Lernfeld 6: Güter verpacken

Verpackungsabfälle: Vermeidung und Verwertung

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Verpackungsabfälle: Vermeidung und Verwertung

Warum reicht Recycling allein nicht aus?

"1.800 Euro nur für Kartonage und Folie"

"1.800 Euro nur für Kartonage und Folie, jeden Monat. Das sind 23 Prozent mehr als letztes Jahr." Deine Teamleiterin schiebt dir die Entsorgungsrechnung über den Besprechungstisch. Auf dem Tisch liegen Fotos vom Presscontainer am Wareneingang, der regelmäßig überquillt. Drei Lieferungen pro Woche kommen komplett in Einweg-Kartons und Stretchfolie. Ihre Frage: Warum redet der Betrieb immer nur über besseres Recycling, statt zuerst die Verpackungsmengen zu senken?

Erinnerst du dich an die Systembeteiligungspflicht aus dem VerpackG? Genau hier wird es teuer: Für jede systembeteiligungspflichtige Verpackung zahlt dein Betrieb Lizenzgebühren. Mehr Verpackung bedeutet direkt höhere Kosten. Aber das Gesetz geht noch weiter und schreibt eine klare Rangfolge vor.

Die fünfstufige Abfallhierarchie

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) legt eine fünfstufige Abfallhierarchie fest. Sie gilt als Vorrangprinzip: Jede höhere Stufe muss bevorzugt werden, bevor die nächste in Betracht kommt.

  1. Vermeidung - Verpackung gar nicht erst einsetzen
  2. Vorbereitung zur Wiederverwendung - z.B. Mehrwegbehälter reinigen und erneut nutzen
  3. Recycling - Material aufbereiten und als Rohstoff wiederverwenden
  4. Sonstige Verwertung - z.B. Verbrennung mit Energiegewinnung
  5. Beseitigung - Deponie als letzter Ausweg

Recycling steht erst auf Stufe 3. Vermeidung hat per Gesetz Vorrang.

Was bedeutet das Vorrangprinzip im Arbeitsalltag?

Vermeidung vor Recycling: ein konkretes Beispiel

Zurück zur Besprechung: Welche der drei wöchentlichen Lieferungen müssen überhaupt in Einweg-Kartons kommen? Das Vorrangprinzip verlangt konkret: Bevor dein Betrieb über Recycling nachdenkt (Stufe 3), muss er prüfen, ob Verpackung vermeidbar (Stufe 1) oder wiederverwendbar (Stufe 2) ist.

Die Transportverpackungen vom Stammlieferanten kommen jede Woche auf derselben Route. Hier könnten Mehrwegbehälter die Kartonage komplett ersetzen. Das ist Stufe 1: Vermeidung. Erst für Verpackungen, die sich nicht vermeiden lassen, etwa Verkaufsverpackungen für Endkund:innen, greift Stufe 3: ordnungsgemäßes Recycling über das Duale System.

Das Duale System: Wer bezahlt das Recycling?

Für Verpackungen, die bei Verbraucher:innen landen, existiert das Duale System (bekannt unter dem Namen Grüner Punkt). Es organisiert die Sammlung und Verwertung von Verkaufsverpackungen parallel zur kommunalen Müllabfuhr. Das Grundprinzip: Wer Verpackungen in Umlauf bringt, finanziert deren Entsorgung mit. Die Basis dafür kennst du bereits aus dem VerpackG: die Systembeteiligungspflicht verpflichtet Unternehmen, sich an einem solchen System zu beteiligen und Lizenzgebühren zu zahlen.

Wie genau das Geld fließt, schauen wir uns im nächsten Schritt an.

Wie fließt das Geld im Dualen System?

Der Finanzierungskreislauf in 4 Schritten

Der Geldfluss im Dualen System folgt einem festen Kreislauf:

  1. Lizenzierung: Dein Unternehmen meldet alle systembeteiligungspflichtigen Verpackungen beim Dualen System an und zahlt eine Lizenzgebühr pro Kilogramm und Materialart.
  2. Beauftragung: Das Duale System (z.B. Der Grüne Punkt) bündelt die Lizenzgebühren vieler Unternehmen und beauftragt damit Entsorgungsunternehmen.
  3. Sammlung und Sortierung: Die Entsorgungsunternehmen stellen Gelbe Tonnen oder Gelbe Säcke bereit, holen die Verpackungen bei Verbraucher:innen ab und sortieren sie in Sortieranlagen nach Materialart.
  4. Verwertung: Die sortierten Wertstoffe (Kunststoff, Papier, Metall) gehen an Recyclingunternehmen, die daraus neue Rohstoffe herstellen.

Je mehr Verpackungen dein Betrieb in Umlauf bringt, desto höher die Lizenzgebühren. Vermeidung senkt also beides: Entsorgungskosten und Systembeteiligungskosten.

Mehrweg als Alternative: Wann lohnt sich der Umstieg?

Deine Teamleiterin hat eine konkrete Idee: Die Einweg-Kartons für die drei wöchentlichen Zulieferungen durch Mehrwegbehälter ersetzen. Aber Mehrweg bedeutet höhere Anschaffungskosten. Lohnt sich das wirklich?

Die Antwort hängt von zwei Perspektiven ab: der ökologischen und der ökonomischen. Beide müssen systematisch gegenübergestellt werden, bevor eine fundierte Empfehlung möglich ist.

Mehrweg oder Einweg: Wie triffst du die richtige Entscheidung?

Ökologische und ökonomische Kriterien im Vergleich

Für eine fundierte Bewertung brauchst du mindestens 2 ökologische und 2 ökonomische Kriterien:

Ökologische Kriterien:

  • CO₂-Bilanz über Nutzungszyklen: Ein Mehrwegbehälter aus Kunststoff verursacht bei der Herstellung mehr CO₂ als ein einzelner Karton. Ab einer bestimmten Umlaufzahl (oft 15-20 Umläufe) kippt die Bilanz zugunsten von Mehrweg.
  • Rohstoffverbrauch: Einweg verbraucht bei jeder Lieferung neue Rohstoffe. Mehrweg nutzt dieselben Materialien über Monate oder Jahre.

Ökonomische Kriterien:

  • Anschaffungskosten vs. laufende Einsparungen: Mehrwegbehälter kosten initial mehr (z.B. 12 Euro pro Stück statt 1,50 Euro pro Karton). Ab dem 10. Umlauf sinken die Stückkosten unter die Einwegkosten.
  • Reinigungsaufwand: Mehrweg erfordert Reinigung, Inspektion und Rücktransport. Diese laufenden Kosten müssen einkalkuliert werden.

Deine Empfehlung für die Besprechung

Für die drei wöchentlichen Zulieferungen vom Stammlieferanten ist Mehrweg die bessere Wahl. Das entscheidende Kriterium: Die hohe Umlauffrequenz (3x pro Woche, also ca. 150 Umläufe pro Jahr) sorgt dafür, dass die Anfangsinvestition schnell amortisiert ist und die CO₂-Bilanz klar positiv ausfällt. Gleichzeitig sinken die Lizenzgebühren im Dualen System, weil weniger systembeteiligungspflichtige Verpackungen anfallen.

Anders bei Einmallieferungen an wechselnde Kund:innen: Hier fehlt ein Rücklaufkreislauf, und Mehrweg wäre ökonomisch nicht tragfähig. In solchen Fällen bleibt Einweg mit optimiertem Recycling die pragmatische Lösung.

Lernziele

  • Die ökologische und ökonomische Sinnhaftigkeit einer Mehrwegverpackung gegenüber einer Einwegverpackung zu bewerten, indem für ein vorgegebenes Betriebsszenario mindestens 2 ökologische Kriterien (z.B. CO₂-Bilanz über Nutzungszyklen, Rohstoffverbrauch) und 2 ökonomische Kriterien (z.B. Anschaffungskosten vs. laufende Einsparungen, Reinigungsaufwand) gegenübergestellt und eine begründete Empfehlung mit Nennung des entscheidenden Kriteriums formuliert wird
  • Die fünfstufige Abfallhierarchie und ihr gesetzliches Vorrangprinzip zu erläutern, indem alle 5 Stufen in richtiger Rangfolge benannt und begründet wird, warum Vermeidung gegenüber Recycling rechtlich vorrangig ist
  • Den Finanzierungsmechanismus des Dualen Systems (Grüner Punkt) zu erläutern, indem der Geldfluss vom lizenzpflichtigen Unternehmen über das Duale System bis zur Wertstofferfassung in mindestens 4 Schritten korrekt dargestellt wird
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