Warum passen 40 Paletten nicht auf 96 Quadratmeter?
Der Grundriss täuscht
Auf dem Grundriss von Halle 3 sieht der freie Bereich riesig aus: 12 Meter lang, 8 Meter breit, 96 Quadratmeter. Samstag, 09:00 Uhr im Planungsbüro. Du rechnest schnell: Eine Euro-Palette braucht 0,96 m². Also 96 geteilt durch 0,96 = 100 Stellplätze. Am Freitag kommen 40 Paletten Aktionsware. Passt locker.
Deine Lagerleiterin Kasia wirft einen Blick auf deine Rechnung und schüttelt den Kopf. "Da fehlt die Hälfte. Wo fährt der Stapler? Wie hoch ist die Decke? Und was macht die Sprinkleranlage?"
Die Lagerflächen und Zonen aus dem Grundriss sind die Grundlage für jede Kapazitätsberechnung. Aber Fläche allein reicht nicht. Du brauchst auch die Höhe.
Welche Abzüge stecken im Grundriss?
Drei Faktoren machen die reine Grundflächenrechnung unbrauchbar:
- Gabelstapler brauchen mindestens 3 Meter breite Gänge. Verkehrsflächenanteil: typisch 25-40 % (Schmalganglager 15-25 %, Breitganglager 30-40 %). In Halle 3 setzen wir 40 % an. Aus 96 m² werden 57,6 m² Netto-Lagerfläche.
- Die Decke ist 4 Meter hoch, aber die Sprinkleranlage verlangt Mindestabstand 500 mm (Oberkante Lagergut zum Sprinklerkopf) nach DIN EN 12845; bei ESFR-Sprinklern in Hochregallagern können 1000 mm gefordert sein. Bleiben 3,5 Meter nutzbare Höhe.
- Jede Palette ist 1,80 m hoch. Zwei übereinander ergeben 3,60 m, das übersteigt die 3,5 m. Also nur eine Ebene bei Bodenlagerung.
🎬 Vorstellung: Stell dir den Grundriss vor: 12 mal 8 Meter, Gabelstapler-Gänge schraffiert, Sprinklerköpfe an der Decke. Wie viel Fläche bleibt wirklich für Paletten?
Wie rechnest du Stellplätze und Nutzvolumen?
Palettenkapazität in drei Schritten
Kasias Korrektur in Zahlen. So berechnest du die Stellplätze für Halle 3:
- Bruttofläche ermitteln: 12 m × 8 m = 96 m²
- Verkehrsflächen abziehen (40 %): 96 m² × 0,60 = 57,6 m² Netto-Lagerfläche
- Durch Palettenmaß teilen: 57,6 m² / 0,96 m² = 60 Stellplätze
Statt 100 Paletten passen 60 auf die Fläche. Für die 40 Paletten am Freitag reicht das. Aber wenn eine zweite Lieferung mit 30 Paletten kommt, wird es eng.
Vom Quadratmeter zum Kubikmeter
Die Stellplatzrechnung zeigt dir die Kapazität pro Ebene. Das Nutzvolumen zeigt dir, wie viel Raum insgesamt zur Verfügung steht:
Nutzvolumen = Netto-Lagerfläche × nutzbare Höhe = 57,6 m² × 3,5 m = 201,6 m³
Jede Palette belegt 0,8 × 1,2 × 1,8 = 1,73 m³. Rein rechnerisch passen 201,6 / 1,73 = 116 Paletten ins Volumen. Praktisch aber nur 60, weil du bei Bodenlagerung nicht zwei Ebenen stapeln kannst. Die Lücke zwischen 116 und 60 ist verschenkter Raum.
🔮 Bevor du weiterliest: Was passiert mit der Stellplatzanzahl, wenn Halle 3 ein 10-Meter-Hochregallager wäre, bei gleicher Grundfläche?
Gleiche Fläche, fünfmal so viele Paletten?
Hochregal vs. Bodenlagerung
Gleiche Grundfläche, aber 10 Meter Deckenhöhe statt 4. Die Rechnung ändert sich drastisch:
- Nutzbare Höhe: 10 m − 0,5 m (Sprinkler) = 9,5 m
- Stapelebenen: 9,5 m / 1,80 m = 5 Ebenen (5 × 1,80 = 9,0 m)
- Stellplätze gesamt: 60 × 5 = 300
Fünfmal so viele Paletten auf derselben Fläche. Genau deshalb reicht die reine Flächenbetrachtung in der Lagerplanung nicht aus. Drei Faktoren erzwingen die Volumenbetrachtung:
- Die Stapelhöhe bestimmt, wie viele Ebenen du nutzen kannst.
- Die Anfahrhöhe (Abstand Oberkante Ware bis Sprinkler oder Decke) begrenzt die oberste Ebene.
- Die Lastenaufnahme des Bodens und der Regale setzt physische Grenzen, die auf keinem Grundriss stehen.
Neue Aufgabe: Kühllager berechnen
Kasia gibt dir die Daten für das Kühllager: 10 m × 6 m Grundfläche, 3 Meter Deckenhöhe, 30 % Verkehrsflächenanteil. Die Kühlaggregate brauchen 40 cm Abstand zur Decke. Euro-Paletten, 1,60 m hoch gestapelt.
🤔 Frage dich: Jemand aus deinem Team sagt: "Das Kühllager hat 60 Quadratmeter, da passen locker 60 Paletten rein." Warum liegt diese Person falsch, und welche drei Werte muss sie noch berücksichtigen?
Teste dein Wissen
Kasia erklärt dir, warum 96 m² Grundfläche nicht 100 Palettenstellplätze bedeutet. Welcher Faktor macht die reine Flächenrechnung unzureichend?