Lernfeld 7: Güter verladen

Kostenorientierte Ladeoptimierung

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Kostenorientierte Ladeoptimierung

Warum bezahlt dein Betrieb für leere Luft im LKW?

840 Euro Verschwendung in einer Woche

Was passiert, wenn drei LKW in derselben Woche dieselbe Region anfahren, aber keiner auch nur halb voll ist? Genau das liegt Freitagvormittag um 11 Uhr auf deinem Schreibtisch im Dispositionsbüro. Drei Speditionsrechnungen, alle mit gelbem Textmarker markiert. Zusammen stehen da 2.040 Euro auf dem Tisch. Eine einzige Komplettladung für dieselbe Strecke hätte 1.200 Euro gekostet. Das sind 840 Euro Mehrkosten, weil dein Betrieb dreimal für Laderaum bezahlt hat, den niemand genutzt hat. Hochgerechnet aufs Jahr: über 43.000 Euro für leere Luft.

Teilladung und Komplettladung: Wo liegt der Hebel?

Dein Wissen über Verrechnungsgewicht und Ladeplanung ist die Grundlage für den nächsten Schritt: die Frage, wie sich Laderaum wirtschaftlich auslasten lässt.

Bei einer Teilladung (LTL - Less than Truckload) bucht dein Betrieb nur einen Teil der Ladefläche. Die Spedition füllt den Rest mit Sendungen anderer Auftraggeber. Du zahlst pro Lademeter oder pro Gewichtseinheit, aber der Preis pro Palette ist hoch, weil Umschlag, Sortierung und Zustellung aufwendiger sind.

Bei einer Komplettladung (FTL - Full Truckload) mietet dein Betrieb den gesamten LKW. Der Gesamtpreis ist höher als eine einzelne Teilladung, aber der Preis pro Palette sinkt drastisch, weil der LKW direkt von A nach B fährt, ohne Zwischenstopps.

Wie rechnest du den Kostenvorteil einer Bündelung aus?

Worked Example: Drei Teilladungen vs. eine Komplettladung

Zurück zu den drei Rechnungen auf deinem Schreibtisch. So rechnest du Schritt für Schritt:

Schritt 1 - Gesamtkosten LTL ermitteln: 3 Teilladungen x 680 € = 2.040 €

Schritt 2 - Kosten FTL ermitteln: 1 Komplettladung (Relation identisch) = 1.200 €

Schritt 3 - Auslastungsgrad berechnen: 30 Paletten / 33 Stellplätze = 90,9 % Auslastung

Schritt 4 - Einsparung berechnen: 2.040 € - 1.200 € = 840 € Einsparung Pro Palette: 840 € / 30 Paletten = 28 € pro Palette

Der Auslastungsgrad zeigt dir sofort, ob sich eine Bündelung lohnt. Ab etwa 80 % Auslastung ist eine FTL-Buchung fast immer günstiger als mehrere LTL-Sendungen.

Jetzt du: Andere Woche, andere Zahlen

In der nächsten Woche sieht es anders aus. Zwei Teilladungen gehen nach Hamburg:

  • LTL 1: 14 Paletten, Frachtkosten 520 €
  • LTL 2: 8 Paletten, Frachtkosten 420 €

Eine Komplettladung nach Hamburg kostet pauschal 780 €. Der LKW fasst 33 Stellplätze.

Der Auslastungsgrad beträgt ___ / 33 = ___ %. Die Einsparung liegt bei ___ € insgesamt und ___ € pro Palette.

Schnell verladen oder jeden Zentimeter nutzen?

Der Zielkonflikt im Alltag

Bündelung klingt einfach: Alles in einen LKW, fertig. In der Praxis stehst du aber vor einer Abwägung. Schnelles Verladen spart Personalkosten und hält den Zeitplan ein. Maximales Raumausnutzen senkt die Frachtkosten pro Palette, braucht aber mehr Zeit und Planung.

Drei wirtschaftliche Kriterien helfen dir bei der Entscheidung:

  1. Zeitdruck: Wartet die Produktion beim Empfänger auf die Ware? Dann wiegt eine Stunde Verzögerung an der Rampe schwerer als 5 % ungenutzter Laderaum.
  2. Leerraum-Kosten: Fährt der LKW eine teure Fernstrecke (z.B. 1.200 € nach München), lohnt sich jede zusätzliche Palette. Bei einer kurzen Nahverkehrstour mit 180 € Frachtkosten fällt der Effekt kaum ins Gewicht.
  3. Folgekosten durch Ladeunterbrechung: Wenn du den LKW an der Rampe blockierst, weil du noch drei Paletten umstapeln willst, staut sich der Wareneingang. Andere Fahrzeuge warten, Rampenzeiten verschieben sich, Standgeld fällt an.

Deine Handlungsempfehlung formulieren

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die richtige Entscheidung hängt immer vom konkreten Szenario ab. Dein Vorgehen als Faustregel:

  • Hoher Zeitdruck + kurze Strecke: Schnell verladen, moderate Auslastung akzeptieren.
  • Kein Zeitdruck + teure Fernstrecke: Jeden Stellplatz nutzen, sorgfältig stauen.
  • Gemischte Lage: Auslastung von mindestens 80 % anpeilen und die verbleibende Zeit für Ladungssicherung nutzen, nicht für Tetris mit der letzten Palette.

Entscheidend ist, dass du die Abwägung bewusst triffst und mit Zahlen begründen kannst, statt aus Gewohnheit immer gleich zu handeln.

Lernziele

  • den Zielkonflikt zwischen Verladeschnelligkeit und maximaler Raumnutzung für ein betriebliches Szenario zu beurteilen, indem die Entscheidung mit mindestens 3 wirtschaftlichen Kriterien (z.B. Zeitdruck, Leerraum-Kosten, Folgekosten durch Ladeunterbrechung) plausibel begründet und eine klare Handlungsempfehlung formuliert wird
  • den Kostenvorteil einer LTL-Bündelung zur FTL-Sendung zu berechnen, indem der Auslastungsgrad des Laderaums in Prozent ermittelt, die Frachtkosten beider Varianten gegenübergestellt und die Einsparung pro Sendung in Euro ausgewiesen wird
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