Kommissioniersysteme bewerten und kombinieren

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Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, ein kombiniertes Kommissioniersystem für einen Mischsortimenter zu entwerfen ,

    indem für mindestens drei Artikelgruppen (Schnelldreher, Langsamdreher, Großvolumiges) jeweils ein passendes System ausgewählt, die Schnittstellen zwischen statischen und dynamischen Lagerbereichen in einer beschrifteten Skizze mit Warenflussrichtung und mindestens zwei Übergabepunkten dargestellt und die Systemwahl mit je zwei Kriterien begründet wird.

  2. Du bist in der Lage, die Wirtschaftlichkeit der Investition in ein vollautomatisches Kommissioniersystem zu beurteilen ,

    indem anhand der täglichen Bestellmenge, Personalkosten und Amortisationsdauer eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt und darauf aufbauend eine begründete Empfehlung mit mindestens drei Pro- und zwei Contra-Argumenten formuliert wird.

  3. Du bist in der Lage, die Bewertungskriterien für Kommissioniersysteme zu analysieren ,

    indem mindestens sechs Kriterien wie Durchsatzleistung, Investitionskosten, Flexibilität, Fehlerquote, Skalierbarkeit und Personalbedarf systematisch auf zwei konkrete Lagerszenarien angewendet werden.

Warum reichen 200 Picks pro Stunde nicht?

"200 Picks, und trotzdem Rückstand?"

"200 Picks pro Stunde, und trotzdem schaffen wir die Aufträge nicht." Deine Teamleiterin Elif schiebt dir die Rückstandsliste über den Tisch. Donnerstagvormittag im Versandlager eines Elektronikhändlers. Du schaust auf deinen letzten Auftrag: zwei 65-Zoll-Fernseher aus dem Palettenregal, acht Speicherkarten aus dem AKL. Allein der Weg zum Palettenregal hat 15 Minuten gekostet.

Bis Weihnachten verdoppeln sich die Bestellungen. So schafft ihr die Lieferfristen nicht. Elif fragt: "Was müssen wir ändern?" Du merkst: Die 200 Picks kommen fast alle aus dem AKL. Die Fernseher aber bremsen den gesamten Ablauf.

Wo setzt die Systemauswahl an?

Aus der Praxis kennst du bereits den Unterschied zwischen statischer und dynamischer Lagerung. Hier setzt die Systemauswahl an. Im AKL (dynamisch, Ware zur Person) laufen die Speicherkarten automatisch zum Pickplatz. Im Palettenregal (statisch, Person zur Ware) läufst du selbst zum Artikel. Beide Prinzipien haben Stärken, aber für 3.000 verschiedene Artikel braucht ihr eine durchdachte Aufteilung.

Die Frage ist: Nach welchen Kriterien entscheidest du, welcher Artikel in welches System gehört?

🎬 Vorstellung: Stell dir den Weg vor, den du für die zwei Fernseher zurücklegst: vom Pickplatz durch drei Gänge zum Palettenregal, Gabelstapler anfordern, Palette herunternehmen, zurück zum Versandplatz. Und dann die acht Speicherkarten: ein Knopfdruck, der Behälter kommt zu dir.

Welche Kriterien entscheiden über das richtige System?

Sechs Bewertungskriterien

Sechs Kriterien helfen dir, Kommissioniersysteme systematisch zu vergleichen:

  1. Wie viele Picks schafft das System pro Stunde? Die Durchsatzleistung eines AKL liegt bei 300-600 Picks/h pro Pickplatz (siehe systems-dynamic-picking-systems); ein manuelles Palettenregal erreicht 30-80 Picks/h.
  2. Investitionskosten - Ein AKL kostet schnell 500.000 Euro aufwärts. Ein Fachbodenregal mit Kommissionierwagen liegt bei einem Bruchteil.
  3. Wie schnell passt sich das System an neue Artikelgrößen oder Sortimentswechsel an? Das misst die Flexibilität.
  4. Automatische Systeme mit Pick-by-Light drücken die Fehlerquote auf unter 0,1%. Manuelle Kommissionierung liegt bei 0,3-0,5%.
  5. Skalierbarkeit - Lässt sich das System bei steigendem Volumen erweitern, ohne alles umzubauen?
  6. Dynamische Systeme senken den Personalbedarf pro Pick, brauchen aber Fachkräfte für Wartung und IT.

Zwei Artikelgruppen, sechs Kriterien

Wende die Kriterien auf Elifs Problem an:

Speicherkarten (Schnelldreher, klein, leicht): 80 Bestellungen pro Tag. Das AKL passt, weil die hohe Durchsatzleistung gebraucht wird und die automatische Bereitstellung die Fehlerquote drückt. Die Investitionskosten rechnen sich über das Volumen.

65-Zoll-Fernseher (Langsamdreher, großvolumig, schwer): 5-10 Bestellungen pro Tag. Das Palettenregal passt, weil die Investitionskosten niedrig bleiben und wechselnde Modelle Flexibilität erfordern. Ein AKL wäre technisch kaum möglich, denn die Behälter sind für 65-Zoll-Kartons zu klein.

Der Kern: Nicht ein System für alles, sondern das richtige System für jede Artikelgruppe.

🔮 Bevor du weiterliest: Im Sortiment gibt es noch eine dritte Gruppe: mittelgroße Artikel wie Laptops und Drucker, 40-60 Bestellungen pro Tag. Welches System passt hier, und warum ist die Antwort nicht so eindeutig wie bei Speicherkarten oder Fernsehern?

Lohnt sich die Investition in Vollautomatik?

Kosten-Nutzen-Rechnung am Beispiel

Elif legt dir eine Kalkulation vor. Das AKL hat 600.000 Euro gekostet. Dafür spart es pro Jahr vier Vollzeitstellen in der Kommissionierung, zusammen rund 160.000 Euro Personalkosten. Gegenrechnung: Wartung, Energiekosten und IT-Betreuung kosten jährlich etwa 40.000 Euro.

Die Netto-Ersparnis liegt bei 120.000 Euro pro Jahr. Nach fünf Jahren hat sich das AKL refinanziert (600.000 ÷ 120.000 = 5,0 Jahre). Aber: Diese Rechnung gilt nur, wenn das Bestellvolumen stabil bleibt oder wächst. Sinken die Bestellungen um 30%, sinkt auch die jährliche Personalersparnis auf rund 84.000 Euro. Mit den weiterhin anfallenden 40.000 Euro Betriebskosten bleibt eine Netto-Ersparnis von etwa 84.000 Euro pro Jahr - die Amortisation verschiebt sich dadurch auf rund 7 Jahre (600.000 ÷ 84.000 ≈ 7,1).

Drei Argumente dafür, zwei dagegen

Argumente für ein vollautomatisches System:

  • Personalkosten sinken dauerhaft, besonders bei steigendem Mindestlohn
  • Die Fehlerquote fällt auf unter 0,1%, das bedeutet weniger Retouren und Nacharbeit
  • Bei wachsendem Volumen steigt die Ersparnis pro Pick weiter an

Argumente dagegen:

  • Hohe Anfangsinvestition bindet Kapital, das an anderer Stelle fehlt
  • Bei Störungen (Förderbandausfall, Softwarefehler) steht die gesamte Kommissionierung still. Ein manuelles System lässt sich mit Aushilfen weiterbetreiben
🧑‍🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst Elif, warum ein vollautomatisches System für den Elektronik-Versand trotz hoher Investition sinnvoll sein kann, aber für einen kleinen Büromöbelhändler mit 20 Bestellungen pro Tag nicht.

Wie sieht ein kombiniertes System in der Praxis aus?

Drei Zonen, drei Systeme

Für Elifs Elektronikhändler ergibt sich ein Drei-Zonen-Modell:

Zone A (Schnelldreher, klein): Speicherkarten, Kabel und Adapter im AKL. Behälter fahren automatisch zum zentralen Packplatz. Zwei Kriterien geben den Ausschlag: hohe Pickfrequenz und niedrige Fehlerquote durch automatische Bereitstellung.

Zone B (Mitteldreher, mittelgroß): Laptops, Drucker und Monitore im Fachbodenregal. Kommissionierende holen die Artikel per Wagen. Hier zählen Flexibilität bei wechselnden Modellen und überschaubare Investitionskosten.

Zone C (Langsamdreher, großvolumig): Fernseher und Waschmaschinen im Palettenregal, Entnahme per Gabelstapler. Die Artikel sind zu groß für AKL-Behälter, und die geringe Pickfrequenz macht Automatisierung unwirtschaftlich.

Zwei Übergabepunkte verbinden die Zonen: An Ü1 treffen AKL-Behälter am zentralen Packplatz ein. An Ü2 bringen Kommissionierende die Fachbodenregal-Artikel zum selben Packplatz. Großgeräte aus Zone C gehen direkt in den Versand.

Elifs Frage hat eine Antwort

Die 200 Picks pro Stunde reichen nicht, weil sie nur einen Teil des Sortiments abdecken. Die Lösung liegt nicht in einem einzigen System, sondern in der richtigen Kombination: Jede Artikelgruppe bekommt das System, das zu ihrer Größe, Pickfrequenz und Wirtschaftlichkeit passt. Der zentrale Packplatz bündelt alle Warenströme an einem Punkt, sodass ein Auftrag mit Speicherkarten und Fernseher trotzdem als ein Paket rausgeht.

📝 Fasse mental zusammen: Geh die drei Zonen des kombinierten Systems im Kopf durch: Welche Artikelgruppe gehört wohin, und welches Kriterium war jeweils ausschlaggebend?

Teste dein Wissen

Im Elektronikhändler-Lager dauert ein Weg zum Palettenregal 15 Minuten. Welches Bewertungskriterium erklärt, warum das AKL trotz gleicher Pick-Zahl effizienter arbeitet?

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