Lernfeld 6: Güter verpacken

Arbeitssicherheit beim Verpacken

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Arbeitssicherheit beim Verpacken

Was checkst du zuerst, bevor du ein Blechteil anfasst?

Allein am Verpackungsplatz

Du schiebst die Palette mit 18 gestanzten Blechzuschnitten an den Verpackungsplatz. 12 Kilo pro Teil, frisch geschnittene Kanten, die im Licht glänzen. Deine Kollegin wird in der Kommissionierung gebraucht, du machst den Auftrag allein fertig: Teile auf Palette packen, stretchen, versandfertig machen. Aus der Packmittel-Auswahl weisst du bereits, dass du für 18 schwere Metallteile eine stabile Palette und Stretchfolie brauchst. Und vom Arbeitsschutz bei der Güterbearbeitung kennst du die Regeln zum rückengerechten Heben: Knie beugen, Last körpernah, gerade Wirbelsäule.

Aber dann fällt dein Blick auf den Verpackungsplatz. Dort liegen nur Arbeitshandschuhe aus Baumwolle. Reicht das bei gestanzten Blechkanten? Dein Bauchgefühl sagt nein. Und die Stretchwickelmaschine daneben? Die hat heute noch niemand geprüft.

Die richtige PSA für scharfkantiges Metallhalbzeug

Baumwollhandschuhe schützen vor Schmutz, nicht vor Schnittverletzungen. Beim Verpacken von scharfkantigem Metallhalbzeug sind vier PSA-Komponenten vorgeschrieben:

  1. Schnittschutzhandschuhe (mindestens Schutzklasse nach EN 388): Sie bestehen aus schnittfestem Material wie Kevlar oder Stahlfaser und halten auch gestanzten Kanten stand.
  2. Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe und durchtrittsicherer Sohle: Ein 12-Kilo-Blechteil auf dem Fuß kann Knochen brechen.
  3. Schutzbrille: Beim Stapeln und Verschieben können kleine Metallspäne absplittern.
  4. Unterarmschutz: Die Unterarme sind beim Greifen und Tragen der Teile genauso gefährdet wie die Hände.

Ohne diese vier Komponenten darfst du die Blechteile nicht anfassen. Erst die richtige PSA holen, dann arbeiten.

Maschine prüfen, Arbeitsplatz beurteilen

Die 5 Prüfschritte vor dem Start der Stretchwickelmaschine

Die richtige PSA sitzt. Jetzt zur Stretchwickelmaschine. Bevor du sie einschaltest, arbeitest du 5 Prüfschritte in fester Reihenfolge ab:

  1. Sicherheitsabdeckungen prüfen: Alle Verkleidungen und Schutzgitter müssen geschlossen und unbeschädigt sein. Fehlt eine Abdeckung, darf die Maschine nicht starten.
  2. Not-Aus-Funktion testen: Drücke den Not-Aus-Schalter und prüfe, ob die Maschine sofort stoppt. Dann wieder entriegeln.
  3. Folienzufuhr kontrollieren: Sitzt die Stretchfolie korrekt auf der Rolle? Ist sie frei von Rissen und läuft ohne Verklemmen?
  4. Drehteller prüfen: Dreht er sich frei, ohne zu schleifen oder zu blockieren? Liegt nichts auf dem Teller, das herausgeschleudert werden könnte?
  5. Schutzbereich freiräumen: Im Radius um den Drehteller dürfen keine Gegenstände, Kabel oder Personen stehen.

Erst wenn alle fünf Schritte bestanden sind, darfst du die Maschine in Betrieb nehmen.

Den Verpackungsarbeitsplatz nach DGUV beurteilen

Zurück zum Gesamtbild: Du hast die PSA gecheckt und die Maschine geprüft. Aber ein sicherer Verpackungsarbeitsplatz besteht aus mehr als diesen beiden Punkten. Die DGUV-Vorschriften verlangen, dass du den kompletten Arbeitsplatz beurteilen kannst. Typische Mängel, die du erkennen musst:

  • Fehlende oder falsche PSA (wie die Baumwollhandschuhe statt Schnittschutz) - Verstoß gegen die Betriebsanweisung und DGUV Vorschrift 1
  • Blockierte Fluchtwege: Paletten oder Verpackungsmaterial, die den Weg zur Notausgangstür versperren - Verstoß gegen DGUV Vorschrift 1 und Arbeitsstättenverordnung
  • Fehlende Schutzabdeckungen an Maschinen - Verstoß gegen die Betriebssicherheitsverordnung

Jeder dieser Mängel muss sofort gemeldet werden. Arbeiten bei erkannten Mängeln ist nicht erlaubt, bis die Mängel beseitigt sind.

Lernziele

  • Die Sicherheitsprüfung vor Inbetriebnahme einer Stretchwickelmaschine durchzuführen, indem alle 5 Prüfschritte (Sicherheitsabdeckungen, Not-Aus-Funktion, Folienzufuhr, Drehteller, Schutzbereich freiräumen) in der vorgeschriebenen Reihenfolge korrekt ausgeführt werden
  • Die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung beim Verpacken von scharfkantigem Metallhalbzeug zu nennen, indem mindestens 4 PSA-Komponenten (Schnittschutzhandschuhe, Sicherheitsschuhe, Schutzbrille, Unterarmschutz) korrekt benannt werden
  • Einen vollständigen Verpackungsarbeitsplatz auf DGUV-Konformität zu beurteilen, indem mindestens 3 Mängel (z.B. fehlende Schutzabdeckung, blockierter Fluchtweg, falsche PSA) korrekt identifiziert und jeweils die verletzte DGUV-Vorschrift oder Betriebsanweisung angegeben wird
Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.