Warum kosten drei Lkw-Fahrten 12.000 Euro mehr als nötig?
12.000 Euro Mehrkosten in einem Quartal
12.000 Euro Mehrkosten und eine verfehlte CO2-Bilanz in einem Quartal. Phong, dein Kollege in der Disposition, findet den Grund Donnerstagvormittag um 9 Uhr auf seinem Bildschirm: Sein Vorgänger hat drei Großaufträge komplett per Lkw abgewickelt. 600 Tonnen Stahlrohre nach Göteborg (1.200 km), eine Eilpalette Ersatzteile nach Wien (700 km), zehn Container Konsumgüter nach Rotterdam (400 km).
Bei den Stahlrohren denkt Phong sofort an die Schiene: hohe Kapazität, rund 80 % weniger CO2 als der Lkw (ca. 17 vs. 80 g CO2/tkm, UBA TREMOD 2023). Die Container nach Rotterdam? Per Binnenschiff wäre naheliegend. Trotzdem stand auf jeder Auftragszeile nur "Lkw". Welche Kriterien hätte sein Vorgänger systematisch abwägen müssen?
Fünf Kriterien für die Verkehrsträgerwahl
Die Wahl des Verkehrsträgers hängt an fünf Kriterien:
- Frachtpreis pro Tonne oder Sendung, also die Kosten inklusive Umschlag und Versicherung
- Transportdauer von Rampe zu Rampe, nicht nur die reine Fahrzeit
- Direkte Zustellung oder Umschlag nötig? Das misst die Flexibilität
- Wie viel Ladung ein Transportmittel pro Fahrt fasst, also die Kapazität
- CO2-Ausstoß pro Tonnenkilometer als Maß für die Umweltbelastung
Kein Verkehrsträger gewinnt in allen fünf Kriterien gleichzeitig. Genau deshalb reicht es nicht, pauschal den Lkw zu buchen.
🎬 Vorstellung: Du sitzt an Phongs Bildschirm und siehst die drei offenen Aufträge: 600 Tonnen Stahlrohre, eine Eilpalette, zehn Container. Welches Kriterium springt dir bei welchem Auftrag als Erstes ins Auge?
Wie schneiden die fünf Verkehrsträger im direkten Vergleich ab?
Stärken und Schwächen auf einen Blick
Um Phongs drei Aufträge richtig zu disponieren, hilft der systematische Vergleich:
Die Rohrleitung als fünfter Verkehrsträger transportiert ausschließlich Flüssigkeiten und Gase (Erdöl, Erdgas) über feste Leitungsnetze. Für Phongs Aufträge kommt sie nicht in Frage.
Wo liegen die entscheidenden Zielkonflikte?
Zwei Muster fallen in der Matrix auf:
Kosten gegen Geschwindigkeit: Luftfracht ist pro Tonnenkilometer typisch 10- bis 30-mal teurer als Straßentransport (Branchen-Spannweite je nach Volumengewicht und Strecke). Dafür ist die Sendung in Stunden statt Tagen am Ziel. Wenn ein Produktionsstopp 8.000 Euro pro Tag kostet, rechnet sich selbst teure Luftfracht schnell.
Kapazität gegen Flexibilität: Ein Großmotorgüterschiff (110 m) fasst bei dreilagiger Beladung rund 150 TEU - das entspricht etwa 150 Lkw-Ladungen - braucht aber einen Hafen als Umschlagpunkt. Der Lkw bringt nur einen Container, fährt dafür direkt vor die Rampe. Bei kleinen Mengen gewinnt die Flexibilität, bei großen Mengen die Kapazität.
🔮 Bevor du weiterliest: Phongs Vorgänger hat die 600 Tonnen Stahlrohre per Lkw nach Göteborg geschickt - 1.200 km Straße. Welcher Verkehrsträger wäre günstiger und CO2-ärmer gewesen?
Welcher Verkehrsträger passt zu welcher Transportaufgabe?
Drei Fälle, drei Entscheidungen
Jetzt wendest du die fünf Kriterien auf konkrete Transportaufgaben an.
Fall 1 - Temperaturempfindliche Pharmaware: 200 kg Impfstoff von Frankfurt nach Mailand, Temperaturbereich 2-8°C, maximale Transportdauer 48 Stunden. Obwohl Luftfracht dreimal so viel kostet wie die Bahn, ist sie hier richtig. Die Geschwindigkeit sichert die Kühlkette (6 Stunden statt 2 Tage). Die hohe Wertdichte des Impfstoffs (oft über 50.000 Euro pro kg) relativiert die Frachtkosten. Und das Verderblichkeitsrisiko bei längerer Transportdauer übersteigt jeden Kostenvorteil.
Fall 2 - CO2-arme Sendung Hamburg nach Rotterdam: Zehn Container Konsumgüter, 400 km entlang der Wasserstraßen, keine Eile. Das Binnenschiff gewinnt in drei Kriterien: niedrigere Kosten pro Tonnenkilometer, rund 61 % weniger CO2 als der Lkw (ca. 31 vs. 80 g/tkm) und genug Kapazität für zehn Container auf einer Fahrt.
Fall 3 - Massengut über Langstrecke: 600 Tonnen Stahlrohre nach Göteborg, 1.200 km. Die Schiene überzeugt: ein Ganzzug (typisch 500-1.500 t Nutzlast) deckt die Menge ab, niedrige Kosten auf langen Strecken, rund 80 % weniger CO2 als der Lkw.
Wann der Lkw die beste Wahl bleibt
Nicht jeder Fall spricht gegen den Lkw. Phongs Eilpalette nach Wien muss bis morgen früh ankommen, 700 km Strecke. Hier punktet der Lkw: direkte Abholung im Werk, keine Umschlagpunkte, Lieferung an die Empfangsrampe. Kein anderer Verkehrsträger bietet diesen Haus-zu-Haus-Service bei gleichzeitiger Geschwindigkeit.
Die Entscheidung hängt also nie an einem einzelnen Kriterium, sondern am Zusammenspiel aller fünf.
🧑🏫 Erkläre es im Kopf: Formuliere eine WhatsApp-Nachricht an deine Kollegin, die unsicher ist, warum das Pharmaunternehmen trotz dreifacher Kosten die Luftfracht wählt - wie formulierst du das in zwei Sätzen?
Was bringt es, Verkehrsträger zu kombinieren?
Vor-, Haupt- und Nachlauf für die Stahlrohre
Die Schiene ist für die Stahlrohre günstiger und CO2-ärmer. Aber Schienengüterverkehr endet am Güterbahnhof, nicht an der Empfangsrampe. Phong plant deshalb einen kombinierten Verkehr mit drei Abschnitten:
- Vorlauf (Lkw, 30 km): Vom Werk zum nächsten Güterbahnhof. Die Flexibilität des Lkw deckt die erste Meile ab.
- Hauptlauf (Schiene, 1.150 km): Der Ganzzug übernimmt die lange Strecke. Hohe Kapazität, niedrige Kosten, rund 80 % weniger CO2 als der Lkw.
- Nachlauf (Lkw, 20 km): Vom Göteborg Terminal zum Empfänger. Wieder Haus-zu-Haus per Lkw.
Drei messbare Vorteile gegenüber dem reinen Lkw-Transport: Nur 50 statt 1.200 km laufen über die Straße. Der CO2-Ausstoß sinkt um rund 70%. Und die Frachtkosten pro Tonnenkilometer fallen auf der Schiene deutlich niedriger aus als auf der Straße.
Phongs neuer Transportplan
Phong hat alle drei Sendungen neu disponiert. Die Stahlrohre fahren kombiniert per Schiene und Lkw. Die Container nach Rotterdam gehen per Binnenschiff. Nur die Eilpalette nach Wien bleibt beim Lkw. Ergebnis: 12.000 Euro gespart, CO2-Ziel fürs Quartal erreicht.
🤔 Frage dich: Warum lohnt sich der kombinierte Verkehr für die Stahlrohre nach Göteborg, aber nicht für die Eilpalette nach Wien - welche Kriterien machen den Unterschied?
Teste dein Wissen
Phong analysiert den Fehler seines Vorgängers: 600 Tonnen Stahlrohre nach Göteborg (1.200 km) wurden per Lkw transportiert. Welches Kriterium spricht am stärksten für die Schiene als Alternative?