Welches Packmittel für welches Gut?
Zwei Aufträge, vier Optionen
Du sortierst gerade die Versandpapiere für die Nachtschicht. Donnerstag, 03:00 Uhr im Packstoff-Lager. Zwei Aufträge liegen vor dir: 800 Liter Industriereiniger und 1,5 Tonnen Kunststoffgranulat. Abholung um 05:00 Uhr.
Im Regal stehen 200-Liter-Fässer, daneben 20-Liter-Kanister. Auf der Palette warten leere Big Bags, und in der Ecke steht ein leerer IBC-Container mit 1.000 Liter Fassungsvermögen. Die Schichtleitung hat dir die Wahl überlassen.
Karton und Papier klären das Verpacken fester Güter - jetzt geht es um Packmittel für Flüssigkeiten und Schüttgut. Falsches Packmittel bedeutet Undichtigkeit oder Ladungssicherungsprobleme. Die Spedition lehnt die Sendung ab, der nächste Slot kostet 400 Euro Expresszuschlag.
Sieben Packmittel in zwei Kategorien
Fünf davon sind starr - sie behalten ihre Form, egal ob voll oder leer:
- Kiste - Maschinenteile, Glaswaren
- Karton - Konsumgüter, Kleinteile
- Fass (60-200 L) - Flüssigkeiten, Pasten
- Kanister (5-30 L) - kleinere Flüssigkeitsmengen
- IBC-Container (600-1.000 L) - Großmengen Flüssigkeit oder Granulat
In der Chemie triffst du auf Fässer mit Lösungsmittel, im Lebensmittelbereich auf Kisten mit Weinflaschen.
Zwei sind flexibel - sie passen sich dem Füllgut an und lassen sich leer platzsparend lagern:
- Sack (inkl. Big Bag/FIBC bis 2.000 kg) - Schüttgut
- Beutel - kleine Mengen Pulver oder Flüssigkeit
In der Chemie lagern Säcke mit Kunststoffgranulat, im Lebensmittelbereich Mehlsäcke in der Großbäckerei.
🎬 Vorstellung: Schau dich mental in deinem Ausbildungsbetrieb um - welche dieser sieben Packmittel stehen dort im Lager, und in welcher Kategorie landen sie?
Was unterscheidet starre von flexiblen Packmitteln?
Starre Packmittel: formstabil und belastbar
Drei Beispiele zeigen das Eigenschaftsprofil:
Die Kiste aus Holz oder Kunststoff schützt schwere Maschinenteile gegen Stoß und Druck. Mehrere Kisten lassen sich sicher übereinander stapeln, weil die Form stabil bleibt. Nachteil: Auch halbleer nimmt sie den vollen Platz ein. Kunststoffkisten sind oft wiederverwendbar, Holzkisten selten.
Das Fass aus Stahl oder Kunststoff fasst 60 bis 200 Liter. Es ist dicht, stapelbar und schützt den Inhalt vor Licht und Feuchtigkeit. Stahlfässer lassen sich reinigen und wiederbefüllen. Die Volumenausnutzung ist nur bei Vollbefüllung optimal.
Der IBC-Container vereint hohes Fassungsvermögen (bis 1.000 Liter) mit guter Stapelbarkeit durch die Gitterbox-Konstruktion. Die Gitterbox schützt den Innenbehälter vor mechanischer Beanspruchung. Er ist wiederverwendbar, per Gabelstapler transportierbar und über den Auslaufhahn direkt entleerbar.
Flexible Packmittel: anpassungsfähig und leicht
Der Sack aus Polyethylen oder Papier nimmt Schüttgut wie Granulat oder Mehl auf. Volle Säcke verformen sich unter Last - die Stapelbarkeit ist eingeschränkt, und gegen Stoß bieten sie kaum Schutz. Dafür passt sich das Volumen exakt an die Füllmenge an. Einfache Säcke sind Einwegprodukte.
Der Big Bag (FIBC) fasst als Großformat-Variante bis zu 2.000 kg. Er braucht eine Palette als Unterlage. Die Schutzwirkung bleibt gering, aber die Volumenausnutzung ist hoch: Ein Big Bag ersetzt mehrere Einzelfässer. Viele Big Bags sind im Mehrwegsystem wiederverwendbar.
Der Beutel eignet sich für kleine Mengen. Stapelbarkeit und Schutzwirkung sind minimal, dafür ist der Platzbedarf kaum messbar. Beutel sind Einwegverpackungen.
🔮 Bevor du weiterliest: Welche Eigenschaft gibt den Ausschlag bei 1 Tonne trockenem Granulat - und welches Packmittel hat sie: Einzelfässer, IBC-Container oder Big Bag?
Welches Packmittel löst welchen Versandauftrag?
Drei Aufträge unter der Lupe
Auftrag 1: 200 Liter Öl. Alle drei Packmittel (Fass, Kanister, IBC-Container) sind dicht genug. Der Kanister fasst aber nur 20 Liter - zehn Stück bedeuten zehnmal Handling und schlechtere Stapelbarkeit. Der IBC-Container ist mit 1.000 Litern überdimensioniert. Das Fass (200 L) passt exakt: dicht, stapelbar, per Fasswender komplett entleerbar.
Auftrag 2: 1 Tonne Granulat. Der Kanister scheidet bei dieser Menge aus. Fünf bis sechs Fässer wären dicht, aber die Entleerung ist aufwendig (Kippen oder Absaugen). Der IBC-Container überzeugt: dicht, stapelbar, per Auslaufhahn kontrolliert entleerbar. Für trockenes Granulat ist auch ein Big Bag eine günstige Alternative.
Auftrag 3: 25 kg Kunststoffpellets. Fass (mindestens 60 L), Kanister (mindestens 5 L) und IBC-Container (mindestens 600 L) sind für 25 kg trockenes Granulat alle überdimensioniert. Keines der drei starren Packmittel passt. Die Lösung liegt bei den flexiblen Packmitteln.
So hätte es in der Nachtschicht laufen müssen
Die 800 Liter Industriereiniger passen in vier 200-Liter-Fässer - dicht, stapelbar, chemikalienbeständig. Für die 1,5 Tonnen Granulat greifst du zum Big Bag. Er fasst die Menge in einem Stück und spart Stellfläche gegenüber Einzelfässern. Beide Aufträge fertig vor 05:00 Uhr, kein Expresszuschlag.
🤔 Frage dich: Beim 200-Liter-Öl-Auftrag war das Fass die klare Wahl. Was ändert sich, wenn die Menge auf 800 Liter steigt - vier Fässer oder ein IBC-Container? Welches der drei Kriterien gibt dann den Ausschlag?
Teste dein Wissen
Im Packstoff-Lager stehen 200-Liter-Fässer, 20-Liter-Kanister und ein 1 000-Liter-IBC-Container. Welcher Packmittelkategorie nach DIN 30781 gehören diese drei Behälter an?