Lernfeld 2: Güter lagern

Lagerarten nach Eigentümer

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Lagerarten nach Eigentümer

Drei Paletten im Regen - wer löst das Platzproblem?

Kein Stellplatz, steigende Kosten

Drei Paletten Saisonware stehen ungeschützt auf dem Hof. Es ist Freitagvormittag, 11:15 Uhr, und im Dispositionsbüro klingelt dein Telefon. Deine Teamleiterin meldet: Bis Mittwoch kommen noch zehn Paletten nach. Im Lager ist kein einziger Stellplatz mehr frei. Draußen trommelt Regen auf die Kartons.

Bleibt die Ware dort stehen, drohen Feuchtigkeitsschäden und Vertragsstrafen bei verspäteter Kundenlieferung. Zusammen schnell 5.000 Euro oder mehr. Ein neues Lager bauen? Dauert Monate, kostet sechsstellig. Die Frage lautet: Welche Möglichkeiten gibt es, kurzfristig an Lagerfläche zu kommen, ohne selbst zu bauen?

Die Funktionen der Lagerhaltung sind die Grundlage für diese Entscheidung: Du kennst bereits die Ausgleichsfunktion, die genau solche saisonalen Mengenschwankungen abfedert. Jetzt geht es darum, wem das Lager gehört, das diese Funktion erfüllt.

Drei Lagerarten nach Eigentümer:in

Für die Lagerfläche gibt es genau drei Modelle:

  1. Eigenlager: Das Unternehmen besitzt die Immobilie und betreibt sie selbst. Grundstück, Gebäude, Regalsysteme, Personal - alles liegt in eigener Hand. Die Verfügbarkeit ist dauerhaft und uneingeschränkt, aber die Fixkosten (Abschreibungen, Instandhaltung, Versicherung) laufen auch bei leeren Regalen weiter.
  2. Fremdlager: Ein externer Logistikdienstleister übernimmt die komplette Lagerung. Du lieferst die Ware an, die Spedition lagert ein, kommissioniert und versendet. Du zahlst pro Palette oder pro Auftrag - also variable Kosten. Eigenes Personal oder Gebäude brauchst du nicht.
  3. Mietlager: Du mietest Lagerfläche oder einzelne Stellplätze an, betreibst das Lager aber selbst. Der Mietvertrag läuft oft befristet. Du hast mehr Kontrolle als beim Fremdlager, trägst aber die Betriebskosten (Personal, Technik) zusätzlich zur Miete.

Was kostet welche Lagerart wirklich?

Fixkosten, variable Kosten, Flexibilität im Vergleich

Der entscheidende Unterschied zwischen den Lagerarten liegt in der Kostenstruktur:

  • Fixe Kosten: Das Eigenlager verursacht die höchsten Fixkosten. Abschreibungen auf Gebäude und Technik, Grundsteuer, Versicherung und Gehälter fallen an, egal ob das Lager voll oder leer ist. Beim Fremdlager entfallen diese Posten komplett. Das Mietlager liegt dazwischen: Die Miete ist fix, Betriebskosten kommen obendrauf.
  • Variable Kosten: Beim Fremdlager zahlst du pro eingelagerter Palette und pro Kommissionierauftrag. Bei hohem Volumen wird das teuer. Im Eigenlager bleiben die laufenden Kosten pro Einheit niedrig, weil Infrastruktur und Personal schon bezahlt sind.
  • Anpassungsfähigkeit bei Bedarfsschwankungen: Hier liegt der größte Hebel. Das Fremdlager lässt sich innerhalb von Tagen hochskalieren. Brauchst du im Januar nur 50 Stellplätze und im November 500? Kein Problem. Das Eigenlager ist starr: Zu viel Fläche im Sommer kostet Geld, zu wenig im Winter erzeugt genau das Problem vom Freitagmorgen.

Wann lohnt sich welches Modell?

Eine Faustregel aus der Praxis: Je gleichmäßiger der Lagerbedarf über das Jahr verteilt ist, desto eher rechnet sich ein Eigenlager. Je stärker die Schwankungen, desto attraktiver werden Fremd- oder Mietlager.

Ein Start-up mit unklarer Auftragslage bindet sich nicht an ein Eigenlager. Es zahlt lieber etwas mehr pro Palette beim Fremdlager und spart sich dafür Investitionen in Gebäude, Gabelstapler und Lagerpersonal. Eine Großbäckerei mit konstantem Mehlverbrauch dagegen profitiert von der niedrigen Stückkostenbelastung im Eigenlager, weil die Fixkosten auf ein stabiles, hohes Volumen verteilt werden.

Welche Lagerart passt zu welchem Betrieb?

Szenario-Bewertung: Spielzeughersteller im Saisongeschäft

Zurück ins Dispositionsbüro: Der Spielzeughersteller aus dem Eingangsproblem hat einen extrem saisonalen Bedarf. Von September bis November explodiert das Lagervolumen, ab Januar steht die Hälfte leer.

Die Empfehlung: Ein Fremdlager als Ergänzung zum bestehenden Eigenlager. Zwei Argumente sprechen dafür:

  1. Keine Fixkosten in der Nebensaison: Nach Weihnachten werden die zusätzlichen Stellplätze beim Dienstleister einfach gekündigt. Es fallen null Kosten für leere Fläche an.
  2. Sofortige Verfügbarkeit: Innerhalb weniger Tage lassen sich beim Logistikdienstleister Hunderte Palettenstellplätze buchen. Ein Neubau oder ein Mietvertrag braucht Wochen bis Monate.

Deine Einschätzung: Die Großbäckerei mit konstantem Mehlbedarf

Eine Großbäckerei verarbeitet jeden Tag die gleiche Menge Mehl. Der Lagerbedarf schwankt kaum. Die Ware ist empfindlich (Feuchtigkeit, Schädlinge) und muss unter kontrollierten Bedingungen gelagert werden.

Hier dreht sich die Bewertung: Ein Eigenlager ist strategisch sinnvoller, weil die Bäckerei volle Kontrolle über Temperatur, Hygiene und Zugang braucht. Die hohen Fixkosten verteilen sich auf ein konstant hohes Volumen und drücken die Kosten pro Tonne Mehl nach unten.

Lernziele

  • Eigenlager, Fremdlager und Mietlager zu erläutern, indem Eigentümerschaft, Kostentragung und Verfügbarkeitsgrad für alle 3 Lagerarten korrekt und vollständig beschrieben werden
  • die geeignete Eigentümerstruktur für Lagerbetriebe zu bewerten, indem für 2 von 3 beschriebenen Betriebsszenarien (z.B. saisonaler Spielzeughersteller, Großbäckerei) eine begründete Empfehlung für Eigen-, Fremd- oder Mietlager mit mindestens 2 Argumenten formuliert wird
  • die Kostenstrukturen von Eigenlager und Fremdlager zu vergleichen, indem mindestens 3 Vergleichsdimensionen (fixe Kosten, variable Kosten, Anpassungsfähigkeit bei Bedarfsschwankungen) strukturiert gegenübergestellt werden
Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.