Lernfeld 7: Güter verladen

Lastverteilung und Achslasten

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Lastverteilung und Achslasten

Warum reicht das Gesamtgewicht allein nicht aus?

Gesamtgewicht stimmt, Achslast nicht

Dienstagmittag, 11:30 Uhr. Am Planungstisch neben Rampe 3 liegt dein Stauplan für den 40-Tonner. Dieselgeruch hängt in der Luft, ein Kühlaggregat brummt. Du hast die Ladeplanung sauber durchgezogen: Schwere Güter unten, empfindliche Ware getrennt, Entladereihenfolge berücksichtigt. Gesamtgewicht: 39,8 Tonnen. Passt.

Dann rechnest du die Achslasten nach. Hinterachse: 12,4 Tonnen. Erlaubt sind 11,5. Die sechs schwersten Paletten stehen ganz hinten im Laderaum, weil sie beim ersten Stopp runter sollen. Jede Stunde Verzögerung durch Umladen kostet 120 Euro Standgeld. Bei einer Polizeikontrolle drohen bis zu 425 Euro Bussgeld und ein Punkt in Flensburg. Und auf nasser Fahrbahn verlängert eine überlastete Hinterachse den Bremsweg erheblich.

Dein Stauplan hat also ein Problem, das das Gesamtgewicht nicht verrät: Die Lastverteilung stimmt nicht.

Wo der Schwerpunkt liegt, entscheidet alles

Der Gesamtschwerpunkt der Ladung bestimmt, wie viel Gewicht auf welcher Achse landet. Das Prinzip funktioniert wie eine Wippe:

  • Schwerlast weit hinten: Die Hinterachse wird überlastet. Gleichzeitig wird die Vorderachse entlastet. Die Folge: Die Lenkung wird schwammig, weil die Vorderräder weniger Bodenhaftung haben. Der Bremsweg wächst.
  • Schwerlast weit vorne: Die Vorderachse trägt zu viel. Die Hinterachse (Antriebsachse) verliert Traktion, die Räder können auf nassem Untergrund durchdrehen.
  • Schwerpunkt mittig über der Antriebsachse: Beide Achsen werden gleichmässig belastet. Lenkung, Bremsen und Antrieb funktionieren optimal.

Die optimale Stauposition für schwere Güter liegt deshalb im mittleren Bereich des Laderaums, möglichst nah über der Antriebsachse.

Wie berechnest du die Achslasten konkret?

Die Hebelregel mit Zahlen

Die Achslastberechnung basiert auf dem Hebelgesetz. Je näher die Ladung an einer Achse liegt, desto mehr Gewicht trägt diese Achse. Die Grundformel:

Last auf eine Achse = Ladungsgewicht x Abstand zur anderen Achse / Radstand

Hier ein durchgerechnetes Beispiel:

  • Leergewicht: VA 4 t, HA 6 t (gesamt 10 t)
  • Ladung: 6 t
  • Radstand: 4 m
  • Zulässig: VA max 7 t, HA max 10 t

Fall 1 -- Schwerpunkt 3,5 m hinter der VA (nah an HA):

  • HA-Anteil der Ladung: 6 t x 3,5 / 4 = 5,25 t
  • VA-Anteil der Ladung: 6 t x 0,5 / 4 = 0,75 t
  • HA gesamt: 6 + 5,25 = 11,25 t (über 10 t!)
  • VA gesamt: 4 + 0,75 = 4,75 t

Gesamtgewicht: 16 t. Stimmt. Aber die HA ist um 1,25 t überlastet.

Ladung verschieben, Achslast korrigieren

Fall 2 -- Schwerpunkt 2 m hinter der VA (mittig):

  • HA-Anteil der Ladung: 6 t x 2 / 4 = 3 t
  • VA-Anteil der Ladung: 6 t x 2 / 4 = 3 t
  • HA gesamt: 6 + 3 = 9 t (unter 10 t ✓)
  • VA gesamt: 4 + 3 = 7 t (genau 7 t ✓)

Gleiches Gesamtgewicht, gleiche Ladung. Nur durch das Verschieben des Schwerpunkts um 1,5 m nach vorne sinkt die HA-Last von 11,25 auf 9 Tonnen. Der entscheidende Schritt nach der Berechnung: Vergleiche jede Einzelachslast mit dem zulässigen Grenzwert aus dem Fahrzeugschein. Erst wenn beide Achsen im Rahmen liegen, ist die Beladung freigegeben.

Was droht bei Achslastüberschreitung?

Physikalische und rechtliche Folgen im Vergleich

Auch wenn das zulässige Gesamtgewicht eingehalten ist, hat eine Achslastüberschreitung ernste Folgen. Sie lassen sich in zwei Kategorien trennen:

Physikalische Folgen:

  1. Erhöhter Reifenverschleiss und Reifenplatzer: Die überlasteten Reifen erhitzen stärker. Bei Autobahngeschwindigkeit kann ein Reifen platzen.
  2. Verlängerter Bremsweg: Überlastete Achsen bremsen ungleichmässig. Auf nasser Fahrbahn kann das Fahrzeug ins Schleudern geraten.

Rechtliche Folgen:

  1. Bussgeld und Punkte: Bis zu 425 Euro und ein Punkt in Flensburg. Bei mehr als 20 % Überschreitung drohen noch höhere Strafen.
  2. Fahrzeugstilllegung und Haftung: Die Polizei kann die Weiterfahrt untersagen, bis umgeladen wird. Bei einem Unfall haftet die verladende Person persönlich, wenn die Überladung den Schaden verursacht hat.

Zurück an den Planungstisch

Im Szenario vom Anfang stehen die schweren Paletten hinten wegen der Entladereihenfolge. Die Lösung: Einen Teil der schweren Paletten weiter nach vorne verlagern und die Entladereihenfolge durch geschicktes Stapeln sicherstellen, etwa indem leichtere Güter vor den schweren stehen, aber seitlich zugänglich bleiben. Berechne nach jeder Änderung im Stauplan die Achslasten neu. Erst rechnen, dann fahren.

Lernziele

  • den Einfluss der Schwerpunktlage auf die Achslastverteilung und Fahrstabilität eines LKW zu erklären, indem beschrieben wird, wie eine zu weit vorne oder hinten platzierte Schwerlast die Vorderachse entlastet bzw. die Hinterachse überlastet, welche Auswirkung das auf Lenkverhalten und Bremsweg hat, und welche Stauposition den Schwerpunkt optimal über die Antriebsachse bringt
  • die Achslastverteilung für einen vorgegebenen Beladungsplan zu berechnen, indem Ladungsgewichte und Abstände zur jeweiligen Achse korrekt in die Berechnung einfließen, die Einzelachslasten ermittelt und mit den zulässigen Grenzwerten verglichen werden
  • die physikalischen und rechtlichen Konsequenzen einer Achslastüberschreitung zu differenzieren, indem mindestens 2 physikalische Folgen (z.B. Reifenverschleiß, Bremsversagen) und mindestens 2 rechtliche Folgen (z.B. Bußgeld, Haftung, Fahrzeugstilllegung) getrennt aufgeführt und begründet werden
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