Warum explodieren die Kosten im Versandlager, obwohl sich dort nichts geändert hat?
Gleich verteilt ist nicht gerecht verteilt
2.400 Euro Strom, drei Kostenstellen, durch drei geteilt: je 800 Euro. Klingt fair. Aber der Server-Raum verbraucht seit letztem Monat doppelt so viel wie vorher. Neue Racks, höhere Last. Die Versandleitung beschwert sich: Die Kostenstellenberichte explodieren, obwohl sich im Lager nichts geändert hat.
Kostenstellen und Kostenträger zu unterscheiden klärt, welche Kosten wo anfallen. Jetzt geht es um das Wie: Wie verteilst du Gemeinkosten so, dass jede Kostenstelle nur das trägt, was sie tatsächlich verursacht? Das Werkzeug dafür heißt Betriebsabrechnungsbogen (BAB). Falsche Verteilung hat konkrete Folgen: Trägt das Versandlager zu hohe Gemeinkosten, sehen profitable Artikel auf dem Papier wie Verlustbringer aus.
So ist der BAB aufgebaut
Der BAB ist eine Tabelle mit klarer Logik:
- Zeilen zeigen die Kostenarten (Strom, Miete, Gehälter Verwaltung)
- Spalten zeigen die Kostenstellen: Hilfskostenstellen (z.B. IT-Service) und Hauptkostenstellen (Einkauf, Versand, Verwaltung)
- Dazwischen: der Verteilungsschlüssel als Maßgröße für die Aufteilung (kWh, m², Anzahl Beschäftigte)
Für jede Zeile liest du: Gesamtbetrag links, Schlüssel in der Mitte, verteilte Beträge rechts in den Kostenstellen-Spalten. Die Summe aller Spalten muss den Gesamtbetrag ergeben.
🎬 Vorstellung: Denk an deinen eigenen Ausbildungsbetrieb. Welche Kostenstellen gibt es dort, und welche Kostenart würdest du als Erstes in einen BAB eintragen?
Welcher Schlüssel passt zu welcher Kostenart?
2.400 Euro nach Verbrauch verteilen
Die Stromzähler liefern die Daten: Server-Raum 1.440 kWh, Büro 360 kWh, Versandlager 600 kWh. Zusammen 2.400 kWh bei 1 Euro pro kWh. Der passende Verteilungsschlüssel ist der kWh-Anteil jeder Kostenstelle:
- Server-Raum: 1.440 / 2.400 = 60 % = 1.440 EUR
- Büro: 360 / 2.400 = 15 % = 360 EUR
- Versandlager: 600 / 2.400 = 25 % = 600 EUR
Das Versandlager trägt jetzt 600 statt 800 Euro. Die 200 Euro Differenz wandert dorthin, wo der Strom tatsächlich verbraucht wird: zum Server-Raum. Die Kostenstellenberichte bilden jetzt ab, was wirklich passiert.
Drei Kostenarten, drei passende Schlüssel
Nicht jede Kostenart lässt sich nach kWh verteilen. Entscheidend ist: Welche Maßgröße bildet den Verursachungszusammenhang am besten ab?
Mietkosten verteilst du nach m². Ein Server-Raum mit 200 m² und null Beschäftigten kostet trotzdem Miete. Würdest du nach Köpfen verteilen, bekäme der Server-Raum null Euro zugewiesen, obwohl er ein Viertel der Gesamtfläche belegt.
Stromkosten nach kWh-Verbrauch. Genau das, was du gerade berechnet hast.
Personalverwaltung nach Anzahl Beschäftigte. Der Aufwand für Gehaltsabrechnung und Zeiterfassung wächst mit jeder Person, nicht mit jedem Quadratmeter.
Faustregel: Frag dich bei jeder Kostenart, wodurch sie steigt. Steigt sie mit der Fläche, nimm m². Steigt sie mit dem Verbrauch, nimm kWh. Steigt sie mit der Personenzahl, nimm Köpfe.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Jemand beginnt gerade die Ausbildung und fragt dich, warum die Quadratmeterzahl für die Mietverteilung besser geeignet ist als die Mitarbeitendenzahl. Wie würdest du das in zwei Sätzen erklären?
Teste dein Wissen
Du bist im Controlling eines E-Commerce-Unternehmens tätig. Die Stromkosten von 2.000 EUR sollen auf die Kostenstellen Server-Infrastruktur, Büro und Versandlager verteilt werden. Welcher Verteilungsschlüssel ist am sachgerechtesten?