Warum zeigt der Shop "lieferbar", obwohl das Lager leer ist?
14 Bestellungen, Bestand null, eine 1-Stern-Bewertung
14 Bestellungen für einen ausverkauften Bluetooth-Lautsprecher, Bestand null, und der Shop zeigt noch "Lieferbar in 1-3 Werktagen". Deine Teamleiterin Anja hat dir gerade die erste Kundenbewertung weitergeleitet: ein Stern, Titel "Fake-Lieferzeit". Dienstagmittag, 13 Uhr.
Erinnerst du dich an die strukturierte Kommunikation bei Lieferengpässen? Genau hier setzt die technische Absicherung an. Das Shopsystem hat den Engpass gar nicht erkannt. Der Verfügbarkeitsstatus wurde nie automatisch angepasst, weil niemand die nötigen Regeln hinterlegt hat.
Wie richtest du das System so ein, dass der Status von allein umspringt, sobald der Bestand sinkt oder auf null fällt?
Vier Schwellenwerte, vier Statusmeldungen
Im Shopsystem legst du für jedes Produkt Schwellenwerte fest. Sobald der Bestand einen Wert unterschreitet, springt der angezeigte Status automatisch um:
- Lieferbar - Bestand über dem oberen Schwellenwert (z.B. > 20 Stück). Der Shop zeigt "Lieferbar in 1-3 Werktagen".
- Status wenige verfügbar - Bestand zwischen 1 und dem oberen Schwellenwert. Der Shop zeigt "Nur noch wenige auf Lager".
- Bei Bestand null mit aktiver Nachbestellung springt der Status auf Nachlieferung erwartet. Der Shop zeigt das voraussichtliche Lieferdatum.
- Nicht lieferbar - Bestand auf null, keine Nachbestellung aktiv. Der Shop zeigt "Aktuell nicht verfügbar".
Beim Bluetooth-Lautsprecher fehlte genau diese Konfiguration. Der Status blieb auf "Lieferbar", obwohl kein einziges Stück mehr im Lager lag.
🤔 Frage dich: Wie würdest du die Schwellenwerte anpassen, wenn ein Produkt saisonale Nachfragespitzen hat - etwa Ventilatoren im Juni?
Wann wird eine falsche Lieferzeitangabe zur Abmahnfalle?
Irreführung nach § 5 UWG
Falsche Lieferzeitangaben sind nicht nur ein Serviceproblem. Nach § 5 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) gilt eine Lieferzeitangabe als irreführende geschäftliche Handlung, wenn der Shop zum angegebenen Zeitpunkt gar nicht liefern kann.
Das gilt auch, wenn die falsche Angabe nicht absichtlich war. Eine fehlende Systemkonfiguration reicht aus. Wettbewerber oder Verbraucherschutzverbände können eine Abmahnung aussprechen. Die Folge: Unterlassungserklärung, Anwaltskosten und bei Wiederholung eine Vertragsstrafe.
Im Fall des Bluetooth-Lautsprechers war "Lieferbar in 1-3 Werktagen" irreführend, weil weder Bestand noch Nachbestellung existierten. Jede der 14 Bestellungen hätte Grundlage für eine Abmahnung sein können.
Vier Fälle - dein Urteil
Prüfe diese Situationen:
- Rucksack ausverkauft. Der Shop zeigt "Lieferbar in 2-4 Wochen". Keine Nachbestellung ausgelöst.
- Ladekabel, 3 Stück auf Lager. Der Shop zeigt "Sofort lieferbar".
- Kopfhörer ausverkauft. Der Shop zeigt "Aktuell nicht verfügbar".
- Smartphone-Case. Der Shop zeigt "Lieferbar in 1-3 Werktagen". Nachbestellung bestätigt, Liefertermin vom Lieferanten: übermorgen.
Welche Angaben sind abmahnfähig, welche zulässig?
Auflösung und Transfer
Fall 1 ist abmahnfähig: "2-4 Wochen" suggeriert eine laufende Beschaffung, die nicht existiert. Fall 2 ist zulässig, solange die 3 Stück tatsächlich versandfertig sind. Fall 3 ist zulässig - ehrliche Angabe, keine Irreführung. Fall 4 ist ein Grenzfall: Die Angabe ist nur haltbar, wenn der Liefertermin realistisch ist und die Versandzeit eingerechnet wurde.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst einer neuen Auszubildenden in zwei Sätzen, warum eine fehlende Schwellenwert-Konfiguration im Shopsystem nicht nur Kundschaft verärgert, sondern auch eine Abmahnung nach sich ziehen kann.
Teste dein Wissen
Du konfigurierst in deinem Shopsystem die Verfügbarkeitsanzeige für einen Bluetooth-Lautsprecher. Welcher Bestandswert ist für die automatische Umschaltung auf 'Nachlieferung erwartet' maßgeblich?