Warum passt die Rollenbahn nicht für 500 Kartons am Tag?
Vorschlag abgelehnt
Dein Vorschlag ist durchgefallen. Samstagnachmittag, 11:30 Uhr im Planungsbüro. Ab Montag kommen täglich 500 Kartons vom neuen Kunden, Strecke Wareneingang bis Hochregal: 120 Meter. Du hattest Rollenbahn vorgeschlagen. Aus dem Bereich Stetigförderer weißt du, dass Rollenbahnen bei geradem Verlauf und konstantem Durchsatz ihre Stärke ausspielen. Aber der Hallenplan zeigt drei Kurven und zwei Meter Höhenunterschied. Dafür ist eine starre Rollenbahn nicht gebaut. Deine Teamleitung hat den Vorschlag abgelehnt. Jetzt stehen noch vier Optionen im Raum: Handhubwagen, Elektroameise, Schubmaststapler und ein gebrauchtes fahrerloses Transportsystem (FTS). Bis Montag brauchst du eine begründete Empfehlung. Falsche Wahl kostet entweder 40.000 Euro für ein überdimensioniertes System oder erzwingt teure Leiharbeit, weil der Transport per Hand nicht hinterherkommt.
Vier Kriterien für die Auswahl
Welche Kriterien helfen dir, aus den vier Optionen die richtige zu finden?
- Güterart: Gewicht, Maße, Empfindlichkeit. Deine Kartons wiegen je 12 kg, sind unempfindlich und lassen sich zu 20 Stück auf eine Palette packen.
- Strecke und Layout: 120 Meter mit drei Kurven und zwei Metern Höhenunterschied. Das verlangt ein lenkbares oder spurgeführtes Gerät.
- Die Transporthäufigkeit: 500 Kartons pro Tag bei einer Acht-Stunden-Schicht sind rund 25 Paletten. Ein Gerät, das pro Fahrt nur Einzelstücke bewegt, kommt kaum hinterher.
- Vorhandene Infrastruktur: Gangbreite, Bodenbeschaffenheit, Ladestationen.
Der Handhubwagen fällt sofort raus: 120 Meter Strecke und 25 Paletten pro Tag sind manuell nicht zu schaffen. Bleiben drei Kandidaten.
🎬 Vorstellung: Geh im Kopf die 120 Meter vom Wareneingang zum Hochregal ab. Erste Kurve nach 30 Metern, dann die Rampe mit zwei Metern Steigung, danach zwei weitere Kurven. Welches der drei verbliebenen Geräte würdest du auf dieser Strecke am liebsten steuern?
Welches Fördermittel gewinnt in der Entscheidungsmatrix?
Drei Kandidaten im gewichteten Vergleich
Um die drei Kandidaten systematisch zu vergleichen, baust du eine Entscheidungsmatrix mit gewichteten Kriterien.
Bei der Güterart (20 % Gewicht) gibt es keinen Unterschied: Alle drei Geräte transportieren palettierte 12-kg-Kartons problemlos.
Die Wegstrecke (30 %) macht den Unterschied. Die Elektroameise ist lenkbar, schafft aber die Rampe nur langsam und unter hoher Belastung. Der Schubmaststapler bewältigt Steigungen mit seinem Fahrprogramm. Das FTS navigiert Kurven und Rampe autonom per Lasernavigation.
Bei der Transporthäufigkeit (30 %) wird der Abstand größer. 25 Paletten pro Tag über 120 Meter: Die Elektroameise braucht dafür eine Fachkraft über fast sechs Stunden. Der Schubmaststapler erledigt das in rund drei Stunden. Das FTS arbeitet ohne Fahrpersonal, die Fachkraft übernimmt in der Zeit andere Aufgaben.
Die Investitionskosten (20 %): Elektroameise ca. 8.000 Euro, Schubmaststapler ca. 35.000 Euro, gebrauchtes FTS ca. 45.000 Euro.
Ergebnis: Zwei Finalisten
Die Elektroameise punktet nur bei den Kosten, verliert aber bei Wegstrecke und Frequenz. Für 500 Kartons täglich über 120 Meter mit Steigungen reicht sie nicht.
Schubmaststapler und FTS liegen in der Matrix fast gleichauf. Der Schubmaststapler kostet weniger in der Anschaffung. Das FTS spart Personalkosten, ist aber 10.000 Euro teurer. Welches System langfristig günstiger ist, klärt der nächste Schritt.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Stell dir vor, du erklärst einem neuen Teammitglied, warum die Elektroameise bei diesem Szenario ausscheidet, obwohl sie am günstigsten ist.
Lohnt sich das teurere System langfristig?
Investition, Betriebskosten und CO2 im Vergleich
Jetzt stellst du Schubmaststapler und FTS in drei Kategorien gegenüber.
Die Investitionskosten liegen bei 35.000 Euro (Schubmaststapler) gegenüber 45.000 Euro (gebrauchtes FTS). Differenz: 10.000 Euro.
Bei den jährlichen Betriebskosten zeigt sich der entscheidende Unterschied. Der Schubmaststapler braucht eine Fachkraft im Dauereinsatz: ca. 35.000 Euro Personalkosten pro Jahr plus 3.000 Euro für Energie und Wartung. Das FTS läuft ohne Fahrpersonal: nur ca. 6.000 Euro für Energie und Wartung. Jährliche Ersparnis: rund 32.000 Euro.
Auch die CO2-Bilanz spricht für das FTS. Beide Geräte laufen elektrisch, aber das FTS fährt optimierte Routen ohne Leerfahrten und verbraucht ca. 30 % weniger Energie pro Palette.
Dein Vorschlag am Montag
Die 10.000 Euro Mehrinvestition sind nach weniger als vier Monaten durch die eingesparten Personalkosten ausgeglichen. Am Montag legst du deiner Teamleitung die Empfehlung vor: gebrauchtes FTS, Amortisation in vier Monaten, 30 % weniger Energieverbrauch. Die Rollenbahn von Samstag war der richtige Denkansatz für hohen Durchsatz, aber das falsche Gerät für die Hallengeometrie. Die Entscheidungsmatrix hat dir gezeigt, dass kein einzelnes Kriterium allein entscheidet.
🤔 Frage dich: Neues Szenario: Dein Betrieb bekommt einen zweiten Kunden. 80 Kartons pro Tag, Strecke nur 25 Meter, keine Kurven, kein Höhenunterschied. Würdest du wieder das FTS empfehlen, oder greifst du auf ein anderes Fördermittel zurück?
Teste dein Wissen
120 Meter, drei Kurven, 2 m Höhenunterschied, 500 Kartons täglich. Die Rollenbahn wurde abgelehnt. Welches Fördermittel eignet sich für diese Route am besten?