Gewichte und Kräfte beim Verladen

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Was du nach diesem Konzept kannst 3
  1. Du bist in der Lage, die bei Vollbremsung und Kurvenfahrt auf eine Palette wirkenden Kräfte zu berechnen ,

    indem für drei Lastfälle mit gegebener Masse und Beschleunigungsfaktor die resultierende Kraft nach F = m × a in Newton ermittelt, auf ganze Newton gerundet und die notwendige Sicherungskraft als Differenz zwischen Trägheitskraft und maximal nutzbarer Reibungskraft schriftlich nachvollziehbar hergeleitet wird.

  2. Du bist in der Lage, die beim Fahrbetrieb auf Ladegut wirkenden Kräfte zu erklären ,

    indem Massenträgheit, Fliehkraft, Brems- und Beschleunigungskraft mit Wirkrichtung und typischen Beschleunigungswerten (0,8 g nach vorn, 0,5 g seitlich und hinten) beschrieben werden.

  3. Du bist in der Lage, den Zusammenhang zwischen Beladung und Achslastverteilung zu analysieren ,

    indem für ein Pritschenfahrzeug bei drei verschiedenen Ladungsanordnungen die Auswirkungen auf Vorder- und Hinterachslast rechnerisch nachvollzogen und Überlastungen identifiziert werden.

500 Kilo reichen doch, oder?

Die Palette hat sich bewegt

Die 500-kg-Testpalette ist 40 Zentimeter nach vorn gerutscht und hat eine tiefe Schrammspur im Holzboden hinterlassen. Donnerstagvormittag, 08:15 Uhr an der Laderampe. Der Bremstest aus 30 km/h ist gerade vorbei. Vorhin hieß es noch: "Die ist schwer genug, die bleibt stehen."

Die Palette stand tief auf der Ladefläche, der Schwerpunkt war niedrig. Trotzdem hat die Bremsung sie verschoben. Niedriger Schwerpunkt schützt vor Kippen, aber nicht vor Rutschen. Dafür ist eine andere Kraft verantwortlich: die Massenträgheit.

Welche Kraft hat die Palette nach vorn gedrückt, und warum hat ihr Eigengewicht allein nicht gereicht?

Drei Kräfte im Fahrbetrieb

Beim Fahren wirken auf jedes Ladegut drei Kräfte:

  1. Bei Vollbremsung wirkt die Massenträgheit: Die Ladung will mit der bisherigen Geschwindigkeit weiterfahren. Wirkrichtung: nach vorn. Faktor laut VDI 2700 Blatt 2 (Berechnung von Sicherungskräften): 0,8 g.
  2. In Kurven entsteht Fliehkraft: Die Ladung will geradeaus weiterfahren, während das Fahrzeug abbiegt. Wirkrichtung: seitlich nach außen. Faktor: 0,5 g.
  3. Beim Anfahren drückt die Beschleunigungskraft die Ladung nach hinten. Faktor: 0,5 g.

Die höchste Belastung entsteht bei der Vollbremsung. Mit 0,8 g wirkt fast das gesamte Eigengewicht als horizontale Kraft nach vorn.

🎬 Vorstellung: Stell dir vor, du stehst neben der Pritsche und siehst die 40-cm-Schrammspur. Das war bei 30 km/h. Was passiert bei einer Vollbremsung aus 50 km/h auf der Landstraße?

Wie viel Newton drücken die Palette nach vorn?

F = m × a in drei Lastfällen

Die Formel lautet: F = m × a. Kraft (F) in Newton ergibt sich aus Masse (m) in Kilogramm mal Beschleunigung (a). Die Beschleunigung berechnest du aus dem Faktor mal g = 9,81 m/s².

Drei Lastfälle für die 500-kg-Palette:

Bei einer Vollbremsung drücken fast 4.000 Newton die Palette nach vorn. Das entspricht der Gewichtskraft einer 400-kg-Masse, die horizontal wirkt.

Reibung reicht nicht

Die einzige Kraft, die ohne Sicherungsmittel gegen das Rutschen wirkt, ist die Reibungskraft. Sie berechnet sich aus dem Reibbeiwert (μ) mal der Gewichtskraft:

Reibungskraft = μ × m × g = 0,2 × 500 × 9,81 = 981 N

Der Reibbeiwert μ ≈ 0,2 gilt nach VDI 2700 Blatt 2 als Richtwert für trockene Holzpalette auf trockener Stahl-Ladefläche.

Jetzt die entscheidende Differenz bei Vollbremsung: 3.924 N minus 981 N = 2.943 N. Diese 2.943 Newton müssen Zurrgurte, Antirutschmatten oder eine formschlüssige Sicherung auffangen. Ohne Ladungssicherung rutscht die Palette genauso, wie du es beim Bremstest gesehen hast.

🔮 Bevor du weiterliest: Was verändert sich an den Achslasten des Fahrzeugs, wenn du die 500-kg-Palette statt mittig ganz nach hinten an die Ladekante schiebst?

Wo steht die Palette am sichersten?

Drei Positionen, drei Achslastverteilungen

Zurück zum Bremstest: Die Palette stand mittig auf der Ladefläche. Aber wo du die Ladung platzierst, beeinflusst nicht nur die Rutschgefahr, sondern auch die Achslastverteilung.

Beispiel: Pritschenfahrzeug mit 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht. Leergewicht 2.100 kg (Vorderachse 1.300 kg, Hinterachse 800 kg). Zulässige Achslast: vorn 1.800 kg, hinten 2.000 kg. Du lädst 1.200 kg auf.

Steht die Ladung mittig über der Hinterachse, steigt diese auf 2.000 kg. Die Vorderachse bleibt bei 1.300 kg. Beide im zulässigen Bereich.

Schiebst du die Ladung ganz nach hinten an die Ladekante, kippt die Verteilung: Durch die Hebelwirkung steigt die Hinterachse über 2.000 kg. Gleichzeitig sinkt die Vorderachslast unter 1.100 kg. Die Vorderräder verlieren Bodenhaftung, die Lenkung wird schwammig.

Packst du alles direkt hinter die Fahrerkabine, ist die Vorderachse mit über 1.800 kg überlastet. Reifenverschleiß und Bremsenbelastung vorn steigen.

Kräfte und Achslast zusammen denken

Bei falscher Beladung kommen zwei Probleme zusammen: Die berechneten Kräfte (bis zu 3.924 N bei Vollbremsung, abzüglich 981 N Reibung bleibt eine Sicherungslücke von 2.943 N) treffen auf ein Fahrzeug, dessen Achsen durch die Fehlbeladung ungleich greifen. Bei hecklastiger Beladung verliert die Vorderachse Bremswirkung. Gleichzeitig drückt die Massenträgheit die Ladung mit voller Kraft nach vorn.

Die Faustregel: Schwere Ladung gehört nah an den Fahrzeugschwerpunkt, leicht vor die Hinterachse. So bleiben beide Achsen gleichmäßig belastet und die Sicherungsmittel können die Kräfte optimal aufnehmen.

🤔 Frage dich: Was passiert mit der Achslastverteilung, wenn bei der hecklastigen Beladung eine Vollbremsung die 1.200-kg-Ladung nach vorn rutschen lässt?

Teste dein Wissen

Dein Fahrzeug beschleunigt nach einer Kurvenfahrt wieder geradeaus. Erkläre, welche zwei unterschiedlichen Kräfte dabei gleichzeitig auf eine ungesicherte Palette wirken, in welche Richtungen sie zeigen und warum sie nicht einfach addiert werden dürfen.

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