Retourenkostenquote

4 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, die Retourenkostenquote eines Online-Shops zu berechnen ,

    indem aus jeweils vorgegebenen Werten für Gesamtretourenkosten (Rückversand, Prüfung, Wiedereinlagerung) und Gesamtumsatz die Quote in Prozent mit korrekter Formel ermittelt und das Ergebnis in mindestens drei Übungsfällen mit unterschiedlichen Kostenprofilen fehlerfrei dargestellt wird, wobei Rechenfehler wie das Vertauschen von Zähler und Nenner oder das Vergessen einzelner Kostenpositionen ausgeschlossen sind.

  2. Du bist in der Lage, die Auswirkungen einer hohen Retourenkostenquote auf einzelne Sortimentsbereiche zu analysieren ,

    indem aus einer Beispieltabelle mit Retourenkostenquoten und Margen je Warengruppe mindestens zwei unwirtschaftliche Sortimentsbereiche identifiziert und die ursächlichen Kostentreiber benannt werden.

  3. Du bist in der Lage, die Wirtschaftlichkeit der Einführung einer Retourengebühr zu beurteilen ,

    indem auf Basis einer berechneten Retourenkostenquote vor und nach Einführung der Gebühr mindestens drei Effekte (Kostenentlastung, Conversion-Rückgang, Kundenzufriedenheit) gegenübergestellt und eine begründete Empfehlung formuliert wird.

Kann ein Sortiment mit 84.000 Euro Umsatz trotzdem Verlust machen?

Die Frage, die Mia nicht sofort beantworten kann

Kann ein Sortiment mit 84.000 Euro Quartalsumsatz Verlust machen? Mia, Auszubildende im E-Commerce-Team, sitzt an diesem Montagnachmittag vor genau diesem Problem. Ihre Teamleiterin hat ihr eine Tabelle hingelegt: Outdoor-Jacken, Umsatz letztes Quartal 84.000 Euro. Retourenkosten für Rückversand, Prüfung und Wiedereinlagerung zusammen 11.300 Euro. Die Gewinnmarge des Sortiments liegt bei 12 %. Bis morgen braucht das Management eine Antwort.

Die Berechnung der Prozesskosten pro Retoure ist die Grundlage für die Retourenkostenquote: Sie setzt alle Retourenkosten eines Sortiments ins Verhältnis zum Gesamtumsatz. Erst diese Kennzahl zeigt, ob die Retouren die Marge auffressen.

So rechnet Mia

Die Formel:

Retourenkostenquote = Gesamtretourenkosten / Gesamtumsatz × 100

Mias Zahlen eingesetzt: 11.300 € / 84.000 € × 100 = 13,45 %

Die Gewinnmarge liegt bei 12 %. Die Retourenkostenquote liegt mit 13,45 % darüber. Das bedeutet: Die Retouren fressen die komplette Marge auf und verursachen zusätzlich Verlust.

Häufiger Rechenfehler: Zähler und Nenner vertauschen. Wer 84.000 durch 11.300 teilt, bekommt 743 % - eine sinnlose Zahl. Im Zähler stehen immer die Retourenkosten, im Nenner immer der Umsatz.

🎬 Vorstellung: Stell dir vor, du sitzt neben Mia und sollst die 13,45 % der Teamleiterin erklären. Was sagst du in einem Satz zur Wirtschaftlichkeit des Sortiments?

Welche Sortimentsbereiche fressen die Marge?

Vier Warengruppen im Vergleich

Mias Tabelle zeigt nicht nur Outdoor-Jacken. Vier Warengruppen stehen zur Analyse:

Zwei Warengruppen sind unwirtschaftlich: Outdoor-Jacken (13,45 % > 12 % Marge) und Wanderschuhe (16,00 % > 14 % Marge) - bei beiden übersteigt die Retourenkostenquote die Gewinnmarge.

Wo sitzen die Kostentreiber?

Warum gerade Jacken und Schuhe? Beide Warengruppen teilen zwei Kostentreiber:

  1. Hohe Rückversandkosten durch Gewicht und Paketgröße. Eine Outdoor-Jacke wiegt verpackt 1,2 kg, ein Paar Wanderschuhe 1,8 kg. Trinkflaschen wiegen 300 g.
  2. Hoher Prüfaufwand nach Rücksendung. Jacken müssen auf Gebrauchsspuren, Geruch und Funktionsfähigkeit der Membran kontrolliert werden. Schuhe auf Sohlenabrieb. Trinkflaschen brauchen nur eine Sichtprüfung.

Funktionsshirts liegen knapp unter der Marge (9 % < 10 %). Hier reicht eine kleine Verschiebung - etwa steigende Versandkosten - und auch dieses Sortiment kippt.

🤔 Frage dich: Wie würdest du vorgehen, wenn die Teamleiterin fragt, ob der Shop die Wanderschuhe aus dem Sortiment nehmen soll - obwohl sie den zweithöchsten Umsatz bringen?

Löst eine Retourengebühr das Problem?

Drei Effekte gegenübergestellt

Mias Teamleiterin wirft eine Idee in den Raum: 4,95 Euro Retourengebühr pro Rücksendung. Mia rechnet nach. Im letzten Quartal gab es 820 Retouren bei Outdoor-Jacken. Die Gebühr brächte 4.059 Euro ein. Neue Retourenkosten: 11.300 - 4.059 = 7.241 Euro. Neue Quote: 7.241 / 84.000 × 100 = 8,62 %. Das liegt unter der 12-%-Marge. Klingt gut.

Aber drei Effekte stehen gegeneinander:

  1. Kostenentlastung: Quote sinkt von 13,45 % auf 8,62 %. Sortiment wäre rechnerisch profitabel.
  2. Conversion-Rückgang: Kostenpflichtige Retouren senken die Kaufbereitschaft um 10-30 %. Bei 84.000 Euro Umsatz wären das bis zu 25.200 Euro weniger.
  3. Kundenzufriedenheit: Kostenlose Retouren gelten im deutschen Online-Handel als Standard. Eine Gebühr kann Stammkundschaft vertreiben.

Mias Empfehlung an die Teamleiterin

Die Gebühr senkt die Quote, aber der mögliche Umsatzverlust übersteigt die Einsparung. Mia empfiehlt deshalb einen anderen Weg: zuerst die produktbezogenen Retourengründe analysieren. Wenn 40 % der Jacken-Retouren wegen Passformproblemen zurückkommen, bringt eine bessere Größentabelle mehr als eine Gebühr - ohne Kundschaft zu verlieren.

Die Retourenkostenquote ist kein Urteil über ein Sortiment. Sie ist ein Frühwarnsystem, das zeigt, wo du genauer hinschauen musst.

📝 Fasse mental zusammen: Welche drei Schritte hat Mia durchlaufen - von der Berechnung über die Sortimentsanalyse bis zur Gebühren-Bewertung?

Teste dein Wissen

Du berechnest die Retourenkostenquote für ein Sortiment. Der Gesamtumsatz beträgt 84.000 Euro, die Gesamtkosten für Rückversand, Prüfung und Wiedereinlagerung liegen bei 11.300 Euro. Wie hoch ist die Quote?

Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.

DSGVO-konform. Deine Daten auf deutschen Servern.