Lernfeld 5: Güter kommissionieren

Digitale Kommissioniertechnologien: Scan, Voice, Light

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Digitale Kommissioniertechnologien: Scan, Voice, Light

Warum versagt der Handscanner im Tiefkühllager?

Handschuhe aus, scannen, Handschuhe an

Du ziehst den Thermohandschuh aus, tippst auf dem beschlagenen Display herum und scannst den Barcode am Regalfach. Handschuh wieder an. Nächster Pick: Handschuh aus, scannen, Handschuh an. Minus 22 Grad. Gerade eben im Schulungsraum hast du die Automatisierungsgrade der Kommissionierung durchgenommen, von manuell bis vollautomatisch. Alles klang logisch. Aber hier im Tiefkühllager deines Ausbildungsbetriebs funktioniert der Handscanner kaum. Nach zehn Picks sind deine Finger taub, die Pickliste ist feucht, zwei Artikelnummern nicht mehr lesbar. Von 35 Positionen hast du erst ein Drittel geschafft. Jede Fehlentnahme kostet bis zu 80 Euro Retoure. Und zu lange bei dieser Kälte zu bleiben, ist ein Gesundheitsrisiko.

Drei Technologien, die das Problem unterschiedlich lösen

Für die fehlerfreie Zuordnung von Artikel und Auftrag haben sich drei digitale Kommissioniertechnologien durchgesetzt:

  1. Pick-by-Scan: Handscanner oder Ringscanner liest Barcodes am Regalfach und am Artikel
  2. Pick-by-Voice: Headset mit Mikrofon gibt Lagerplatz und Menge per Sprachansage durch
  3. Pick-by-Light: Leuchtanzeigen direkt am Regalfach signalisieren Entnahmeort und Menge

Alle drei senken die Fehlerquote unter 1 Prozent. Aber jede hat andere Stärken und Grenzen. Im Tiefkühllager hast du gerade erlebt, wo Pick-by-Scan an seine Grenzen kommt.

Wie funktionieren Pick-by-Scan und Pick-by-Voice genau?

Pick-by-Scan: Der digitale Klassiker

Pick-by-Scan ist die am weitesten verbreitete Kommissioniertechnologie. Du scannst mit einem Handscanner oder einem am Finger getragenen Ringscanner den Barcode am Regalfach und am Artikel. Das Lagerverwaltungssystem (LVS) gleicht beide Codes ab und bestätigt die korrekte Entnahme auf dem Display.

Zwei charakteristische Merkmale:

  • Visuelle Bestätigung: Das Display zeigt Lagerplatz, Artikelnummer und Sollmenge. Nach dem Scan erscheint sofort eine Bestätigung oder Fehlermeldung.
  • Hohe Identifikationssicherheit: Durch den doppelten Barcode-Abgleich sinkt die Verwechslungsquote auf unter 0,3 Prozent.

Die Einschränkung: Mindestens eine Hand muss frei sein, um den Scanner zu bedienen.

Pick-by-Voice: Kommissionieren per Sprache

Bei Pick-by-Voice trägst du ein Headset mit Mikrofon. Das System sagt dir per Sprachausgabe den nächsten Lagerplatz und die Entnahmemenge an. Du bestätigst die Entnahme, indem du eine Prüfziffer am Regalfach laut vorliest.

Zwei charakteristische Merkmale:

  • Hände und Augen frei: Kein Display, kein Scanner. Beide Hände bleiben für die Ware verfügbar, auch mit Schutzhandschuhen.
  • Sprachbasierte Führung: Die Wegführung erfolgt akustisch. Neue Lagerkräfte brauchen keine Lagerplatzkenntnisse und sind nach kurzer Einweisung einsatzfähig.

Wann ist welche Technologie überlegen?

Pick-by-Light: Licht zeigt den Weg

Bei Pick-by-Light leuchtet eine Anzeige direkt am Regalfach auf, aus dem du entnehmen sollst. Ein kleines Display am Fach zeigt die Entnahmemenge. Nach der Entnahme bestätigst du per Tastendruck an der Fachanzeige.

Zwei charakteristische Merkmale:

  • Extrem schnelle Orientierung: Kein Suchen, kein Lesen. Das leuchtende Fach springt sofort ins Auge. Bei Schnelldrehern erreicht Pick-by-Light die höchste Pickgeschwindigkeit aller drei Technologien.
  • Feste Installation am Regal: Jedes Fach braucht eine eigene Anzeige. Die Erstinstallation ist teuer, und bei Sortimentsänderungen muss die Hardware umgebaut werden.

Stärken und Grenzen im direkten Vergleich

Die Wahl der Technologie hängt von den konkreten Einsatzbedingungen ab:

  • Handfreiheit: Voice lässt beide Hände komplett frei. Light erfordert nur einen kurzen Tastendruck. Scan bindet mindestens eine Hand dauerhaft.
  • Pickgeschwindigkeit bei Schnelldrehern: Light schlägt Voice und Scan, weil die visuelle Sofortorientierung schneller ist als jede Sprachansage.
  • Flexibilität bei Sortimentswechsel: Scan und Voice brauchen nur ein Software-Update im LVS. Bei Light muss die Hardware am Regal umgebaut werden.
  • Fehlerquote: Alle drei liegen unter 1 Prozent. Scan erreicht durch den doppelten Barcode-Abgleich die niedrigsten Werte (unter 0,3 Prozent).

Welche Technologie passt zu welcher Betriebssituation?

Zurück ins Tiefkühllager

Erinnerst du dich an das Problem von Seite 1? Minus 22 Grad, Thermohandschuhe, beschlagenes Display. Für dieses Szenario ist Pick-by-Voice die beste Wahl:

  1. Handfreiheit trotz Schutzausrüstung: Die Thermohandschuhe bleiben an. Kein Display, kein Scanner nötig. Die Sprachsteuerung funktioniert auch mit dicker Schutzkleidung.
  2. Kürzere Aufenthaltszeit in der Kältezone: Ohne ständiges Handschuh-Wechseln arbeitest du schneller und verlässt die Kältezone früher. Das schützt deine Gesundheit und hält die Konzentration hoch.

Schnelldreher-Regal mit hohem Durchsatz

Zweites Szenario: Ein Fachbodenregal mit 80 Schnelldrehern. Pro Stunde müssen 120 Picks geschafft werden. Hier ist Pick-by-Light die beste Wahl:

  1. Maximale Pickgeschwindigkeit: Das leuchtende Fach eliminiert jede Suchzeit. Bei 120 Picks pro Stunde zählt jede Sekunde.
  2. Stabiles Sortiment: Schnelldreher wechseln selten ihre Regalplätze. Die feste Installation ist hier kein Nachteil, weil die Artikel langfristig auf denselben Fächern liegen.

Als Faustregel: Kälte und Schutzkleidung sprechen für Voice. Hohe Pickfrequenz bei festem Sortiment spricht für Light. Maximale Flexibilität und niedrigste Fehlerquote sprechen für Scan.

Lernziele

  • die drei digitalen Kommissioniertechnologien mit ihren Kernmerkmalen aufzuzählen, indem alle 3 Technologien korrekt bezeichnet und je 2 charakteristische Merkmale pro Technologie ohne Fehler aufgeführt werden
  • die Stärken und Grenzen der drei Kommissioniertechnologien in verschiedenen Einsatzszenarien zu differenzieren, indem für 3 von 4 vorgegebenen Einsatzszenarien die jeweils überlegene Technologie identifiziert und die Begründung auf spezifische Einsatzbedingungen (Handfreiheit, Lichtbedingungen, Fehlerquote) gestützt wird
  • die Technologiewahl für zwei konkrete Kommissioniersituationen zu beurteilen, indem für 2 beschriebene Situationen (Tiefkühllager mit Schutzhandschuhen, Schnelldreher-Regal mit hoher Durchsatzrate) jeweils die am besten geeignete Technologie gewählt und die Entscheidung mit mindestens 2 betrieblichen Kriterien begründet wird
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