Verrechnungsgewicht berechnen
Wie kommt die Spedition auf 67 kg, wenn die Kartons nur 12 kg wiegen?
Das Problem: Eine Rechnung, die keinen Sinn ergibt
Warum verlangt die Spedition für zwei Kartons mit Schaumstoffpolstern plötzlich 180 Euro mehr, als du der Kundin am Telefon genannt hast? Du sitzt im Dispositionsbüro und hast gerade die Speditionsabrechnung vom Freitag aus dem Drucker gezogen. Deine Kalkulation basierte auf 12 kg Waaggewicht. Du hast den Wert in der Frachttabelle nachgeschlagen, wie du es gelernt hast, und der Kundin den Preis durchgegeben. Auf der Rechnung stehen jetzt aber 67 kg. Die Kundin hat eine verärgerte Mail geschrieben, und deine Kollegin braucht deine Hilfe, um den Fehler nachzuvollziehen, bevor sie zurückruft.
Der Schlüssel liegt im Verrechnungsgewicht (Chargeable Weight). Bei Luftfracht zählt nicht nur, wie schwer eine Sendung ist, sondern auch, wie viel Platz sie im Frachtraum beansprucht. Die Spedition vergleicht zwei Werte und rechnet mit dem höheren ab:
- Das Realgewicht (tatsächliches Gewicht auf der Waage)
- Das Volumengewicht (rechnerisches Gewicht basierend auf den Abmessungen)
Worked Example: Zwei Szenarien, zwei Ergebnisse
Die Formel für das Volumengewicht bei Luftfracht lautet:
Volumengewicht (kg) = (Länge x Breite x Höhe in cm) / 6.000
Szenario 1: Schaumstoffpolster (Ausgangslage) Jeder Karton misst 80 x 50 x 50 cm, wiegt 6 kg.
- Volumengewicht pro Karton: (80 x 50 x 50) / 6.000 = 33,3 kg
- Volumengewicht gesamt: 2 x 33,3 = 66,7 kg, gerundet 67 kg
- Realgewicht gesamt: 12 kg
- Verrechnungsgewicht: der höhere Wert = 67 kg
- Frachtkosten (bei 3,30 EUR/kg): 67 x 3,30 = 221,10 EUR
Szenario 2: Wellpappe (kompaktere Polsterung) Gleiche Ware, aber Karton nur 50 x 35 x 30 cm, wiegt ebenfalls 6 kg.
- Volumengewicht pro Karton: (50 x 35 x 30) / 6.000 = 8,75 kg
- Volumengewicht gesamt: 2 x 8,75 = 17,5 kg
- Realgewicht gesamt: 12 kg
- Verrechnungsgewicht: 17,5 kg (Volumengewicht bleibt höher)
- Frachtkosten: 17,5 x 3,30 = 57,75 EUR
Die Verpackungswahl macht eine Differenz von 163,35 EUR pro Sendung.
Lohnt sich der Verpackungsumbau wirklich?
Einsparung gegen Umbaukosten abwägen
Die Rechnung aus Szenario 2 sieht verlockend aus. Aber eine Verpackungsänderung kostet auch etwas: neue Kartons beschaffen, Packprozess anpassen, eventuell Schutzwirkung neu testen. Angenommen, die kleineren Wellpappe-Kartons kosten 15 EUR pro Stück (Material + Arbeitszeit), also 30 EUR für zwei Kartons.
Der Kostenvergleich:
- Frachtkosteneinsparung: 221,10 - 57,75 = 163,35 EUR
- Umbaukosten: 30,00 EUR
- Netto-Vorteil: 133,35 EUR pro Sendung
Bei einer Kundin, die regelmäßig bestellt, summiert sich das schnell. Aber Vorsicht: Die Wellpappe muss den Produktschutz genauso sicherstellen wie der Schaumstoff. Wenn die Ware beim Transport beschädigt wird, übersteigen Reklamationskosten jede Frachtersparnis.
Deine optimierte Versandlösung entwerfen
Für den Rückruf bei der Kundin brauchst du jetzt eine konkrete Empfehlung. Eine kostenoptimierte Versandlösung dokumentierst du mit drei Angaben:
- Neue Verpackungsabmessungen: 50 x 35 x 30 cm pro Karton (Wellpappe mit Innenpolsterung)
- Berechnetes Verrechnungsgewicht: 17,5 kg statt 67 kg
- Kosteneinsparung: 163,35 EUR Fracht abzüglich 30 EUR Umbaukosten = 133,35 EUR netto
So kannst du der Kundin erklären, warum die letzte Rechnung so hoch ausfiel, und gleichzeitig eine Lösung für künftige Sendungen anbieten. Das Prinzip bleibt immer gleich: Je näher das Volumengewicht am Realgewicht liegt, desto weniger zahlst du für Luft.
Lernziele
- Das Kostenoptimierungspotenzial durch Verpackungsverkleinerung bei volumenschweren Sendungen analysieren, indem für 2 konkrete Sendungsszenarien mit unterschiedlichen Verpackungsmaterialien (Wellpappe vs. Schaumstoffpolster) das Verhältnis von Real- zu Volumengewicht numerisch berechnet, das jeweils maßgebliche Verrechnungsgewicht bestimmt und die rechnerische Frachtkosteneinsparung durch eine reduzierte Außenverpackung in Euro ausgewiesen wird
- Die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit einer Verpackungsanpassung zur Senkung des Verrechnungsgewichts beurteilen, indem die erwartete Frachtkosten-Einsparung den Umbaukosten gegenübergestellt und das Urteil mit einem nachvollziehbaren Kostenvergleich schriftlich begründet wird
- Eine kostenoptimierte Versandlösung unter Berücksichtigung von Real- und Volumengewicht entwerfen, indem die Lösung Verpackungsabmessungen, das berechnete Verrechnungsgewicht und die Kosteneinsparung gegenüber der Ausgangsvariante vollständig ausweist