Lernfeld 2: Güter lagern

Umweltaspekte der Lagerhaltung

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Umweltaspekte der Lagerhaltung

Wer zahlt für den Müll im Lager?

840 Euro für Kartonagen im Restmüll

Wer zahlt eigentlich für drei Sonderleerungen pro Monat? Montagnachmittag, 14:30 Uhr, Nachhaltigkeitsbesprechung im kleinen Raum neben dem Lager. Auf dem Tisch liegen ausgedruckte Entsorgungsrechnungen. Deine Teamleitung zeigt die Zahlen: 840 Euro in einem einzigen Monat, weil leere Kartonagen lose im Restmüllcontainer gelandet sind. Jede Sonderleerung kostet 280 Euro. Hochgerechnet aufs Jahr gehen dem Betrieb mehrere Tausend Euro verloren.

Erinnerst du dich an die verschiedenen Funktionen der Lagerhaltung, von der Ausgleichs- bis zur Sicherungsfunktion? Bei genau diesen Abläufen fallen täglich Verpackungen, Energie und Abfall an. Jetzt sollst du konkrete Vorschläge machen, wie sich das ändern lässt.

Drei Maßnahmen, die im Lageralltag wirken

1. Ballenpresse für Kartonagen: Eine Ballenpresse verdichtet leere Kartons zu kompakten Ballen. Das Abfallvolumen sinkt um rund 90 %. Der entscheidende Punkt: Gepresste Kartonballen sind kein Restmüll mehr, sondern ein Wertstoff, den Recyclingunternehmen ankaufen. Statt Entsorgungskosten entsteht ein Erlös.

2. Bewegungsmelder in Lagergassen: In einem Hochregallager sind viele Gänge über Stunden leer. Bewegungsmelder schalten die Beleuchtung nur ein, wenn tatsächlich jemand den Gang betritt. Die Einsparung liegt bei 30 bis 50 % der Beleuchtungsenergie, weil Licht nicht mehr dauerhaft brennt.

3. Photovoltaikanlage auf dem Lagerdach: Lagerhallen bieten riesige, oft ungenutzte Dachflächen. Photovoltaikmodule wandeln Sonnenlicht in Strom um, der direkt für Kühlung, Fördertechnik und Beleuchtung genutzt wird. Besonders bei Tiefkühllagern mit hohem Grundverbrauch kompensiert die Anlage einen spürbaren Teil der Energiekosten.

Lohnen sich die Maßnahmen wirtschaftlich?

Ballenpresse vs. Photovoltaik im Kosten-Nutzen-Vergleich

Nicht jede Maßnahme rechnet sich gleich schnell. Zwei Beispiele im direkten Vergleich:

Die Ballenpresse kostet in der Anschaffung zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Im Besprechungsbeispiel spart der Betrieb allein durch den Wegfall der Sonderleerungen rund 10.000 Euro pro Jahr. Dazu kommt der Wertstofferlös für die Kartonballen. Die Amortisation liegt oft unter einem Jahr. Ökologisch steigt die Recyclingquote messbar, weil Kartonagen nicht mehr als Restmüll verbrannt werden.

Die Photovoltaikanlage erfordert eine deutlich höhere Investition: je nach Dachfläche 50.000 bis 200.000 Euro. Dafür sinken die Stromkosten um 20 bis 40 %, was bei einem Tiefkühllager mit hohem Verbrauch schnell fünfstellige Beträge pro Jahr ausmacht. Die Amortisation dauert 8 bis 12 Jahre. Die Umweltwirkung lässt sich in eingesparten Tonnen CO2 pro Jahr beziffern.

Maßnahmen systematisch bewerten

Die Bewertung folgt immer denselben vier Kriterien: Investitionskosten, jährliche Einsparung, Amortisationszeit und messbare Umweltwirkung (z. B. eingesparte kWh, reduziertes Abfallvolumen, vermiedene CO2-Emissionen). Eine Maßnahme mit niedriger Investition und schneller Amortisation wie die Ballenpresse lässt sich leichter durchsetzen als eine kapitalintensive Anlage mit langer Laufzeit. Trotzdem kann die Photovoltaikanlage langfristig die größere ökologische Wirkung entfalten. Für die Nachhaltigkeitsbesprechung heißt das: Beide Perspektiven gehören in die Entscheidung.

Lernziele

  • Umweltschutzmaßnahmen in der Lagerhaltung zu erklären, indem Funktionsweise und Umweltwirkung von mindestens 3 konkreten Maßnahmen (z.B. Bewegungsmelder in Lagergassen, Ballenpresse für Kartonagen, Photovoltaikanlage) korrekt beschrieben werden
  • Umweltschutzmaßnahmen in der Lagerhaltung nach Kosten und Nutzen zu bewerten, indem für 2 von 3 beschriebenen Maßnahmen eine begründete Einschätzung zur wirtschaftlichen Rentabilität und zur messbaren Umweltwirkung (z.B. Energieeinsparung in kWh, reduziertes Abfallvolumen) abgegeben wird
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