Lernfeld 2: Güter lagern

Lagerarten nach Standort

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Lagerarten nach Standort

Gleiche Ware, gleiches Lager, aber vier Tage Unterschied?

Süden: ein Tag. Norden: vier Tage.

Kund:innen in Stuttgart bekommen eure Ware am nächsten Tag. Kund:innen in Hamburg warten vier Tage. Dabei kommt alles aus demselben Lager. Samstagnachmittag, Strategiebesprechung: Als Auszubildende sitzt du mit am Tisch, als 14 Beschwerden aus Norddeutschland aufgelistet werden. Drei Großkund:innen drohen mit Vertragskündigung. Rund 200.000 Euro Jahresumsatz hängen daran, weil die Konkurrenz dort in 24 Stunden liefert.

Die Funktionen der Lagerhaltung klären, warum ein Lager existiert: Ausgleich, Sicherung, Sortiment. Jetzt stellt sich eine andere Frage: Wo sollte es stehen? Denn ein einziges Lager im Süden kann offensichtlich nicht ganz Deutschland gleich schnell versorgen.

Drei Lagertypen nach Standort

  1. Zentrallager: Ein einziger Standort für das gesamte Versorgungsgebiet, oft zentral im Land oder nahe der Produktion. Alle Bestände an einem Ort, volle Übersicht. Nachteil: lange Wege zu entfernten Kund:innen. Typischer Radius: mehrere hundert Kilometer.
  2. Dezentrallager: Mehrere Standorte verteilt über das Versorgungsgebiet. Jeder bedient die Kund:innen in seiner Nähe. Kurze Lieferwege, aber die Bestände verteilen sich und die Übersicht wird schwieriger. Typischer Radius: 50 bis 150 Kilometer.
  3. Regionallager: Ein Kompromiss. Wenige Standorte in strategisch gewählten Regionen (z.B. Nord, Süd, West). Jedes Regionallager versorgt ein größeres Gebiet. Typischer Radius: 150 bis 300 Kilometer.

Was ändert sich beim Wechsel von zentral zu dezentral?

Drei Dimensionen im Vergleich

Das Unternehmen überlegt, vom Zentrallager Stuttgart auf drei Standorte umzustellen (Stuttgart, Hannover, Berlin). Was ändert sich konkret?

  • Transportkosten: Die Kilometer pro Lieferung sinken, weil jeder Standort nur seine Region bedient. Gleichzeitig steigen die Fixkosten: drei Lagerhallen, drei Teams, dreifache Miete.
  • Lieferzeit: Kund:innen in Norddeutschland bekommen ihre Ware am nächsten Tag statt nach vier Tagen. Das war das Kernproblem aus der Besprechung.
  • Bestandsübersicht (Bestandstransparenz): Beim Zentrallager wusstet ihr sofort, wie viele Teile auf Lager sind. Bei drei Standorten müsst ihr die Bestände synchronisieren. Ohne ein vernetztes Warenwirtschaftssystem verliert ihr den Überblick: Liegt das Ersatzteil in Hannover oder in Berlin?

Zurück zur Besprechung: Welche Strategie passt?

Zwei Argumente sprechen hier für ein Regionallager statt einer voll dezentralen Lösung:

  1. Die Beschwerden kommen gezielt aus einer Region (Norddeutschland). Ein zusätzliches Regionallager in Hannover würde die Lieferzeit dort auf unter 24 Stunden drücken, ohne die Bestandsübersicht so stark zu zersplittern wie bei fünf dezentralen Standorten.
  2. Die Investitionskosten bleiben überschaubar: ein zweiter Standort statt drei oder vier neue Lager.

Die richtige Standortstrategie hängt immer von drei Faktoren ab: Kundenverteilung, Lieferzeitanforderungen und Budget für Lagerinfrastruktur.

Lernziele

  • Zentrallager, Dezentrallager und Regionallager zu beschreiben, indem Standortlogik, typische Entfernungsradien und Anwendungsbereiche für alle 3 Lagertypen in eigenen Worten korrekt beschrieben werden
  • eine begründete Lagerstandortstrategie aus Betriebsdaten zu analysieren und zu entwickeln, indem aus 2 von 2 beschriebenen Betriebsszenarien jeweils eine passende Standortstrategie (zentral, dezentral oder regional) mit mindestens 2 nachvollziehbaren Begründungen entwickelt wird
  • die Auswirkungen einer Standortstrategie auf Transport und Lieferzeit zu analysieren, indem für ein vorgegebenes Praxisszenario (z.B. Ersatzteilhändler) die Veränderungen in mindestens 3 Dimensionen (Transportkosten, Lieferzeit, Bestandstransparenz) konkret beschrieben werden
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