Lernfeld 4: Güter im Betrieb transportieren

Stetige Fördermittel

Lerninhalt aus der Ausbildung zum Fachlagerist:in

Stetige Fördermittel

Warum reichen mehr Gabelstapler nicht aus?

Sommer vs. Saisongeschäft: Wenn das System kippt

Im Sommer reichten zwei Gabelstapler locker für den Wareneingang deines Versandlagers. Jetzt im November fahren drei Stapler pausenlos Pakete zur Sortierung, und trotzdem wächst der Rückstau an der Rampe. Jede Fahrt geht einzeln hin und zurück. Dein Ausbilder sagt: Mit Gabelstaplern allein ist das bei diesen Mengen nicht zu schaffen. Über 400 Pakete verpassen die Abendsortierung. Kund:innen bekommen ihre Bestellungen einen Tag zu spät. Gleichzeitig steigt das Unfallrisiko, weil die Staplerfahrer:innen unter Zeitdruck immer schneller durch die Gänge fahren.

Der innerbetriebliche Materialfluss beschreibt das Was: Transportgut, Transportmittel, Transportweg, Transportzeitpunkt. Jetzt geht es um das Wie: Welche Art von Fördermittel kann einen ständigen Transportstrom bewältigen, ohne auf Einzelfahrten angewiesen zu sein?

Was macht ein Fördermittel "stetig"?

Die Antwort liegt in einer eigenen Kategorie von Fördermitteln: den stetigen Fördermitteln. Sie transportieren Güter in einem ununterbrochenen, kontinuierlichen Fluss auf einer festen Strecke. Kein Anhalten, kein Wenden, kein Leerfahren. Die vier wichtigsten Typen und ihre typischen Einsatzbereiche:

  1. Förderband: Paketverteilanlagen, Schüttgut in der Produktion
  2. Rollenbahn: Kommissionierung, Warenein- und -ausgang
  3. Hängebahn (Power-and-Free): Automobilfertigung, Textillogistik
  4. Kettenförderer: Schwerlasttransport, Palettenfördertechnik

Wie unterscheiden sich Rollenbahn, Hängebahn und Kettenförderer?

Rollenbahn: einfach, aber streckengebunden

Die Rollenbahn besteht aus nebeneinander angeordneten Rollen, über die Kartons, Behälter oder Paletten gleiten. Es gibt sie mit und ohne Antrieb. Ohne Antrieb (Schwerkraftrollenbahn) nutzt sie ein leichtes Gefälle und braucht kaum Energie. Mit Antrieb bewegt sie auch schwere Lasten zuverlässig.

  • Durchsatz: mittel bis hoch, je nach Antrieb und Strecke
  • Flexibilität: gering, da die Strecke fest installiert ist
  • Geeignet: Wareneingang, Kommissionierung mit festen Wegen
  • Ungeeignet: Werkstattfertigung mit wechselnden Routen

Hängebahn: Transport über den Köpfen

Die Hängebahn (auch: Elektrohängebahn oder Power-and-Free-System) transportiert Güter an Schienen unter der Hallendecke. Der Boden bleibt frei für andere Arbeiten. Einzelne Laufkatzen können unabhängig gesteuert werden, was Pufferzonen und Überholmanöver ermöglicht.

  • Durchsatz: hoch, da viele Laufkatzen parallel fahren
  • Flexibilität: mittel, Strecke ist fest, aber Laufkatzen individuell steuerbar
  • Geeignet: Automobilfertigung, Lackieranlagen, Textillogistik
  • Ungeeignet: Transport von Schüttgut (Sand, Kies)

Kettenförderer: die Schwerlastlösung

Der Kettenförderer zieht oder schiebt schwere Lasten (Paletten, Gitterboxen, Maschinenteile) mithilfe einer umlaufenden Kette. Er ist robust und für hohe Gewichte ausgelegt, verbraucht aber mehr Energie als eine Rollenbahn.

  • Durchsatz: hoch, auch bei schweren Gütern konstant
  • Flexibilität: gering, feste Streckenführung
  • Geeignet: Palettentransport, Schwerlastlogistik, Tiefkühllager
  • Ungeeignet: Kleinteilkommissionierung mit häufig wechselnden Produkten

Stetig oder unstetig: Welches Fördermittel passt wann?

Zurück zum Novemberproblem: vier Betriebssituationen im Vergleich

Erinnerst du dich an den Rückstau im Wareneingang? Der Gabelstapler ist ein unstetiges Fördermittel: Er fährt einzelne Ladungen auf wechselnden Routen. Das ist flexibel, aber bei hohem Volumen zu langsam. Stetige Fördermittel dagegen laufen ohne Pause auf fester Strecke. Die Wahl hängt von der Betriebssituation ab:

  • Paketverteilanlage (hohes Volumen, feste Wege, Dauerbetrieb): Förderband oder Rollenbahn. Entscheidend: Durchsatzvolumen und Dauerbetrieb sprechen klar für stetig.
  • Werkstattfertigung (kleine Lose, wechselnde Routen): Gabelstapler oder Routenzug. Entscheidend: Flexibilität der Route macht unstetige Mittel überlegen.
  • Tiefkühllogistik (schwere Paletten, feste Strecke, wenig Personal): Kettenförderer. Entscheidend: Automatisierung reduziert die Aufenthaltszeit von Beschäftigten in der Kälte.
  • Stückgutkommissionierung (viele verschiedene Artikel, kurze Wege): Kombination aus Rollenbahn und Handwagen. Entscheidend: Mischung aus festem Hauptstrom und flexibler Feinverteilung.

Die zwei entscheidenden Fragen bei der Wahl

Ob stetig oder unstetig besser passt, lässt sich auf zwei Kernfragen verdichten: Erstens, ist die Transportstrecke immer gleich oder wechselt sie ständig? Feste Strecken sprechen für stetige Fördermittel. Zweitens, wie hoch ist das Transportvolumen pro Zeiteinheit? Je mehr Güter pro Stunde bewegt werden müssen, desto stärker spielt der Vorteil des ununterbrochenen Flusses. Im Novemberfall deines Lagers war die Antwort auf beide Fragen eindeutig: feste Strecke, hohes Volumen. Ein Förderband hätte den Rückstau verhindert.

Lernziele

  • Rollenbahn, Hängebahn und Kettenförderer nach Durchsatz, Flexibilität und Energiebedarf zu unterscheiden, indem für alle 3 Fördermitteltypen mindestens je 2 charakteristische Eigenschaften sowie ein geeigneter und ein ungeeigneter Einsatzbereich korrekt beschrieben werden
  • stetige Fördermittel und ihre Hauptmerkmale zu benennen, indem mindestens 4 stetige Fördermitteltypen (Förderband, Rollenbahn, Hängebahn, Kettenförderer) korrekt benannt und jeweils einem typischen Einsatzbereich zugeordnet werden
  • stetige und unstetige Fördermittel nach Einsatztauglichkeit in Betriebsbereichen zu vergleichen, indem für 3 von 4 beschriebenen Betriebssituationen (z.B. Paketverteilanlage, Werkstattfertigung, Tiefkühllogistik, Stückgutkommissionierung) begründet dargestellt wird, ob ein stetiges oder unstetiges Fördermittel besser geeignet ist, und mindestens 2 entscheidende Kriterien (z.B. Dauerbetrieb, Flexibilität der Route, Durchsatzvolumen) genannt werden
Bereit für mehr?

Thema verstanden?

Teste dein Wissen interaktiv in unserer App. 7 Tage kostenlos, dann nur 5 € im Monat.