Warum kostet das fertige Paket mehr als die Summe seiner Teile?
Auftrag 4471 ist komplett
Matteo legt die letzte Zündkerze in den Kommissionierbehälter. Ölfilter, Luftfilter, Zündkerzen, 5 Liter Motoröl: Das Kfz-Inspektionspaket für Auftrag 4471 ist komplett. Freitagmorgen, 08:00 Uhr in der Kommissionierzone. Auf dem Bildschirm am Packplatz stehen zwei Zahlen nebeneinander. Die Einzelteile kosten zusammen 38 Euro im Einkauf. Die Kundschaft zahlt 64 Euro für das fertige Paket. 26 Euro Differenz. Welcher Lagerprozess rechtfertigt diesen Aufschlag?
Aus dem Bereich werterhaltende und wertsteigernde Güterbearbeitung weißt du, dass Konfektionieren den Warenwert steigert. Die Kommissionierung ist genau dieser Schritt in der Praxis: Aus losen Lagerartikeln entsteht ein verkaufsfertiges Produkt.
Drei Gründe, warum das Paket mehr wert ist
- Die Kundschaft spart Zeit: Statt vier Artikel einzeln zu suchen, zu bestellen und auf vier Lieferungen zu warten, kommt alles in einer Sendung. Eine Kfz-Werkstatt spart pro Inspektion 15 bis 20 Minuten Beschaffungsaufwand.
- Durch gezielte Sortimentsbildung stellt die Kommissionierung sicher, dass alle Teile zueinander passen. Falscher Ölfilter zum Motor? Passiert nicht, weil das Paket vorab abgestimmt ist.
- Das Paket liegt abrufbereit im Lager, die Lieferbereitschaft ist sofort gegeben. Die Werkstatt bestellt heute, bekommt morgen. Ohne Kommissionierung müsste sie jeden Artikel einzeln vorhalten oder warten.
Der Nutzenzuwachs in einem Satz: Die Kundschaft bekommt ein geprüftes, sofort einsetzbares Komplettpaket und spart Zeit, Aufwand und Fehlerrisiko.
🤔 Frage dich: Die Werkstatt zahlt 64 € (VK) für das Paket statt 38 € (Summe EK der Einzelteile). Wie erklärst du, warum dieser Aufpreis für sie trotzdem ein gutes Geschäft ist?
Was macht die Kommissionierung zum teuersten Lagerprozess?
Drei Kostentreiber unter der Lupe
Die Kommissionierung verschlingt in vielen Lägern 40 bis 60 Prozent der gesamten Lagerkosten. Drei Faktoren treiben diesen Anteil:
- Kommissionieren ist überwiegend Handarbeit. Jede Entnahme braucht eine Person, die den Artikel findet, greift und prüft. Die Personalintensität macht den größten Einzelposten aus.
- Bis zu zwei Drittel der Arbeitszeit entfallen auf Wegzeiten zwischen den Regalen. Nicht das Greifen kostet die meiste Zeit, sondern der Weg dorthin.
- Jeder falsch kommissionierte Artikel verursacht Retouren und Nachlieferungen. Eine Pick-Fehlerquote von 0,3 Prozent bei 10.000 Picks/Tag bedeutet ~30 fehlerhafte Picks; je nach Sendungsgröße (mehrere Picks pro Sendung) verteilen sich diese auf weniger als 30 Sendungen.
Für einen Logistikdienstleister heißt das: Jede Minute Wegzeit und jeder Fehlgriff drückt direkt auf die Marge. Wenn die 26 Euro Aufschlag aus Matteos Inspektionspaket fast komplett für Personalkosten und Fehlerkorrekturen draufgehen, bleibt kaum Gewinn.
Zwei Hebel für mehr Wettbewerbsfähigkeit
Pick-by-Voice (sprachgesteuerte Kommissionierung): Die kommissionierende Person trägt ein Headset und bekommt Lagerplatz und Menge angesagt. Beide Hände bleiben frei zum Greifen. Die Fehlerquote sinkt um bis zu 25 Prozent, weil Ablesen und Suchen auf Papierlisten entfallen. Gleichzeitig senken weniger Retouren und Nachlieferungen die Folgekosten.
Mehrstufige Kommissionierung: Mehrere Aufträge werden gleichzeitig auf einer Route durch das Lager gesammelt und erst danach auf Einzelaufträge verteilt. Die Wegzeit pro Auftrag sinkt drastisch, weil Regalbesuche gebündelt werden. Weniger Laufwege bedeuten mehr Picks pro Stunde bei gleichem Personaleinsatz.
Beide Ansätze zusammen sorgen dafür, dass von den 26 Euro Aufschlag genug Marge übrig bleibt und die Kundschaft trotzdem schneller und zuverlässiger beliefert wird.
Teste dein Wissen
Matteo stellt ein Kfz-Inspektionspaket zusammen: Einzelteile für 38 €, Verkaufspreis 64 €. Welcher Wertschöpfungsaspekt der Kommissionierung rechtfertigt den Aufschlag von 26 € primär?