Lernfeld 7: Güter verladen

Gefahrgutklassen nach ADR

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Gefahrgutklassen nach ADR

Welche Klasse steckt hinter der Zahl auf dem Gefahrzettel?

Klasse 9 - was soll das sein?

"Die Palette da vorne - weißt du, was die 9 auf dem Gefahrzettel bedeutet?" Deine Kollegin zeigt auf einen Karton im Gefahrstofflager. Es ist Mittwochnachmittag, 14:45 Uhr. Im Lieferschein steht "Lithium-Ionen-Akkus, UN 3481". Was passiert, wenn bei der Verantwortungsübergabe an der Rampe niemand diese Klasse einordnen kann?

Die Klasse 9 im ADR steht für verschiedenartige gefährliche Stoffe und Gegenstände. Sie ist eine Auffangklasse: Alles, was gefährlich ist, aber in keine der Klassen 1 bis 8 passt, landet hier. Lithium-Ionen-Akkus gehören dazu, weil sie drei spezifische Gefahren mitbringen:

  1. Thermal Runaway - eine unkontrollierte Kettenreaktion, bei der sich die Zelle immer weiter aufheizt
  2. Kurzschlussgefahr - schon eine kleine mechanische Beschädigung am Gehäuse kann einen internen Kurzschluss auslösen
  3. Brandgefahr bei tiefem Entladen - stark entladene Zellen werden chemisch instabil und können sich entzünden

Auch Trockeneis (verdrängt Sauerstoff in geschlossenen Räumen) und magnetische Stoffe (stören Navigationssysteme) fallen in Klasse 9.

Die neun ADR-Klassen im Überblick

Das ADR (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route) teilt Gefahrgüter in neun Klassen nach ihrer Hauptgefahr ein:

  1. Klasse 1 - Explosive Stoffe
  2. Klasse 2 - Gase (z.B. Druckgasflaschen)
  3. Klasse 3 - Entzündbare flüssige Stoffe (z.B. Lacke, Benzin)
  4. Klasse 4 - Entzündbare feste Stoffe, selbstentzündliche Stoffe, Stoffe mit Wasser-Gasgefahr
  5. Klasse 5 - Entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe und organische Peroxide
  6. Klasse 6 - Giftige und ansteckungsgefährliche Stoffe
  7. Klasse 7 - Radioaktive Stoffe
  8. Klasse 8 - Ätzende Stoffe
  9. Klasse 9 - Verschiedenartige gefährliche Stoffe

Jede Klasse hat ein eigenes Gefahrsymbol (Gefahrzettel), das auf der Verpackung sichtbar sein muss. Die Zahl auf dem Zettel verrät dir sofort die Klasse.

Welche ADR-Klasse gehört zu welchem Gut?

Güter richtig zuordnen

Die ADR-Klassen werden greifbar, wenn du sie auf konkrete Güter anwendest:

  • Druckgasflasche (z.B. Propan) → Klasse 2 (Gase): steht unter hohem Druck, kann beim Erhitzen bersten
  • Farbdose mit LösemittelKlasse 3 (entzündbare Flüssigkeiten): der Lösemittelanteil verdampft leicht und bildet mit Luft ein zündfähiges Gemisch
  • Salzsäure-ReinigerKlasse 8 (ätzende Stoffe): greift Haut, Metall und Verpackungsmaterial an
  • Lithium-Ionen-AkkuKlasse 9 (verschiedenartige gefährliche Stoffe): Thermal Runaway, Kurzschluss- und Brandgefahr

Der Schlüssel ist immer die charakteristische Gefährlichkeitseigenschaft: Nicht der Verwendungszweck entscheidet über die Klasse, sondern die physikalische oder chemische Hauptgefahr des Stoffes.

Zurück zur Palette im Gefahrstofflager

Du kannst deiner Kollegin jetzt antworten: Die Palette mit den Lithium-Ionen-Akkus gehört in den Lagerbereich für Klasse 9. Entscheidend ist, dass diese Akkus getrennt von entzündbaren Flüssigkeiten (Klasse 3) und oxidierenden Stoffen (Klasse 5) gelagert werden. Wärmequellen in der Nähe können einen Thermal Runaway auslösen, und bei einem ADR-Verstoß drohen Bußgelder bis 50.000 Euro.

In der Praxis gilt: Gefahrzettel lesen, Klasse identifizieren, Lagervorschrift nachschlagen. Wer die neun ADR-Klassen kennt, kann innerhalb von Sekunden entscheiden, ob eine Sendung Sonderbehandlung braucht.

Lernziele

  • Die ADR-Klassifizierung auf vorgegebene Güter umsetzen, indem bei 4 von 5 vorgegebenen Gütern (z. B. Farben, Druckgasflaschen, Batterien, Reinigungsmittel) die korrekte ADR-Klasse angegeben und die Einstufung mit der charakteristischen Gefährlichkeitseigenschaft kurz begründet wird
  • Die Einstufung von Lithium-Ionen-Akkus in ADR-Klasse 9 mit den gefahrbegründenden Eigenschaften erklären, indem mindestens 3 spezifische Eigenschaften (Thermal Runaway, Kurzschlussgefahr durch mechanische Beschädigung, Brandgefahr bei tiefem Entladen) in eigenen Worten beschrieben werden und die Funktion der Klasse 9 als Auffangklasse mit 2 weiteren alltäglichen Beispielgütern (z. B. Trockeneis, magnetische Stoffe) belegt wird
  • Die Gefahrgutklassen nach ADR benennen, indem mindestens 7 von 9 ADR-Klassen mit der zugehörigen Hauptgefahr (z.B. Klasse 2: Gase, Klasse 3: entzündbare flüssige Stoffe) korrekt angegeben werden
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