Was fehlt auf dem Etikett, bevor die Flasche ins Regal darf?
Aktionsware mit doppelten Preisen
Freitagvormittag, 11:00 Uhr in der Preisauszeichnungszone. Du preist 80 Flaschen Olivenöl für die Rabattaktion um. Beim ersten Karton drei Probleme auf einmal: Die alten Klebeetiketten lassen sich kaum ablösen. Das neue Etikett drübergeklebt, aber der alte Preis schimmert durch. Und auf keinem Etikett steht ein Literpreis. Deine Teamleiterin Yasmin braucht die Ware in 45 Minuten im Regal.
Du kennst bereits die Güterbearbeitungsfläche. Hier setzt die Preisauszeichnung an. Welches Verfahren passt zur Ware, und was muss laut Gesetz auf dem Etikett stehen?
Vier Verfahren für unterschiedliche Waren
Nicht jede Ware wird gleich ausgezeichnet. Vier Verfahren sind gängig:
- Auf Flaschen, Dosen und Lebensmittelverpackungen sitzt meist ein Klebeetikett. Schnell aufzubringen, aber beim Umpreisen schwer zu entfernen.
- Textilien und Schuhe tragen ein Anhängeetikett an Faden oder Kunststoffschlaufe. Leicht austauschbar, kein Rückstand auf der Ware.
- Großgebinde und Baumaterialien erhalten oft einen Aufdruck direkt auf der Verpackung. Nicht nachträglich änderbar.
- Am Regalplatz zeigt ein elektronisches Regaletikett den Preis digital an - kurz ESL. Preisänderungen laufen zentral per Software, ohne physisches Etikett auf der Ware.
Endpreis und Grundpreis nach PAngV
Die Preisangabenverordnung (PAngV) schreibt zwei Pflichtangaben vor:
Der Endpreis inklusive Mehrwertsteuer - bei deinem Olivenöl der Aktionspreis, z.B. 6,99 Euro.
Dazu der Grundpreis pro Mengeneinheit. Bei Flüssigkeiten bedeutet das: Preis pro Liter. Eine 500-ml-Flasche für 6,99 Euro ergibt einen Grundpreis von 13,98 Euro pro Liter.
Ohne Grundpreis ist die Auszeichnung unvollständig und kann bei einer Kontrolle ein Bußgeld nach sich ziehen.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Eine neue Auszubildende fragt: "Warum stehen auf der Olivenöl-Flasche zwei verschiedene Preise?" Wie erklärst du ihr den Unterschied zwischen Endpreis und Grundpreis in zwei Sätzen?
Wann ist ein umgepreistes Etikett korrekt?
Drei Fälle beim Umpreisen
Zurück zu Yasmins Auftrag. Drei typische Ergebnisse beim Umpreisen:
- Neues Etikett über das alte geklebt. Der alte Preis (8,49 Euro) schimmert seitlich durch. Kundschaft sieht zwei Preise - Reklamation an der Kasse, im schlimmsten Fall eine Abmahnung wegen Irreführung.
- Altes Etikett mit Lösungsmittel entfernt, neues sauber aufgebracht. Endpreis und Grundpreis vollständig. Korrekt.
- Altes Etikett abgezogen, Kleberückstände bleiben. Neues Etikett haftet schlecht, löst sich im Regal. Am Artikel fehlt jeder Preis - ein klarer PAngV-Verstoß.
Das Muster: Beim Umpreisen muss das alte Etikett vollständig und rückstandsfrei entfernt werden, bevor das neue aufgebracht wird.
So löst du Yasmins Auftrag
So hätte es von Anfang an laufen müssen: Altes Etikett vollständig ablösen. Kleberückstände mit Lösungsmittel beseitigen, damit das neue Etikett sauber haftet. Auf dem neuen Etikett stehen Endpreis (6,99 Euro) und Grundpreis (13,98 Euro/Liter). Erst dann geht die Flasche ins Regal.
Bei 80 Flaschen in 45 Minuten bleibt pro Flasche etwa eine halbe Minute. Knapp, aber machbar, wenn du vorher alles griffbereit aufbaust: Lösungsmittel, Lappen, Etikettierpistole und die fertigen Etiketten direkt neben dir. Sichtbare Altpreise sind das häufigste Problem beim Umpreisen. Sie wirken auf Kundschaft wie Täuschung und können bei Kontrollen beanstandet werden.
Teste dein Wissen
Du preist eine 500-ml-Olivenöl-Flasche auf 6,99 € um. Welchen Grundpreis berechnest du korrekt für das neue Etikett?