Kommissionierbehälter und Ladehilfsmittel
Welcher Behälter hätte die Kratzer verhindert?
Falscher Behälter, zerkratzte Ware
Welcher Behälter hätte diese Kratzer verhindert, und woran erkennst du das vor dem ersten Griff? An der Kommissionierstation läuft es gerade nicht rund: Zwei Bluetooth-Lautsprecher aus deinem letzten Durchlauf haben Kratzer. Deine Kollegin zeigt dir die Schäden. Du hattest eine offene Gitterbox genommen, weil kein anderer Behälter in Reichweite stand. Die Lautsprecher sind jetzt nicht mehr als A-Ware verkaufbar. Warenschaden: rund 90 Euro. Der Kundenauftrag verzögert sich um mindestens zwei Stunden, weil nachkommissioniert werden muss.
Erinnerst du dich an den Schritt "Behälter bereitlegen" aus der Vorbereitungscheckliste? Genau hier setzt die Behälterwahl an. Dieser Schritt ist kein Formalismus. Er entscheidet darüber, ob die Ware unbeschädigt beim Packplatz ankommt oder ob du den Auftrag ein zweites Mal laufen musst.
Vier Kriterien für die richtige Behälterwahl
Die Wahl des Kommissionierbehälters folgt vier zentralen Kriterien. Jedes einzelne hätte im Lautsprecher-Fall den Schaden verhindern können:
- Schutzanforderung: Wie empfindlich ist die Ware? Zerbrechliche Elektronik braucht gepolsterte oder geschlossene Behälter. In einer offenen Gitterbox rutschen Artikel gegeneinander.
- Volumen: Passt die gesamte Auftragsmenge in den Behälter, ohne dass Artikel herausragen oder gestapelt werden müssen?
- Stapelbarkeit: Lassen sich die Behälter sicher übereinander setzen, ohne den Inhalt zu belasten? Das ist besonders bei schweren Artikeln relevant.
- Folgeprozesstauglichkeit: Kann der Behälter direkt an den Packplatz oder ins Versandregal übergeben werden, oder muss die Ware erst umgepackt werden?
Beim Lautsprecher-Auftrag war die Schutzanforderung das entscheidende Kriterium. Ein gepolsterter Sichtlagerkasten mit geschlossenen Seitenwänden hätte die Artikel fixiert und Kratzer verhindert.
Welcher Behälter passt zu welcher Warengruppe?
Behältertypen und ihre Einsatzbereiche
Nicht jeder Behälter eignet sich für jede Ware. Die folgende Zuordnung zeigt, wie die vier Kriterien in der Praxis zusammenspielen:
- Gepolsterter Sichtlagerkasten: Geschlossene Wände, oft mit Schaumstoffeinlage. Ideal für zerbrechliche Elektronik (Smartphones, Lautsprecher). Hoher Schutz, begrenzte Füllmenge. Direkt an den Packplatz übergebbar.
- Kunststoff-Tote (Kunststoffbehälter mit Deckel): Robust, dicht verschließbar, temperaturbeständig. Geeignet für Tiefkühlware und Flüssigkeiten. Gut stapelbar. Kann als Mehrwegbehälter im Kreislauf geführt werden, genau wie die Europaletten und Gitterboxen aus dem Mehrwegsystem.
- Euro-Karton: Leicht, kostengünstig, in Standardmaßen verfügbar. Passt zu Textilien und unempfindlichen Artikeln. Geringer Schutz gegen Feuchtigkeit. Oft direkt als Versandkarton nutzbar.
- Gitterbox: Offen, hohe Traglast, großes Volumen. Geeignet für Schüttgut (Schrauben, Dichtungen) oder robuste Großteile. Kein Schutz gegen Kratzer oder Feuchtigkeit.
Die Kriterien in der Anwendung
Die Zuordnung wird klarer, wenn du bei jedem Auftrag zwei Fragen durchgehst: Was kann der Ware passieren? und Was passiert danach mit dem Behälter?
Ein Beispiel: Du kommissionierst 30 Beutel Kabelbinder (Schüttgut). Die Ware ist robust, kratzerunempfindlich und leicht. Eine Gitterbox ist hier die richtige Wahl: großes Volumen, hohe Traglast, und die offene Bauweise stört nicht, weil die Artikel keinen Schutz brauchen.
Anderes Szenario: 15 Tiefkühlpizzen für einen Gastro-Kunden. Hier brauchst du einen Kunststoff-Tote mit Deckel, weil die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf und Kondenswasser den Karton aufweichen würde.
Was passiert nach dem Kommissionieren mit dem Behälter?
Euro-Karton vs. Kunststoff-Tote am Packplatz
Die Behälterwahl endet nicht am Regal. Sie bestimmt, wie viel Arbeit am Packplatz anfällt. Zwei Behälter im direkten Vergleich:
Euro-Karton: Du kommissionierst Textilien direkt in den Karton, der später als Versandverpackung dient. Am Packplatz wird nur noch Füllmaterial ergänzt und das Etikett aufgeklebt. Das spart einen kompletten Umpackschritt und verkürzt die Prozesszeit pro Auftrag deutlich.
Kunststoff-Tote: Die Ware muss am Packplatz aus dem Tote herausgenommen und in einen Versandkarton umgepackt werden. Das kostet zusätzliche Handgriffe und Zeit. Das Packmuster muss neu geplant werden, weil die Artikel nicht mehr in der Reihenfolge liegen, in der sie im Tote gestapelt waren. Der Tote selbst geht anschließend zurück ins Mehrwegsystem.
Der Tote ist trotzdem die bessere Wahl, wenn die Ware Schutz braucht (Tiefkühl, Flüssigkeiten). Der Mehraufwand am Packplatz ist dann der Preis für weniger Warenschäden.
Wenn der Behälter zu klein ist
Was passiert, wenn das Volumen der gepickten Artikel das Fassungsvermögen übersteigt? Drei konkrete Folgen:
- Prozessunterbrechung: Du musst mitten im Durchlauf einen zweiten Behälter holen. Das kostet Wegzeit und bricht deinen Kommissionierrhythmus.
- Zuordnungsfehler: Zwei Behälter für einen Auftrag erhöhen das Risiko, dass am Packplatz ein Behälter dem falschen Auftrag zugeordnet wird. Besonders kritisch bei Pick-by-Scan, weil der Scanner nur einen Behälter pro Auftrag erwartet.
- Beschädigungsgefahr: Wenn Artikel über den Rand hinausragen, können sie beim Transport auf dem Förderband herunterfallen oder gequetscht werden.
Die Lösung: Schätze das benötigte Volumen vor dem ersten Griff ab. Die Auftragsposition zeigt dir die Stückzahl und die Artikelgröße. Im Zweifelsfall nimm den nächstgrößeren Behälter. Ein halb leerer Tote ist billiger als ein beschädigter Artikel.
Lernziele
- die Auswahl des geeigneten Kommissionierbehälters für vorgegebene Artikelgruppen anzuwenden, indem für 4 von 5 vorgegebene Ladungsszenarien (z.B. zerbrechliche Elektronik, Tiefkühlware, Schüttgut, Flüssigkeiten, Textilien) der passende Behältertyp ausgewählt und die Wahl mit mindestens einem konkreten Merkmal begründet wird
- die Auswahlkriterien für Kommissionierbehälter bei unterschiedlichen Warengruppen zu erläutern, indem die Merkmale Schutzanforderung, Volumen, Stapelbarkeit und Folgeprozesstauglichkeit beschrieben und für mindestens 3 verschiedene Warengruppen (z.B. Elektronik, Schüttgut, Tiefkühlware) der jeweils geeignete Behältertyp mit mindestens zwei konkreten Kriterien begründet wird
- zu analysieren, wie die Wahl des Kommissionierbehälters den nachgelagerten Verpackungsprozess beeinflusst, indem am Beispiel Euro-Karton vs. Kunststoff-Tote mindestens 2 Auswirkungen auf Packmuster, Verpackungsaufwand oder Prozesszeit im Folgeprozess untersucht und beschrieben werden, sowie die Konsequenzen eines überschrittenen Behältervolumens für den Prozessablauf benannt werden