Kosten und Effizienz von Retouren analysieren

4 min 3 Abschnitte
Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, die Prozesskosten einer Retoure aus Rückversand, Warenprüfung, "Neuverpackung" und Wiedereinlagerung zu berechnen ,

    indem aus vorgegebenen Kostensätzen die Gesamtkosten pro Retoure auf zwei Nachkommastellen genau ermittelt und mit dem Warenwert verglichen werden, wobei mindestens drei verschiedene Kostensätze berücksichtigt werden.

  2. Du bist in der Lage, die Durchlaufzeit der einzelnen Retourenstationen im Lager zu analysieren ,

    indem aus Prozessdaten mindestens zwei konkrete Engpässe identifiziert und mit Kennzahlen (z. B. Liegezeit, Bearbeitungsdauer) belegt werden.

  3. Du bist in der Lage, Maßnahmen zur Senkung der Retourenkosten und Verkürzung der Durchlaufzeit zu beurteilen ,

    indem mindestens drei Maßnahmen anhand der Kriterien Kosteneinsparung, Umsetzungsaufwand und Kundenzufriedenheit bewertet und priorisiert werden.

Was kostet es, wenn ein Paar Sneaker zurückkommt?

40 Retouren pro Tag, null Überblick über die Kosten

Was kostet es deinen Betrieb, wenn ein einziges Paar Sneaker zurückkommt? Bogdan, dein Teamleiter im Retourenlager, schiebt dir die Tagesauswertung rüber. Montagvormittag, 12:15 Uhr. Der Sneaker "Urban Runner" hat 30% Retourenquote. Die meisten Rücksendungen nennen Passform-Probleme als Grund. 40 Paar kommen täglich zurück.

"Rechne mir vor, was uns eine einzige Retoure kostet", sagt Bogdan. "Dann sehen wir, ob der Artikel die Marge überhaupt noch trägt."

Du öffnest die Tabelle: Rückversand, Warenprüfung, Neuverpackung, Wiedereinlagerung. Für keinen dieser Posten gibt es eine fertige Summe. Du musst sie aus den Kostensätzen zusammenrechnen.

Vier Kostenpositionen, eine Summe

Die Kostensätze für den "Urban Runner" liegen vor:

  1. Rückversand (Paketdienstleister-Pauschale): 4,50 €
  2. Warenprüfung (8 Min Arbeitszeit × 21 €/h): 2,80 €
  3. Neuverpackung (Material 0,40 € + 3 Min Arbeitszeit): 1,45 €
  4. Wiedereinlagerung (Scannen, Einbuchen, Einräumen, 4 Min): 1,40 €

Gesamtkosten pro Retoure: 10,15 €

Der Sneaker bringt 18 € Marge pro Paar. Eine einzige Retoure frisst 56% davon. Bei 40 Retouren am Tag sind das 406 € Prozesskosten täglich, rund 8.100 € im Monat.

🎬 Vorstellung: Stell dir vor, du sitzt an Bogdans Bildschirm und scrollst durch die Kostensätze deines eigenen Sortiments. Bei welchem Artikel würdest du als Erstes nachrechnen?

Wo steckt die Retoure am längsten fest?

168 Minuten Durchlaufzeit, nur 23 Minuten Arbeit

Die Kosten kennst du. Aber Geld ist nur die halbe Wahrheit. Jede Stunde, die eine Retoure im Lager liegt, blockiert Platz und verzögert den Wiederverkauf. Bogdan hat die Prozessdaten der letzten Woche gezogen:

Gesamte Durchlaufzeit: 168 Minuten pro Retoure. Davon sind nur 23 Minuten echte Bearbeitungszeit. Die restlichen 145 Minuten ist reine Liegezeit: Die Ware wartet, ohne dass jemand daran arbeitet.

🔮 Bevor du weiterliest: An welcher Station würdest du zuerst ansetzen, um die Durchlaufzeit deutlich zu senken?

Zwei Engpässe, zwei Ursachen

Die Daten zeigen zwei klare Engpässe:

Engpass 1, Wiedereinlagerung (90 Min Liegezeit): Nur ein Einlagerungsplatz steht zur Verfügung. Die geprüften und neu verpackten Retouren stapeln sich, weil eine Person allein nicht schneller einbuchen kann. 90 von 145 Minuten Liegezeit entstehen allein hier.

Engpass 2, Warenprüfung (45 Min Liegezeit): Zwei Prüfplätze für 40 Retouren am Tag reichen nicht. Zwischen 10 und 14 Uhr bildet sich eine Warteschlange, weil die meisten Rücksendungen vormittags eintreffen.

Welche Maßnahme bringt am meisten?

Drei Optionen, drei Kriterien

Bogdan will wissen, welche Maßnahme sich zuerst lohnt. Du bewertest drei Optionen nach Kosteneinsparung, Umsetzungsaufwand und Kundenzufriedenheit:

  1. Größentabelle im Shop überarbeiten: Sinkt die Retourenquote um ein Fünftel, fallen 8 Retouren pro Tag weg. Ersparnis: rund 81 € täglich. Aufwand: Produktfotos und Maßtabellen aktualisieren, kein finanzielles Invest. Kundenzufriedenheit steigt, weil weniger Fehlkäufe entstehen.
  2. Zweiten Einlagerungsplatz einrichten: Liegezeit an Station 4 halbiert sich von 90 auf ca. 45 Min. Kosten: rund 800 €. Kein direkter Effekt auf Kundenzufriedenheit, aber Ware ist schneller wieder verfügbar.
  3. Automatische Sortieranlage: Liegezeiten sinken an allen Stationen. Investition: 45.000 €. Lohnt sich erst bei deutlich höherem Retourenvolumen.

Maßnahme 1 hat das beste Verhältnis: hohe Einsparung, geringer Aufwand, positive Kundenwirkung.

Ergebnis für den "Urban Runner"

Bogdan hat jetzt drei Zahlen auf dem Tisch: 10,15 € Prozesskosten pro Retoure, 168 Minuten Durchlaufzeit und eine klare Prioritätenliste. Der "Urban Runner" bleibt im Sortiment, aber mit überarbeiteter Größentabelle und einem zweiten Einlagerungsplatz ab nächster Woche.

🤔 Frage dich: Schätze: Wenn 8 Retouren pro Tag durch eine bessere Größentabelle wegfallen, wie viel Euro spart dein Betrieb in einem Monat mit 20 Arbeitstagen?

Teste dein Wissen

Du analysierst die Prozesskosten für eine Retoure des 'Urban Runner'. Welche drei Kostenkomponenten sind gemäß Branchenstandard (bevh) für die Berechnung der Logistikkosten einer Retoure zwingend zu berücksichtigen?

Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.

DSGVO-konform. Deine Daten auf deutschen Servern.