4.000 Klicks vs. drei Einlösungen - wo steckt der Fehler?
Viel Budget, kaum Wirkung
4.000 Klicks auf den Rabatt-Coupon, drei Einlösungen in der Filiale. Yasmin sitzt Donnerstagvormittag um 10:15 Uhr im Mobile-Marketing-Team vor dem Kampagnen-Dashboard. Die Instagram-Kampagne für die neue Bäckerei-Filiale hat 1.200 Euro verbraucht. Die Auswertung zeigt: 60 Prozent der Klicks kamen von Personen über 100 km entfernt. Der Einlöse-Button auf dem Smartphone war so klein, dass kaum jemand ihn treffen konnte.
Was passiert, wenn du bei der Kanalauswahl den richtigen Kanal triffst, aber die Ausspielung nicht räumlich eingrenzt? Zwei Stellschrauben fehlten: Geotargeting und mobile Nutzerfreundlichkeit.
So funktioniert Geotargeting
Geotargeting spielt Werbung nur an Personen aus, die sich in einem definierten Gebiet aufhalten. Drei Technologien liefern den Standort:
- GPS - genaueste Ortung (wenige Meter), braucht aktive Standortfreigabe auf dem Smartphone
- WLAN-Ortung - erkennt bekannte Netzwerke in der Nähe, Genauigkeit 20-50 Meter
- IP-Adresse - grobe Zuordnung auf Stadtebene, bei mobilen Daten oft ungenau
Typische Einsatzfelder: Filial-Couponing (Rabatt im 5-km-Umkreis), Geofencing (automatische Push-Nachricht beim Betreten eines Areals) und standortbezogene Suchanzeigen.
Wichtig bei Targeting auf jüngere Zielgruppen: Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV §§ 5, 6) und Art. 28 DSA verbieten Profiling-basiertes Targeting auf Minderjährige. Werbung für Alkohol gegenüber Minderjährigen ist nach § 6 Abs. 5 JMStV unzulässig; Tabakwerbung in Diensten der Informationsgesellschaft (inkl. mobile Web/Apps) ist generell durch § 19 TabakerzG verboten; Glücksspielwerbung an Minderjährige ist nach § 5 GlüStV 2021 unzulässig.
Der Button muss treffbar sein
Yasmins zweites Problem: Der Call-to-Action (CTA) war zu klein. Drei UX-Prinzipien verhindern solche Abbrüche:
- Daumenfreundlichkeit - Buttons in die untere Bildschirmhälfte, wo der Daumen hinreicht
- Ausreichender Kontrast des CTA-Buttons gegen den Hintergrund
- Einspaltige Formularführung - kein Zoomen, kein horizontales Scrollen
Touch-Targets müssen mindestens 44 × 44 Pixel groß sein, die Ladezeit der Landingpage unter 3 Sekunden liegen.
🤔 Frage dich: Was unterscheidet eine Kampagne mit 5-km-Geotargeting von einer ohne räumliche Eingrenzung - bei den Streuverlusten und bei den Kosten pro Einlösung?
In-App oder Browser - und wie hätte Yasmin es richtig gemacht?
Vier Unterschiede zwischen In-App und mobilem Web
Werbung auf dem Smartphone läuft in zwei verschiedenen Umgebungen. In einer kostenlosen Wetter-App gelten andere Regeln als im mobilen Browser:
In-App-Werbung erreicht Nutzende aufmerksamer, weil sie die App aktiv verwenden. Dafür ist die Reichweite an die jeweilige App gebunden.
So hätte Yasmins Kampagne aussehen müssen
Mit Geotargeting und mobiler UX sähe die Kampagne so aus:
- Radius: 5 km um die Filiale per GPS-Geotargeting
- Zielgruppe: 18-55 Jahre, Interessen Frühstück und Kaffee
- Anzeigeninhalt: Coupon mit großem CTA-Button (mind. 44 × 44 px), einspaltig, Ladezeit unter 3 Sekunden
- Ausspielungszeitraum: Montag bis Samstag, 6:30-10:00 Uhr
Statt 4.000 Klicks bundesweit erreicht die Kampagne vielleicht nur 800 Personen im Umkreis. Aber diese können tatsächlich vorbeikommen. Die Kosten pro Einlösung sinken von 400 Euro auf einen Bruchteil.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst einer neuen Auszubildenden Person in je einem Satz, was Geotargeting ist und warum ein CTA-Button auf dem Smartphone mindestens 44 × 44 Pixel groß sein muss - wie formulierst du das?
Teste dein Wissen
Yasmin plant eine standortbasierte Mobile-Kampagne für eine Bäckerei. Warum ist die räumliche Eingrenzung der Ausspielung (Geotargeting) für den Erfolg entscheidend?