Lernfeld 6: Güter verpacken

Verpackungsmaschinen und Werkzeuge

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Verpackungsmaschinen und Werkzeuge

Wie stellst du die Umreifungsmaschine richtig ein, ohne die Ware zu beschädigen?

Das Problem: Falsche Spannung, kaputter Karton

Was passiert, wenn 40 Kartons mit Keramikvasen zerdrückt beim Paketdienst ankommen? Du stehst Donnerstagvormittag um 11:15 Uhr im Verpackungsbereich. Die Umreifungsmaschine brummt im Leerlauf. Dein Auftrag: 40 Kartons mit Keramikvasen für den Versand umreifen. Das Problem: Dein Kollege hat gestern schwere Getriebeteile umreift und die Maschine nicht zurückgestellt. Beim ersten Testkarton drückt das Band den Karton sichtbar ein, der Deckel wölbt sich nach innen. Um 12 Uhr kommt die Abholung.

Bei falscher Spannung gehen die Vasen im Karton zu Bruch. 40 Kartons Ausschuss bedeuten rund 1.200 Euro Warenschaden und eine verspätete Kundenlieferung.

Vorwissen als Ausgangspunkt

Beim Thema Packhilfsmittel hast du gesehen, dass Kantenschutzwinkel und Polstermaterial die Ware im Karton schützen. Aber selbst das beste Polster hilft nichts, wenn das Umreifungsband den Karton zusammenpresst. Und beim Thema Arbeitssicherheit hast du gelernt, dass vor jeder Maschinennutzung eine Sicherheitsprüfung nötig ist. Beides kommt jetzt zusammen: Du brauchst die richtige Spanngewichtseinstellung, damit das Band hält, ohne zu zerstören.

Spanngewicht einstellen: Schritt für Schritt

Die drei Faktoren für die richtige Einstellung

Das Spanngewicht (auch Bandspannung) bestimmt, wie fest das Umreifungsband um das Packgut gezogen wird. Drei Faktoren bestimmen die richtige Einstellung:

  1. Packgutstabilität: Wie viel Druck hält das Gut aus? Keramikvasen im Karton vertragen wenig, Getriebeteile in Holzkisten vertragen viel.
  2. Verpackungsmaterial: Ein Wellpappkarton gibt schneller nach als eine Holzkiste. Die Kantenstauchfestigkeit des Packmittels begrenzt die maximale Spannung.
  3. Bandbreite und Bandmaterial: Breitere Bänder verteilen die Kraft besser. PP-Band (Polypropylen) dehnt sich leicht, PET-Band hält fester.

So löst du das Vasen-Problem

Zurück zu deinen 40 Kartons mit Keramikvasen. So gehst du vor:

  1. Sicherheitsprüfung durchführen (Not-Aus testen, Bandführung prüfen).
  2. Spanngewicht reduzieren: Den Regler von der Getriebeteil-Einstellung (ca. 50 N) auf 15-25 N herunterdrehen. Viele Maschinen haben eine Skala am Drehknopf oder ein digitales Display.
  3. Testlauf mit leerem Karton: Einen Karton ohne Ware umreifen. Das Band muss straff anliegen, aber der Karton darf sich nicht verformen.
  4. Testlauf mit befülltem Karton: Jetzt einen Karton mit Vasen (inklusive Polstermaterial) testen. Prüfe: Sitzt das Band fest? Lässt sich der Karton noch leicht anheben, ohne dass das Band rutscht?
  5. Freigabe: Erst wenn zwei Testkartons bestanden sind, die Serie starten.

Welche Maschine kommt in welchem Prozessschritt zum Einsatz?

Der Verpackungsprozess in vier Stationen

Die Umreifungsmaschine ist nur eine von mehreren Maschinen im Verpackungsprozess. Vier Maschinentypen greifen in einer typischen Verpackungslinie ineinander:

  1. Kartonaufrichter: Formt flache Kartonzuschnitte zu offenen Kartons. Spart Zeit bei hohen Stückzahlen, weil das manuelle Falten und Kleben entfällt.
  2. Füllmaschine: Befüllt den Karton mit der Ware. Je nach Gut: Dosierung nach Gewicht, Stückzahl oder Volumen. Besonders wichtig bei Schüttgütern oder Kleinteilen.
  3. Verschließmaschine: Verschließt den gefüllten Karton durch Klebeband, Heftklammern oder Heißkleber. Die Wahl hängt vom Gewicht und der Beanspruchung ab.
  4. Umreifungsmaschine: Sichert den verschlossenen Karton mit einem Kunststoffband. Gibt zusätzlichen Halt, besonders bei schweren Gütern oder Stapeltransport.

Drei Kriterien für die Maschinenwahl

Welche Maschine du einsetzt, entscheidest du anhand von drei Kriterien:

  • Prozessschritt: Wo im Ablauf stehst du? Aufrichter vor dem Füllen, Verschließer nach dem Füllen, Umreifung ganz am Ende.
  • Packgutanforderung: Was braucht die Ware? Empfindliche Elektronik erfordert exakte Fülldosierung. Schwere Maschinenteile brauchen starke Umreifung.
  • Durchsatzziel: Wie viele Einheiten pro Stunde? Bei 20 Kartons am Tag reicht manuelles Aufrichten. Bei 200 Kartons pro Stunde brauchst du einen automatischen Kartonaufrichter.

Stretchwickler oder Handfolie: Was lohnt sich wann?

Der direkte Vergleich

Bevor Paletten das Lager verlassen, werden sie mit Stretchfolie gesichert. Das geht per Hand oder mit einem automatischen Stretchwickler. Beide Methoden im Vergleich:

Der Mengenschwellenwert

Ab wann rechnet sich die Investition in einen automatischen Stretchwickler? Eine einfache Rechnung hilft:

Bei manueller Wicklung braucht eine Person ca. 5 Minuten pro Palette. Bei 20 Paletten pro Tag sind das rund 100 Minuten reine Wickelzeit. Ein automatischer Stretchwickler schafft dieselbe Menge in ca. 40 Minuten und spart dabei 30-40 % Folie ein.

Faustregel: Ab etwa 15-20 Paletten pro Tag wird der automatische Stretchwickler wirtschaftlich. Unter diesem Wert sind die Anschaffungskosten (ab ca. 3.000 Euro für ein Einstiegsmodell) im Verhältnis zum Einsparpotenzial zu hoch. Bei weniger als 10 Paletten pro Tag reicht die Handfolie in der Regel aus.

Verpackungsprozess planen: Alles zusammen anwenden

Neue Situation, eigene Entscheidung

Ein neuer Auftrag liegt auf deinem Tisch: 80 Kartons mit Glasflaschen (je 6 Stück, 12 kg pro Karton) sollen für den Palettenversand vorbereitet werden. Der Kunde erwartet die Lieferung morgen früh. Du hast alle vier Maschinen zur Verfügung und musst entscheiden:

  • Welche Maschinen brauchst du in welcher Reihenfolge?
  • Welches Spanngewicht stellst du an der Umreifungsmaschine ein?
  • Wickelst du die fertigen Paletten per Hand oder mit dem Stretchwickler?

Nutze die drei Entscheidungskriterien (Prozessschritt, Packgutanforderung, Durchsatzziel) und denke an die Empfindlichkeit der Glasflaschen.

Dein Ergebnis zählt

Für die Glasflaschen-Aufgabe gibt es kein einziges "richtiges" Ergebnis, aber klare Leitplanken: Das Spanngewicht muss niedrig genug sein, um die Kartons nicht einzudrücken (Glasflaschen sind empfindlich wie die Keramikvasen aus dem ersten Szenario). Bei 80 Kartons, die auf Paletten gestapelt werden, lohnt sich der automatische Stretchwickler, weil du vermutlich auf mehr als 15 Paletten kommst. Und der Kartonaufrichter spart bei 80 Stück spürbar Zeit gegenüber dem manuellen Falten.

Die Fähigkeit, Maschine, Einstellung und Methode auf das konkrete Packgut abzustimmen, ist genau das, was dich im Verpackungsbereich handlungsfähig macht.

Lernziele

  • Die korrekte Spanngewichtseinstellung einer Umreifungsmaschine für unterschiedliche Packgüter umsetzen, indem für 2 von 3 vorgegebenen Packgütern (z. B. Karton, Holzkiste, empfindlicher Behälter) die richtige Einstellung gewählt und begründet wird, ohne dass simulierter Packgutschaden entsteht
  • Die geeignete Verpackungsmaschine für einen vorgegebenen Verpackungsprozess beurteilen, indem bei 3 von 4 beschriebenen Verpackungssituationen die passende Maschine benannt wird und die Entscheidung durch drei explizit genannte Kriterien (Prozessschritt, Packgutanforderung, Durchsatzziel) begründet wird, sodass nachvollziehbar ist, warum alternative Maschinen ausscheiden
  • Automatischen Stretchwickler und manuelle Folienwicklung vergleichen, indem mindestens 3 Kriterien (Zeitaufwand pro Palette, Folienverbrauch, Wickelqualität, Personaleinsatz) gegenübergestellt werden und ein konkreter Mengenschwellenwert ab dem der automatische Einsatz wirtschaftlich wird, hergeleitet wird
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