Ursachen für niedrige Umschlagshäufigkeit analysieren

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Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, Ladenhüter (Dead Stock) anhand einer Kennzahlen-Auswertung zu analysieren ,

    indem aus einer Liste von zehn Artikeln anhand von Umschlagshäufigkeit, Lagerdauer und letztem Abgangsdatum mindestens drei Ladenhüter korrekt identifiziert und ihre Klassifikation schriftlich begründet wird.

  2. Du bist in der Lage, Maßnahmen zur Reaktion auf eine auf 0,5 gesunkene Umschlagshäufigkeit eines Elektronikartikels zu beurteilen ,

    indem mindestens drei Optionen (Rabattaktion, Bündelangebot, Verschrottung) hinsichtlich Erlös, Kapitalfreisetzung und Imagewirkung verglichen und eine begründete Empfehlung gegeben wird.

  3. Du bist in der Lage, die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit einer niedrigen Umschlagshäufigkeit bei strategischen Ersatzteilen zu bewerten ,

    indem an einem Praxisfall die Kosten eines Produktionsausfalls den Kapitalbindungskosten der Bevorratung gegenübergestellt und die Lagerstrategie begründet werden.

38.000 Euro gebundenes Kapital - welche Artikel müssen raus?

Ahmeds Quartalsauswertung

38.000 Euro Kapital stecken in Elektronikartikeln, die sich kaum bewegen. Ahmed zieht die Quartalsauswertung aus dem Drucker. Donnerstagnachmittag, 15:00 Uhr, Dispositionsbüro. Seine Teamleiterin tippt auf die erste Zeile: "Acht Artikel haben eine Umschlagshäufigkeit unter 1,0. Zwei liegen bei 0,3. Bis morgen brauche ich deinen Vorschlag, was raus muss."

Ahmed scrollt die Liste durch. Die Bestände hat er gegen die letzte Inventur abgeglichen, Buchungsfehler scheiden als Ursache aus. Zwischen veralteten Steckverbindern und unverkauften LED-Modulen stehen auch Ersatzplatinen für die Fördertechnik. Die werden selten bewegt, aber ohne sie steht bei der nächsten Störung die Anlage still.

Umschlagshäufigkeit berechnen klärt die Zahl, Kapitalbindung zeigt die Folge. Jetzt geht es um die Entscheidung: Welcher Artikel ist ein echter Ladenhüter und welcher muss trotzdem bleiben?

Drei Kennzahlen entlarven Dead Stock

Eine niedrige Umschlagshäufigkeit allein reicht nicht, um einen Artikel als Dead Stock (Ladenhüter) einzustufen. Drei Kennzahlen zusammen ergeben ein verlässliches Bild:

  1. Umschlagshäufigkeit unter 1,0 - weniger als ein kompletter Umsatz pro Jahr
  2. Durchschnittliche Lagerdauer über 365 Tage
  3. Letztes Abgangsdatum mehr als 6 Monate zurück

Erst wenn mindestens zwei dieser drei Kriterien zutreffen, ist ein Artikel Dead Stock. Ein Artikel mit UH 0,8 und regelmäßigen Abgängen alle zwei Monate ist dagegen ein Langsamdreher, kein Ladenhüter.

⚖️ Vergleich im Kopf: Ein Artikel mit UH 0,5 und letztem Abgang vor 2 Wochen gegenüber einem Artikel mit UH 0,5 und letztem Abgang vor 9 Monaten - warum ist nur einer davon Dead Stock?

Welche Maßnahme passt zu welchem Ladenhüter?

Drei Optionen im Vergleich

Ahmed hat fünf echte Ladenhüter identifiziert. Für jeden braucht er eine Empfehlung. Drei Optionen stehen zur Wahl:

Über eine Rabattaktion lässt sich der Artikel mit 30-70% des Einkaufspreises abverkaufen. Das setzt Kapital schnell frei, funktioniert aber nur bei Artikeln mit Restnachfrage.

Beim Bündelangebot wird der Ladenhüter mit einem gut laufenden Produkt als Paket kombiniert. Der Erlös ist höher, weil der Hauptartikel den Preis stützt. Nach außen wirkt das als Mehrwert statt als Ausverkauf.

Bleibt die Verschrottung: kein Erlös, dafür sofortige Freisetzung von Lagerplatz und Verwaltungskapazität. Nur sinnvoll für Artikel, die niemand mehr kauft. Hinweis bei Elektronik: ElektroG-pflichtige Geräte können beim Recycling 5-15 % Werterlös bringen; bei reiner Verschrottung können steuerlich außerplanmäßige Abschreibungen geltend gemacht werden (§253 HGB).

Ahmeds LED-Module: Welche Maßnahme passt?

Ahmeds LED-Module (Artikelnummer E-2041): UH 0,5, Lagerdauer 14 Monate, letzter Abgang vor 8 Monaten. Zwei von drei Dead-Stock-Kriterien treffen zu. Gleichzeitig hat ein Elektronik-Großhändler vor drei Monaten nach genau diesen Modulen gefragt. Der Markt existiert also noch. Welche der drei Maßnahmen passt hier?

🧑‍🏫 Erkläre es im Kopf: Erkläre jemandem ohne Lager-Erfahrung in je einem Satz, wann eine Rabattaktion sinnvoll ist und wann nur noch Verschrottung bleibt.

Muss wirklich alles raus?

Warum manche Artikel trotz niedriger UH bleiben müssen

Ahmed empfiehlt für die LED-Module die Rabattaktion. Verschrottung hätte funktionierenden Warenwert vernichtet, für ein Bündelangebot fehlt ein passendes Hauptprodukt. 30-50% des Einkaufspreises lassen sich so zurückholen.

Aber was ist mit den Ersatzplatinen für die Fördertechnik? Die Zahlen sprechen Dead-Stock-Sprache: UH 0,3, Lagerdauer 18 Monate, letzter Abgang vor 11 Monaten. Trotzdem wäre Verschrottung ein teurer Fehler.

Vier Platinen liegen im Regal, je 1.200 Euro: 4.800 Euro gebundenes Kapital (Warenwert). Daraus entstehen Kapitalbindungskosten über den kalkulatorischen Zinssatz: bei 8 % pro Jahr sind das 4.800 × 0,08 = 384 Euro pro Jahr.

Ein Ausfall der Fördertechnik ohne Ersatzteil kostet dagegen 2.500 Euro pro Stunde Produktionsstillstand. Lieferzeit für eine neue Platine: 6 Wochen. Rechne nach: 384 € Jahres-Kapitalbindungskosten geteilt durch 2.500 €/h sind rund 9 Minuten - schon nach knapp einer Viertelstunde Stillstand übersteigen die Ausfallkosten das, was die Bevorratung in einem ganzen Jahr an Zinskosten verursacht. Bei strategischen Ersatzteilen ist eine niedrige Umschlagshäufigkeit kein Problem, sondern gewollte Absicherung.

Ahmeds Entscheidung

Von acht Artikeln mit UH unter 1,0 sind fünf echte Ladenhüter. Drei gehen in die Rabattaktion, zwei werden verschrottet. Die Ersatzplatinen bleiben im Bestand, bewusst und begründet. Ahmed legt seiner Teamleiterin am Freitagmorgen eine saubere Entscheidungsvorlage hin: Jeder Artikel mit Kennzahlen, Begründung und empfohlener Maßnahme. Kein Kapital unnötig gebunden, keine kritischen Teile entsorgt.

🤔 Frage dich: Wie würdest du vorgehen, wenn in deinem Lager ein Artikel mit UH 0,4 auftaucht, der als Ersatzteil für eine Maschine dient, die nur einmal im Jahr gewartet wird?

Teste dein Wissen

Ahmed stellt fest: Artikel A7 (Steckverbinder) hat eine Umschlagshäufigkeit von 0,3 und liegt seit 14 Monaten unberührt. Welche Schlussfolgerung ist fachlich korrekt?

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