Lernfeld 2: Güter lagern

Physische Gütereigenschaften

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Physische Gütereigenschaften

Drei Lieferungen, kein passender Lagerplatz

Das Problem an der Rampe

Du rollst gerade die dritte Palette von der Rampe, als dein Teamleiter ruft: "Alles bis zur Pause einräumen!" An der Rampe stehen jetzt drei Lieferungen. Erste Palette: 800 kg Gusseisenteile. Zweite: vier Meter lange Kunststoffrohre. Dritte: überbreite Schaumstoffplatten. Im Lagerverwaltungssystem sind nur freie Fachbodenregalplätze mit 200 kg Tragkraft pro Boden verfügbar. Keines der drei Güter passt dort hinein. Die Gusseisenteile würden den Regalboden bei vierfacher Überlast zerstören. Die Rohre ragen anderthalb Meter in den Gang und blockieren den Staplerverkehr. Die Schaumstoffplatten passen in kein Standardfach.

Physische Gütereigenschaften als Schlüssel

Das Problem lässt sich nicht mit einem einzigen Regaltyp lösen. Jedes dieser drei Güter hat andere physische Eigenschaften, die eine bestimmte Lagereinrichtung erfordern. Gewicht, Länge, Form - genau diese Merkmale bestimmen, wo ein Gut sicher und effizient gelagert wird. Wer die physischen Eigenschaften eines Gutes nicht erkennt, riskiert Regalschäden, blockierte Gänge oder sogar Unfälle. Welche Eigenschaften das genau sind und wie du sie systematisch einordnest, erfährst du auf den nächsten Seiten.

Sieben Eigenschaften, die über die Lagereinrichtung entscheiden

Der vollständige Überblick

Sieben physische Eigenschaften bestimmen, wie ein Gut gelagert und transportiert wird:

  1. Gewicht - Wie schwer ist das Gut? Bestimmt die nötige Tragfähigkeit (z.B. Stahlträger nur auf Bodenblockplatz)
  2. Volumen - Wie viel Raum braucht es? Beeinflusst den Stellplatzbedarf (z.B. Großpackungen im Hochregal)
  3. Sperrigkeit - Passt die Form in Standardmaße? Überlange oder unförmige Güter brauchen Sonderlösungen (z.B. Rohre im Kragarmregal)
  4. Aggregatzustand - Fest, flüssig oder gasförmig? Bestimmt Behälterart und Lagertyp (z.B. flüssiger Stickstoff im Tankbehälter)
  5. Verderblichkeit - Wie schnell verdirbt das Gut? Erfordert Temperaturkontrolle und Zeitmanagement (z.B. Frischware im Kühlbereich)
  6. Empfindlichkeit - Reagiert es auf Stöße, Feuchtigkeit oder Licht? Verlangt Schutzmaßnahmen (z.B. Elektronik in gepolsterten Fächern)
  7. Gefährlichkeit - Geht vom Gut eine Gefahr aus? Erfordert gesetzlich vorgeschriebene Lagerung (z.B. Lacke im Gefahrstofflager)

Wie Gewicht, Aggregatzustand und Sperrigkeit die Einrichtung bestimmen

Drei Eigenschaften wirken sich besonders direkt auf die Wahl der Lagereinrichtung aus:

Gewicht bestimmt die Tragfähigkeit. Schwere Güter wie Motorblöcke oder Stahlplatten dürfen nicht in Fachbodenregale mit begrenzter Lastkapazität. Sie kommen auf Bodenblockplätze oder in Schwerlastregale mit verstärkten Traversen.

Aggregatzustand verändert die gesamte Lagerlogik. Ein Betrieb, der festes Trockeneis lagert, braucht nur eine Isolierbox. Muss derselbe Betrieb plötzlich flüssigen Stickstoff einlagern, sind druckfeste Tankbehälter und Belüftungssysteme nötig.

Sperrigkeit beeinflusst den Stellplatzbedarf. Güter, die über Standardmaße hinausragen, blockieren Gänge und gefährden den Staplerverkehr. Für überlange Teile eignen sich Kragarmregale, die seitlich frei zugänglich sind.

Zurück an die Rampe: Welches Gut kommt wohin?

Die Lösung für die drei Lieferungen

Jetzt kannst du die drei Paletten von Seite 1 systematisch zuordnen:

Gusseisenteile (800 kg): Die entscheidende Eigenschaft ist das Gewicht. Bei vierfacher Überlast für das Fachbodenregal kommen nur ein Bodenblockplatz oder ein Schwerlastfach in Frage. Dort liegt das Gut direkt auf dem Hallenboden oder auf Traversen mit entsprechender Tragkraft.

Kunststoffrohre (4 m lang): Hier ist die Sperrigkeit das Problem. Die Rohre passen in kein Standardfach und ragen in den Gang. Ein Kragarmregal nimmt Langgut seitlich auf, ohne den Verkehrsweg zu blockieren.

Schaumstoffplatten (überbreit): Wieder Sperrigkeit, aber diesmal in der Breite. Eine Freistellfläche oder ein Großraumfach bietet den nötigen Platz, ohne dass die Platten andere Lagerplätze blockieren.

Dein nächster Wareneingang

Das Prinzip bleibt immer gleich: Zuerst die physischen Eigenschaften des Gutes identifizieren, dann die passende Lagereinrichtung ableiten. Ob 200-Liter-Fässer mit Gefahrstoffen, empfindliche Glasscheiben oder tiefgekühlte Lebensmittel - die sieben Eigenschaften geben dir jedes Mal den Rahmen vor. Wer diesen Schritt überspringt und einfach den nächsten freien Platz nimmt, riskiert Sachschäden, Unfälle oder verdorbene Ware.

Lernziele

  • Physische Gütereigenschaften zur Auswahl geeigneter Lagereinrichtungen anwenden, indem in 3 von 4 Fallbeispielen die physischen Eigenschaften des Gutes korrekt identifiziert, die geeignete Lagereinrichtung (z.B. Bodenblockplatz, Kragarmregal, Kühlbereich, Gefahrstofflager) bestimmt und die Wahl mit einem fachlichen Argument begründet wird
  • Physische Gütereigenschaften mit Lager- und Transportrelevanz auflisten, indem mindestens 5 von 7 Eigenschaften (Gewicht, Volumen, Aggregatzustand, Sperrigkeit, Gefährlichkeit, Verderblichkeit, Empfindlichkeit) korrekt benannt und für jede genannte Eigenschaft ein kurzes Beispiel für deren Bedeutung bei der Lagerung oder dem Transport angegeben wird
  • Den Einfluss physischer Gütereigenschaften auf die Lagereinrichtung erläutern, indem für die Eigenschaften Aggregatzustand, Gewicht und Sperrigkeit jeweils konkrete Auswirkungen auf die Lagereinrichtung (z.B. Regalsystem, Klimaanforderung, Stellplatzbedarf) beschrieben werden
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