Adressatengerechte Präsentation und Fremdspracheneinsatz

4 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, Die adressatengerechte Anpassung von Fachsprache für berufsfremde Zuhörende zu erläutern ,

    indem mindestens 5 Fachbegriffe aus der Pâtisserie (z.B. Ganache, Feuilletine, Temperierkurve) für zwei unterschiedliche Zielgruppen (hotelfremde Gäste und Schulklasse) in allgemeinverständliche Formulierungen übertragen und in einem Probevortrag eingesetzt werden.

  2. Du bist in der Lage, Einen englischsprachigen Kurzvortrag zum betrieblichen Leitbild anzuwenden ,

    indem mindestens 3 Umschreibungsstrategien für fehlende Fachbegriffe angewendet werden und der Vortrag in 5 Minuten verständlich gehalten wird.

  3. Du bist in der Lage, Den Einsatz von Präsentationsmedien während des Vortrags zu beurteilen ,

    indem anhand von 4 Kriterien (Sichtbarkeit, Verständlichkeit, Aufmerksamkeitsbindung, Zeitökonomie) eigene und fremde Vorträge eingeschätzt und Verbesserungen formuliert werden.

Wie wird deine Pâtisserie-Präsentation für Nicht-Köche verständlich?

Yusufs Probevortrag

Donnerstagvormittag, 11:15 Uhr, Büro Ausbildung. Yusuf steht vor seinem Ausbilder und hält Karteikarten in der Hand. In drei Stunden kommt eine Gruppe Hotelmanager:innen aus Manchester. Er soll ihnen die Pâtisserie vorstellen - auf Englisch, zehn Minuten, mit Folien. Seine Notizen stecken voller Fachbegriffe wie Ganache, Tempering und Mise en place. Die Gäste sind keine Köche. Ein holpriger Vortrag fällt auf den ganzen Betrieb zurück, denn die Kooperation steht noch am Anfang.

Die Gliederung seiner Betriebspräsentation klärt das Was - jetzt geht es um das Wie: Wie spricht Yusuf, damit Fachfremde ihm folgen?

Fünf Begriffe, zwei Zielgruppen

Adressatengerecht präsentieren bedeutet: Du passt deine Sprache an dein Publikum an. Fünf Begriffe aus Yusufs Notizen zeigen das Prinzip:

  • Ganache wird für Hotelmanager:innen zu "a smooth cream made from chocolate and cream", für eine Schulklasse zu "samtige Schokocreme".
  • Tempering wird zu "heating and cooling chocolate for a perfect shine" bzw. "Schokolade so behandeln, dass sie glänzt".
  • Mise en place wird zu "preparing everything before we start" bzw. "alles vorbereiten, bevor es losgeht".
  • Feuilletine wird zu "thin, crispy wafer flakes" bzw. "knusprige Waffelstückchen".
  • Nappieren wird zu "coating with a thin sauce layer" bzw. "Soße gleichmäßig drübergießen".

Die Regel: Beschreibe, was der Begriff bewirkt. Nenne ihn ruhig mit, aber liefere sofort die Erklärung nach.

⚖️ Vergleich im Kopf: Wie würdest du "Ganache" einer Gruppe Sterneköch:innen erklären - und wie einer Schulklasse? Wo liegt der Unterschied in der Wortwahl?

Wie präsentierst du auf Englisch, wenn Fachbegriffe fehlen?

Drei Umschreibungsstrategien

Yusuf kennt nicht jedes Fachwort auf Englisch. Das muss er auch nicht. Drei Strategien helfen, wenn ein Begriff fehlt:

  1. Funktion beschreiben - sag, was das Produkt oder der Arbeitsschritt bewirkt. "Ganache" wird zu "a cream that makes the cake smooth and rich."
  2. Vergleich ziehen - verknüpfe den Begriff mit etwas Bekanntem. "Feuilletine is similar to very thin, crispy cornflakes, but made from wafer."
  3. Oberbegriff plus Detail - nenne die Kategorie und ergänze das Besondere. "Nappieren is a coating technique - you pour a thin layer of sauce over the dessert."

Alle drei Strategien umgehen die Lücke, ohne Inhalt zu verlieren.

Yusuf testet die Strategien

Sein Leitbild-Abschnitt lautet auf Deutsch: "Handwerkliche Qualität mit regionalen Zutaten." Auf Englisch sagt Yusuf: "We focus on craftsmanship and use ingredients from local farms."

Für den Pâtisserie-Teil kombiniert er alle drei Strategien: "Our pastry team creates desserts by hand. We temper chocolate ourselves - that means we carefully control the temperature so it gets a beautiful shine and a clean snap when you break it."

Keine Wort-für-Wort-Übersetzung, sondern Erklärungen, die Bilder im Kopf erzeugen. Fünf Minuten reichen, wenn jeder Satz einen klaren Zweck hat.

🎬 Vorstellung: Du stehst vor der Gruppe aus Manchester. Du willst "Mise en place" erklären, aber dir fällt das englische Wort für "Vorbereitung" nicht ein. Welche der drei Strategien greifst du zuerst?

Stützen deine Medien den Vortrag oder lenken sie ab?

Vier Kriterien für den Medieneinsatz

Yusufs Folien stehen. Aber helfen sie dem Publikum wirklich? Vier Kriterien zeigen, ob ein Medium den Vortrag stützt:

  1. Sichtbarkeit - Kann jede Person im Raum Text und Bilder erkennen? Schrift unter 24 Punkt ist auf Beamerprojektionen kaum lesbar.
  2. Verständlichkeit - Ergänzt die Folie den gesprochenen Satz, oder wiederholt sie ihn nur? Ein Foto einer Ganache sagt mehr als die Definition in Textform.
  3. Aufmerksamkeitsbindung - Lenkt das Medium den Blick auf den richtigen Punkt? Ein kurzes Video vom Temperiervorgang fesselt. Zehn Textfolien hintereinander ermüden.
  4. Zeitökonomie - Passt der Medienwechsel in den Zeitrahmen? Bei zehn Minuten Vortragszeit zählt jede Sekunde.

Yusufs Folien auf dem Prüfstand

Zurück zu Yusufs Probevortrag. Sein Ausbilder hat mitgeschrieben:

Folie 3 zeigt ein Foto der Pâtisserie-Werkstatt. Alle vier Kriterien erfüllt: gut sichtbar, unterstützt den gesprochenen Text, bindet Aufmerksamkeit, braucht keine extra Zeit.

Folie 5 enthält acht Stichpunkte zum Leitbild in Schriftgröße 16. Sichtbarkeit mangelhaft, Verständlichkeit gering, Aufmerksamkeit geht verloren, weil das Publikum liest statt zuhört.

Yusufs Lösung: Folie 5 auf drei Kernaussagen reduzieren, Schrift auf 28 Punkt, ein Bild ergänzen. So wird aus einer schwachen Folie eine, die den Vortrag trägt statt bremst.

🤔 Frage dich: Dein Kollege sagt: "Je mehr Folien du zeigst, desto professioneller wirkt dein Vortrag." Stimmt das?

Teste dein Wissen

Yusuf bereitet seinen Englisch-Vortrag für die Hotelmanager:innen vor. Er hat notiert: "Ganache ist eine Emulsion aus Schokolade und Sahne." Welche Formulierung ist adressatengerechter für fachfremde Gäste?

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