Lernfeld 6: Güter verpacken

Palettieren: Stapelmuster und Ladungssicherung

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Palettieren: Stapelmuster und Ladungssicherung

Warum kippt eine fertig gepackte Palette beim Transport?

Sechs Kartons am Boden

Sechs Kartons liegen am Hallenboden, zwei davon aufgerissen. Es ist Dienstagvormittag, kurz nach 11 Uhr im Palettierbereich. Die Europalette daneben ist halb leer, der Hubwagen steht schräg davor. Du hattest 48 Kartons im Blocksatz auf die Palette gestapelt: Lage für Lage in identischer Ausrichtung, kein Versatz. Als du die Palette zur Folienstrecke gezogen hast, hat der Stapel seitlich nachgegeben. Warenwert der beschädigten Kartons: 640 Euro. Die Nachkommissionierung kostet 45 Minuten, und der LKW an der Rampe wartet.

Das Problem liegt im Stapelmuster. Beim Blocksatz verlaufen die Fugen zwischen den Kartons von oben bis unten senkrecht durch alle Lagen. Diese durchgehenden Fugen wirken wie Sollbruchstellen. Sobald eine Seitenkraft auftritt (Kurve mit dem Hubwagen, Bremsen, unebener Boden), rutschen die Kartons entlang dieser Fugen weg. Der Blocksatz eignet sich nur für sehr formstabile, schwere Packstücke, die sich durch ihr Eigengewicht gegenseitig fixieren.

Verbundsatz: Fugen überbrücken, Stabilität gewinnen

Die Lösung heisst Verbundsatz. Dabei drehst du jede zweite Lage um 90°. Die Kartons der oberen Lage überbrücken die Fugen der darunterliegenden Lage. So entsteht ein formschlüssiger Verbund, der Seitenkräften standhält.

Zwei Regeln für die Gewichtsverteilung:

  1. Schwere Packstücke immer nach unten. Der Schwerpunkt der gesamten Ladeeinheit muss möglichst tief liegen. Das verhindert Kippen.
  2. Leichte, empfindliche Packstücke nach oben. So werden sie nicht durch das Gewicht der darüberliegenden Lagen zerdrückt.

Aus der Boden- und Blocklagerung kennst du bereits die Berechnung der maximalen Stapelhöhe anhand der Tragfähigkeit. Genau diese Logik gilt auch hier: Die unterste Lage muss das Gesamtgewicht aller darüberliegenden Lagen aushalten können.

Wie sicherst du die fertige Palette gegen Verrutschen?

Sicherung in drei Schritten

Verbundsatz allein reicht nicht. Die fertige Palette braucht zusätzliche Sicherung. Die Reihenfolge ist entscheidend:

  1. Kantenschutzwinkel anbringen. Setze L-förmige Kunststoff- oder Pappwinkel an die vier senkrechten Kanten der Palette. Sie verteilen den Druck von Folie und Umreifungsband und verhindern, dass die Kanten der äusseren Kartons eingedrückt werden.
  2. Stretchfolie wickeln. Beginne unten am Palettenfuss und wickle mit ca. 50 % Überlappung nach oben. Mindestens drei Lagen im unteren Drittel sorgen für festen Halt am Palettensockel. Ab etwa 15 bis 20 Paletten pro Tag arbeitet ein automatischer Stretchwickler wirtschaftlicher als manuelles Wickeln.
  3. Umreifungsband spannen (bei schweren oder hohen Ladungen). Mindestens zwei horizontale und ein vertikales Band sichern die Ladung zusätzlich gegen Kippen.

Drei Fehler finden: Kannst du die Palette retten?

Prüfe diese Palettierlösung auf Standsicherheit:

Eine Palette mit Elektrogeräten (je 12 kg) und Styroporverpackungen (je 2 kg) wurde so gepackt: Alle Lagen im Blocksatz. Die leichten Styroporkartons stehen in den unteren drei Lagen, die schweren Elektrogeräte oben. Die Palette wurde mit Stretchfolie gesichert, aber ohne Kantenschutz. An zwei Ecken drückt das Umreifungsband die Kartonkanten ein.

Lernziele

  • das Palettieren mit situationsgerecht gewähltem Stapelmuster und korrekter Gewichtsverteilung durchzuführen, indem in 2 von 3 vorgegebenen Palettiersituationen das richtige Stapelmuster gewählt, schwere Packstücke unten platziert und die Schrittfolge für Sicherung mit Stretchfolie und Kantenschutz fehlerfrei ausgeführt werden
  • die Unterschiede zwischen Verbundsatz und Blocksatz beim Palettieren zu erklären, indem die strukturellen Merkmale beider Muster beschrieben, die Auswirkungen auf die Stapelstabilität dargelegt und je ein typischer Einsatzbereich korrekt genannt werden
  • eine beschriebene Palettierlösung auf ihre Standsicherheit zu bewerten, indem in einem Fallbeispiel mit 3 eingebauten Fehlern (Stapelmuster, Gewichtsverteilung, Sicherungsmittel) alle Mängel identifiziert und begründete Korrekturmaßnahmen vorgeschlagen werden
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