Lernfeld 2: Güter lagern

Lagereinrichtungen

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Lagereinrichtungen

Welches Regalsystem verhindert verdorbene Ware?

400 Euro in der Tonne

Du schiebst eine Palette Naturjoghurt zur Seite, und der säuerliche Geruch trifft dich sofort. Dahinter stehen zwei weitere Paletten, drei Tage über dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Im Kühlraum eures temperaturgesteuerten Lagers hat neue Ware die alte verdeckt. Immer vorn eingelagert, immer vorn entnommen. Die hinteren Paletten sind einfach übersehen worden. Über 400 Euro Warenwert gehen in die Entsorgung.

Das Problem liegt nicht beim Lagerpersonal, sondern beim Regalsystem. Ein normales Palettenregal erlaubt freien Zugriff von einer Seite. Wer einlagert, stellt die neue Palette dorthin, wo Platz ist. Das Ergebnis: Die älteste Ware bleibt hinten stehen. Für verderbliche Güter mit FIFO-Pflicht (First In, First Out) ist das ein echtes Risiko. Deine Teamleitung erwartet bis Schichtende einen Vorschlag.

Die Lösung: Das Durchlaufregal

Ein Durchlaufregal (Flow Rack) löst das Problem konstruktionsbedingt. Die Regalkanäle sind leicht geneigt und mit Rollenbahnen ausgestattet. Neue Paletten werden auf der höheren Seite eingeschoben. Durch die Schwerkraft rutschen sie automatisch zur tieferen Entnahmeseite nach. Dort steht immer die älteste Ware bereit.

Drei Auswahlkriterien haben zu dieser Entscheidung geführt:

  1. Umschlagprinzip: FIFO ist Pflicht bei verderblichen Lebensmitteln. Das Durchlaufregal erzwingt FIFO, ohne dass jemand daran denken muss.
  2. Güterart: Standardisierte Paletten mit gleichartiger Ware (Joghurtbecher auf Europaletten) passen in die Kanäle.
  3. Zugriffsfrequenz: Joghurt wird täglich in großen Mengen bewegt. Das Regal trennt Ein- und Auslagerungsseite, sodass beide Vorgänge gleichzeitig laufen.

Sechs Regalsysteme und ihre Einsatzbereiche

Die gängigen Regalsystemtypen im Überblick

Neben dem Durchlaufregal gibt es fünf weitere Typen:

  1. Palettenregal (Schwerlastregal): Standardregal der Lagerlogistik. Jede Palette ist einzeln zugänglich. Einsatz: verschiedene Artikel mit hoher Zugriffshäufigkeit.
  2. Fachbodenregal: Feste Böden für Kleinteile, Kartons oder Ordner. Jede Box ist direkt greifbar. Einsatz: Ersatzteillager, Kommissionierung.
  3. Kragarmregal: Offene Tragarme ohne vordere Stützen, ideal für Langgüter wie Rohre, Balken oder Stahlprofile. Einsatz: Baustoffhandel, Holzhändler.
  4. Einfahrregal: Der Gabelstapler fährt direkt in die Regalkanäle hinein. Hohe Raumausnutzung, aber nur LIFO-Zugriff (Last In, First Out). Einsatz: große Mengen gleichartiger Ware ohne FIFO-Pflicht.
  5. Umlaufregal (Paternoster): Die Regale bewegen sich automatisch zum Lagerpersonal. Einsatz: hochwertige Kleinteile, z.B. Elektronikbauteile.

Zwei Szenarien zum Anwenden

Szenario A: Ein Holzhändler muss sechs Meter lange Fichtenbalken lagern. Die Balken werden einzeln per Kran entnommen. Welches Regalsystem passt?

Das Kragarmregal. Die Gütergeometrie (Langgut, 6 m) erfordert offene Tragarme ohne vordere Stützen. Der direkte Zugriff auf einzelne Balken ist gewährleistet, weil die Arme von vorn frei zugänglich sind.

Szenario B: Ein Ersatzteillager für Industrieschrauben. 800 verschiedene Artikelnummern, jede Box muss jederzeit einzeln greifbar sein.

Das Fachbodenregal. Die Güterart (Kleinteile in Boxen) passt auf feste Regalböden. Die direkte Zugänglichkeit jeder einzelnen Box ist entscheidend, weil Bestellungen beliebige Artikel enthalten können.

Lernziele

  • Geeignetes Regalsystem für betriebliche Szenarien begründet auswählen, indem für 2 von 2 beschriebenen Szenarien (z.B. sperrige Langgüter, schnelldrehende Lebensmittel mit FIFO-Pflicht) das passende Regalsystem bestimmt und die Entscheidung mit mindestens 2 Auswahlkriterien begründet wird
  • Gängige Regalsystemtypen im Lagerbetrieb benennen, indem 5 von 6 Regalsystemtypen (Palettenregal, Fachbodenregal, Kragarmregal, Durchlaufregal, Einfahrregal, Umlaufregal) korrekt genannt und einem typischen Einsatzbereich zugeordnet werden
  • Auswahlkriterien für Regalsysteme anhand von Güter- und Zugriffsanforderungen erläutern, indem die Kriterien Gütergeometrie, FIFO- oder LIFO-Anforderung und direkte Zugänglichkeit für 3 beschriebene Lagerszenarien korrekt erklärt werden
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