Kommissionierzeiten: Bestandteile, Messung und Bewertung

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Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, die Bestandteile der Kommissionierzeit zu benennen ,

    indem die vier Komponenten Basiszeit, Wegzeit, Greifzeit und Totzeit aufgezählt und jeweils mit einem praxisnahen, nachvollziehbaren Beispiel aus dem realen Kommissionierablauf (z.B. Karton öffnen für Basiszeit, Fahrt zum Regalfach für Wegzeit) belegt werden.

  2. Du bist in der Lage, die Kommissionierleistung in Picks pro Stunde zu berechnen ,

    indem aus gegebener Schichtdauer und Anzahl abgearbeiteter Artikelpositionen (z.B. 400 Picks / 8 h) der korrekte Stundenwert ermittelt und auf den Vorgabewert bezogen wird.

  3. Du bist in der Lage, Abweichungen zwischen gemessener Greifzeit und Vorgabezeit aus dem Lagerverwaltungssystem zu analysieren ,

    indem mindestens drei mögliche Ursachen (z.B. Verpackungsart, Lagerplatzbeschaffenheit, Schulungsstand) identifiziert und der Anteil der Totzeit zur Greifzeit nachvollziehbar abgegrenzt wird.

Wo bleibt deine Zeit beim Kommissionieren?

310 statt 400: Aylins Montagmorgen-Analyse

Deine Schichtleiterin Aylin tippt auf den Bildschirm in der Kommissionierzone A. "310 Picks am Freitag. Soll waren 400." Montagvormittag, 09:30 Uhr, Schichtbesprechung. Du schaust auf die Zahlen. Du hast am Freitag durchgearbeitet, kaum Pause gemacht. Trotzdem fehlen 90 Positionen, die Spätschicht musste nacharbeiten.

Aus dem Bereich Kommissionierkontrolle weißt du, dass der Soll-Ist-Abgleich Mengenabweichungen aufdeckt. Jetzt geht es um einen anderen Abgleich: Soll gegen Ist bei der Zeit. Wo genau ist deine Arbeitszeit geblieben?

Fünf Bausteine der Kommissionierzeit

Die Kommissionierzeit setzt sich nach VDI 3590 aus fünf Bestandteilen zusammen:

  1. Basiszeit umfasst alles, was bei jedem Auftrag anfällt, unabhängig von der Artikelzahl - inklusive des Rüstens (Wagen vorbereiten, Wannen aufstellen, Scanner anmelden). Beispiel: Auftrag am Scanner aufrufen, Kommissionierwagen rüsten, Auftrag abschließen.
  2. Zwischen den Regalfächern entsteht Wegzeit. Beispiel: Fahrt mit dem Kommissionierwagen von Gang 3 zu Gang 7.
  3. Die Greifzeit beginnt, wenn du den richtigen Artikel identifiziert hast und ihn physisch entnimmst. Beispiel: Karton öffnen, drei Stück herausnehmen, in die Wanne legen.
  4. Alles, was weder produktiv noch geplant ist, zählt zur Totzeit. Beispiel: Barcode auf dem Karton suchen, auf einen blockierten Gang warten, falschen Lagerplatz anlaufen.
  5. Die Verteilzeit umfasst unproduktive, aber zulässige Zeitanteile aus sachlichen oder persönlichen Gründen: kurze Toilettengänge, Trinkpausen, Wartezeit auf Information vom Schichtleiter. Beispiel: 5 Minuten Pause zwischen zwei Touren.
🎬 Vorstellung: Geh im Kopf deinen letzten Kommissionierauftrag durch - vom Aufrufen am Scanner bis zum Abschluss. Welcher der fünf Zeitanteile hat bei dir am meisten Zeit beansprucht?

Wie viele Picks pro Stunde schaffst du wirklich?

Die Kennzahl: Picks pro Stunde

Aylin will die Freitagsleistung in eine vergleichbare Kennzahl umrechnen. Die zentrale Leistungsgröße in der Kommissionierung heißt Picks pro Stunde. Die Formel: Anzahl abgearbeiteter Artikelpositionen geteilt durch die Schichtdauer in Stunden.

🔮 Bevor du weiterliest: 310 Picks in einer 8-Stunden-Schicht. Wie viele Picks pro Stunde sind das - und wie weit liegt der Wert vom Soll (400 Picks pro Schicht) entfernt?

Ergebnis und Vorgabevergleich

310 ÷ 8 = 38,75. Knapp 39 Picks pro Stunde. Der Vorgabewert im Lagerverwaltungssystem liegt bei 50 Picks/h (400 ÷ 8). Deine tatsächliche Leistung liegt 22 % unter Soll.

Die Gesamtzahl zeigt das Problem, aber nicht die Ursache. Deshalb vergleicht Aylin einzelne Zeitkomponenten mit den hinterlegten Vorgabezeiten. Die Greifzeit für Kleinteile lag am Freitag bei durchschnittlich 18 Sekunden pro Pick. Die Vorgabe: 15 Sekunden. Das sind 3 Sekunden Differenz pro Entnahme. Bei 310 Picks summiert sich das auf über 15 Minuten.

Aber 15 Minuten erklären keine 90 fehlenden Picks. Die größere Lücke muss woanders stecken.

Wo stecken die fehlenden 90 Picks?

Drei Ursachen für Soll-Ist-Abweichungen

Zurück zu Aylins Analyse: 15 Minuten gehen auf die Greifzeit-Differenz. Wo steckt der Rest? Drei typische Ursachen für Abweichungen zwischen Soll und Ist:

  1. Verpackungsart: Großkartons mit Umverpackung brauchen länger zum Öffnen als Einzelentnahmen aus offenen Fächern. Das erhöht die Greifzeit über die Vorgabe.
  2. Lagerplatzbeschaffenheit: Unübersichtliche Fächer, falsch eingelagerte Ware oder fehlende Beschriftung zwingen zum Suchen. Diese Suchzeit zählt zur Totzeit, nicht zur Greifzeit. Greifzeit beginnt erst, wenn du den richtigen Artikel identifiziert hast und ihn physisch entnimmst.
  3. Schulungsstand: Wer die Lagerlogik und die Scanner-Funktionen noch nicht routiniert beherrscht, braucht bei jedem Pick zusätzliche Orientierungszeit.

Aylins Ergebnis: Totzeit war der Haupttreiber

Am Freitag liefen in deinem Bereich Umlagerungen. Drei Fächer in Gang 5 waren falsch bestückt. Jedes Mal hast du gesucht, den Scanner neu abgeglichen, den richtigen Platz gefunden. Pro Vorfall 3 bis 4 Minuten reine Totzeit. Bei drei Vorfällen: gut 10 Minuten. Zusammen mit der Greifzeit-Differenz von 15 Minuten und den regulären Pausen ergibt sich das Bild. Aylin notiert: "Hauptursache Freitag: Totzeit durch Umlagerungsfehler."

🤔 Frage dich: Du übernimmst nächste Woche eine neue Kommissionierzone mit doppelt so vielen Artikelvarianten. Welche der fünf Zeitkomponenten wird dort vermutlich am stärksten ansteigen - und was könntest du vorbeugend tun?
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