Wer sind Stakeholder und wie steuerst du sie im Projekt?
Das Konzept der Stakeholder-Analyse
Stell dir vor, du führst ein neues Ticketsystem ein. Technisch läuft alles einwandfrei, aber du hast vergessen, die Personalvertretung (z. B. den Betriebsrat) frühzeitig einzubinden. Diese hat Bedenken bezüglich der Leistungsüberwachung der Mitarbeitenden und stoppt das Projekt kurz vor dem Go-Live.
Um genau solche Risiken zu vermeiden, nutzt du die Stakeholder-Analyse. In jedem IT-Projekt gibt es Personen oder Gruppen, die ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis haben oder direkt davon betroffen sind – die sogenannten Stakeholder. Die Analyse ist der systematische Prozess, diese Akteure zu identifizieren, ihre Ziele zu verstehen und ihren Einfluss zu bewerten. Sie bildet das unverzichtbare Fundament für das gesamte Stakeholder-Management.
Stakeholder klassifizieren: Intern vs. Extern
Um niemanden zu übersehen, teilst du Stakeholder zunächst anhand ihrer Zugehörigkeit zur Organisation in zwei Hauptgruppen ein:
- Interne Stakeholder: Sie sind Teil deines eigenen Unternehmens oder der Projektorganisation. Beispiele sind die Geschäftsführung (erwartet die Einhaltung des Budgets), die IT-Abteilung (muss den späteren Betrieb sicherstellen) oder das Entwicklungsteam selbst.
- Externe Stakeholder: Sie stehen außerhalb der Organisation, haben aber Anforderungen an das Projekt oder werden davon beeinflusst. Beispiele sind Kund:innen (wollen ein funktionierendes Produkt), Liefernde (wie Cloud-Provider), Behörden (fordern die Einhaltung der DSGVO) oder Anwohnende (bei Bauprojekten für neue Rechenzentren).
Nach dieser Identifikation bewertest du für jede Gruppe, wie viel Macht (Einfluss) und welches Interesse sie am Projekt haben.
Strategien ableiten: Die Macht-Interessen-Matrix
Nicht alle Stakeholder sind für den Projekterfolg gleich entscheidend. Um deine Ressourcen effizient einzusetzen, positionierst du sie in einer Macht-Interessen-Matrix. Diese teilt die Akteure anhand ihrer Macht und ihres Interesses in vier Quadranten ein, aus denen du konkrete Kommunikationsstrategien ableitest:
- Monitor (geringes Interesse, geringe Macht): Diese Gruppe erfordert minimalen Aufwand. Deine Strategie ist das Überwachen. Es reicht, sie im Auge zu behalten, falls sich ihr Status ändert (z. B. ein Zulieferbetrieb für Standard-Büromaterial).
- Keep Informed (hohes Interesse, geringe Macht): Diese Personen haben keine Entscheidungsbefugnis, können aber wertvolle Verbündete sein. Deine Strategie ist das Informieren. Halte sie mit regelmäßigen Updates auf dem Laufenden (z. B. die späteren Endanwendenden der Software).
- Keep Satisfied (geringes Interesse, hohe Macht): Diese Stakeholder sind kritisch. Sie bringen sich kaum aktiv ein, können das Projekt aber stoppen. Deine Strategie ist das Zufriedenstellen. Erfülle ihre Anforderungen, ohne sie mit Details zu überfluten (z. B. Datenschutzbeauftragte).
- Key Player (hohes Interesse, hohe Macht): Dies sind die wichtigsten Akteure. Deine Strategie ist die enge Kooperation. Binde sie intensiv in Entscheidungen ein und steuere ihre Erwartungen aktiv (z. B. die Auftraggebenden oder die Leitung der Fachabteilung).
Teste dein Wissen
Du leitest die Einführung einer neuen CRM-Software. Bevor du Anforderungen sammelst, führst du eine Stakeholder-Analyse durch. Welches primäre Ziel verfolgst du damit?