Maßnahmen mit sofortigem Effekt, dann die strukturellen Veränderungen mit höherem Aufwand.

Lernziele

  • den wirtschaftlich-ökologischen Doppeleffekt der Leerfahrtenvermeidung im Kommissionierprozess zu analysieren, indem für ein beschriebenes Schichtszenario die eingesparten Fahrzeugbetriebsstunden und die daraus resultierende CO2-Reduktion je vermiedener Leerfahrt berechnet sowie die wechselseitige Verstärkung beider Effekte in einer nachvollziehbaren Gegenüberstellung dargestellt werden
  • den Beitrag wiederverwendbarer Kommissionierbehälter zur CO2-Bilanz eines Lagers zu beurteilen, indem Einwegverpackungen und Mehrwegbehälter anhand von mindestens drei quantifizierbaren Kriterien (z.B. Materialverbrauch je Auftrag, Reinigungsaufwand, Entsorgungskosten) systematisch gegenübergestellt und ein begründetes Urteil zur dauerhaften CO2-Wirkung formuliert wird
  • einen Aktionsplan zur Senkung von Energieverbrauch und Verpackungsabfall in einer Kommissionierzone zu entwerfen, indem mindestens vier Maßnahmen aus den Bereichen Fahrzeugnutzung, Behälterwahl und Tourenplanung benannt, nach Umsetzbarkeit und Wirkung priorisiert und jeweils mit einer messbaren Zielgröße (z.B. Prozentsatz, Stückzahl, kWh) versehen werden
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