Was machst du mit 120 Bechern, die übermorgen ablaufen?
120 Becher hinter frischer Ware
Du pickst gerade 240 Becher Naturjoghurt für einen Supermarkt-Auftrag. Kühllager, +4 °C. Deine Kollegin Carla hat dir die Kommissionierliste übergeben. Du greifst zur vorderen Reihe: MHD 18. Juli. Dann fällt dein Blick auf die Reihe dahinter - 120 Becher mit MHD übermorgen. Jemand hat neue Ware vor die alte gestellt.
Auch bei verderblichen Gütern reicht korrekte Kühlung allein nicht aus. Selbst bei lückenloser Kühlkette nützt die beste Temperatur nichts, wenn die Ware nicht rechtzeitig rausgeht. Gehen die 120 Becher nicht heute raus, sind sie Abschreibung: 150 Euro plus Entsorgungskosten. Welcher Einlagerungsfehler steckt dahinter?
FIFO: Kürzestes MHD zuerst raus
Das FIFO-Prinzip (First In, First Out) löst genau dieses Problem: Ware, die zuerst eingelagert wurde, wird zuerst entnommen. Bei MHD-sensiblen Produkten heißt das konkret: kürzestes MHD geht zuerst raus.
Für die 5 Chargen im Regal ergibt sich diese Entnahmereihenfolge:
- MHD 15. Juli - sofort kommissionieren
- MHD 16. Juli
- MHD 17. Juli
- MHD 18. Juli
- MHD 20. Juli - zuletzt
Neue Ware wird immer hinten eingelagert, Entnahme erfolgt vorn. So rutscht die älteste Charge automatisch nach vorn.
🔮 Bevor du weiterliest: Die 120 Becher mit MHD übermorgen kannst du jetzt nach vorn räumen und als Erstes kommissionieren. Aber reicht das - oder musst du noch etwas anderes tun, bevor du weiterpickst?
Was tust du, wenn das MHD bereits abgelaufen ist?
Abgelaufene Ware aus dem Verkehr ziehen
Zurück zum Joghurt-Fall. Die 120 Becher mit MHD übermorgen kannst du noch retten - sofort kommissionieren und ausliefern. Aber was, wenn du Becher findest, deren MHD bereits abgelaufen ist? Dann reicht Umräumen nicht. Vier Schritte sind Pflicht, in genau dieser Reihenfolge:
Das MHD ist das Mindesthaltbarkeitsdatum, nicht der Verfallszeitpunkt. Lebensmittel nach MHD-Ablauf sind nicht automatisch verdorben; sie können nach Sichtprüfung weiterverkauft, gespendet (Tafel) oder ggf. mit Preisreduktion angeboten werden. Verbrauchsdatum (auf leicht verderblichen Lebensmitteln nach LMIV Anhang X) ist hingegen verbindlich - danach Verzehr verboten.
- Sperren - Ware sofort aus dem Zugriff nehmen und auf eine separate Fläche im Sperrbereich stellen.
- Rotes Sperretikett aufkleben mit Grund ("MHD abgelaufen"), Datum und deinem Kürzel.
- Im LVS dokumentieren: Bestandsstatus von "verfügbar" auf "gesperrt" ändern, MHD und Chargennummer eintragen.
- Nach Vorschrift entsorgen: Lebensmittel dürfen nicht in den Restmüll. Pflanzliche Lebensmittel (z.B. Müsli, Brot) gehen als verpackter Bioabfall in die getrennte Sammlung nach § 3 Abs. 1 Nr. 7 GewAbfV. Tierische Lebensmittel (Joghurt, Käse, Wurst, Milch) sind Material der Kategorie 3 nach VO (EG) Nr. 1069/2009: Abholung erfolgt durch einen zugelassenen Kat-3-Sammler, jede Tour wird mit einem Handelspapier (Begleitschein mit Erzeuger-, Beförderer- und Verarbeiter-Zulassungsnummer) dokumentiert.
Überspringst du einen Schritt, kann gesperrte Ware versehentlich wieder ins Regal gelangen.
Warum das MHD schon beim Wareneingang ins System gehört
Die 120 Becher mit MHD übermorgen wären gar nicht hinter frischer Ware gelandet, wenn das MHD beim Wareneingang korrekt im Lagerverwaltungssystem erfasst worden wäre. Drei Folgewirkungen machen diesen Schritt unverzichtbar:
- FIFO-Steuerung: Das LVS sortiert Kommissionieraufträge automatisch nach MHD. Ohne Eintrag greift das System zur erstbesten Charge, egal wie alt.
- Bei Kundenreklamationen ermöglicht das MHD im System die Reklamationsbearbeitung: Die betroffene Charge lässt sich zurückverfolgen. Ohne Eintrag fehlt die Spur.
- Für die Bestandsbewertung warnt das System, wenn Chargen ihr MHD bald erreichen. So lassen sich rechtzeitig Sonderaktionen anstoßen - statt 150 Euro abzuschreiben.